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«Der Tourismus kannibalisiert sich selbst»

Bedrohtes Erholungsgebiet: Am Riedberger Horn im Allgäu/D sollen Liftanlagen und Skipisten gebaut werden. (c) DAV

Die Ziele der Alpenkonvention voranbringen und nachhaltig gestalten – das forderten CDU/CSU und SPD im Deutschen Bundestag. Gleichzeitig sorgen fragwürdige Erschliessungspläne in Erholungsgebieten für rege Diskussionen.

120 Millionen TouristInnen erholen sich jedes Jahr in den Alpen. Die meisten reisen nach wie vor mit dem eigenen Auto an. Das bringt Lärm, Luftverschmutzung und Flächenverbrauch mit sich und beeinträchtigt die Lebensqualität. Die deutschen Parteien CDU/CSU und SPD drängen daher in einem Antrag, den sie Ende September 2015 im Bundestag vorgebracht haben, auf den Ausbau von Bahnstrecken. Der Verkehr soll auf die Schiene verlagert werden und die Ferienorte sollen besser mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen werden. Sie plädieren überdies für mehr verkehrsfreie und verkehrsberuhigte Zonen in den Ortschaften. Hintergrund der Initiative ist der derzeitige deutsche Vorsitz der Alpenkonvention.

Klingt schön und gut. Gleichzeitig schiessen mancherorts fragwürdige Erschliessungspläne aus dem Boden. Im Oberallgäu etwa erhitzen Pläne für Liftanlagen und Skipisten am Riedberger Horn die Gemüter von NaturschützerInnen, LokalpolitikerInnen und TourismusmanagerInnen. Und die Konfliktlinien verlaufen auch innerhalb der CSU, da die Bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf sich klar gegen das Projekt positionierte, nun aber auf Druck des Bayerischen Staatsministers Markus Söder im Kabinett überstimmt werden könnte. Auch andernorts werden Ausbau-Pläne geschmiedet: Im italienischen Livigno soll eine Ersatzanlage für eine bestehende Seilbahn neu eine geschützte Landschaft queren, ein Lebensraum des Alpenschneehuhns, um nur ein Beispiel zu nennen. Eine Klage von Legambiente ist hängig, das Urteil wird per 5. November erwartet.

Über die touristische Zukunft der Alpen diskutierten auch Teilnehmende der «Alpenkonferenz» Anfang Oktober in Tirol/A, darunter Alpenforscher Werner Bätzing, Markus Reiterer, Generalsekretär der Alpenkonvention, Raumplanerin Gerlind Weber und Katharina Conradin, Präsidentin von CIPRA International, die feststellt: «Das Wettrüsten der Wintersportorte ist längst an seine Grenzen gestossen. Hier kannibalisiert sich der Tourismus selbst. Wir brauchen nicht mehr Masse, sondern mehr Qualität.»

Quellen und weitere Informationen: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/061/1806187.pdf, http://www.cipra.org/de/news/protest-vor-der-bayer-staatskanzlei, http://lombardia.legambiente.it/contenuti/comunicati/legambiente-presenta-un-nuovo-ricorso-contro-il-progetto-della-seggiovia-vallac (it), http://milano.corriere.it/notizie/cronaca/15_settembre_25/livigno-vittoria-ambientalisti-tar-blocca-nuova-seggiovia-444a4be6-63a9-11e5-9954-7c169e7f3b05.shtml (it), www.ilgiorno.it/sondrio/livigno-tar-sci-vallaccia-seggiovia-legambiente-1.1335798 (it), https://tirol.gruene.at/alpenkonferenz