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Bühne frei für die Jugend

Begegnung: Treffen mit dem Generalsekretär der Alpenkonvention, Markus Reiterer (c) Michele Silvestro

«I love bio», bekennt die grün umrandete Figur im weissen Bilderrahmen, der an prominenter Stelle über dem Schreibtisch von Markus Reiterer hängt. Eine orange Sonne über der Figur fordert: «Reduce, reuse, recycle». Gestaltet ist das Bild vollständig aus Abfall. Es erzählt die Geschichte einer lustvollen Reise. Eine, die Markus Reiterer, Generalsekretär des Ständigen Sekretariats der Alpenkonvention, seinen Besuchern im Büro gerne weitererzählt.

Juni 2015, Expo Mailand: Markus Reiterer ist zuletzt an der Reihe. Vier andere Vertreter der Vertragsparteien der Alpenkonvention stehen schon auf der Bühne, weisse Bilderrahmen in den Händen. Neben den Herren in dunklen Anzügen stehen junge Menschen in weissen T-Shirts. Ein kirschroter Kreis mit einer weissen Null, umrandet von einem blassgrünen Ring, prangt auf deren Brust. Null Punkte, null CO2-Emissionen. Für ihre Reise mit Bahn, Bus, Rad oder zu Fuss von ihren Heimatorten hierher haben die 22 Teilnehmenden des «Youth Alpine Express», einem Projekt der CIPRA, insgesamt 3’124 Punkte gebraucht, das sind durchschnittlich 142 Punkte pro Person und Tag. Die Idee wäre, nicht mehr als 100 Punkte oder 6,8 Kilogramm CO2 zu verbrauchen, um das Zwei-Grad-Ziel der internationalen Klimapolitik zu erreichen.
Eine junge Frau mit Pferdeschwanz und kurzem Rock macht einen Schritt auf Markus Reiterer zu. Lisa Maria Marchl übergibt dem Generalsekretär das Bild, gestaltet aus Verpackungsmaterial von Produkten, die sie unterwegs konsumiert haben. «Das ist die Botschaft, die wir Ihnen mitgeben», sagt die Vertreterin der italienischen Delegation. «Ernähre dich saisonal, regional und biologisch!»  Strahlend stellen sie sich den Fotografen.
Das Treffen mit den Jugendlichen des «Youth Alpine Express» war für Markus Reiterer ein Farbtupfer in der Anonymität der Grossveranstaltung in Mailand. Doch aus den Begegnungen mit Jugendlichen zieht er mehr: «Wenn man über Jahre im Berufsleben steckt, gewöhnt man sich an gewisse diplomatische Normen. Die Jugendlichen gehen unvoreingenommen und frech an die Fragestellungen heran. Wir können von ihnen lernen.» Die Alpenkonvention zeigt, dass es ihr ernst ist mit Jugendbeteiligung: So kam der Anstoss für das Thema des nächsten Alpenzustandsberichts zu grüner Wirtschaft von Jugendlichen, die 2013 an einer Sitzung des Ständigen Ausschusses teilgenommen hatten.

«Ernähre dich saisonal, regional und biologisch»

Auch die Jugendlichen erkennen, dass sich etwas verändert hat. Am Tag vor dem Treffen mit den Vertretern der Alpenkonvention in Milano tauschten sie sich mit der Schweizer Alpenkonventionsvertreterin, der Umweltmisterin Doris Leuthard, aus. Andrea Müller aus dem schweizerischen Entlebuch blickt zurück: «An der AlpenWoche 2012 in Poschiavo mussten wir noch um Aufmerksamkeit kämpfen. Heute sind wir auf jedem Foto mit der Umweltministerin. Das ist auch eine Möglichkeit, unsere Botschaft zu vermitteln.»  
Die Geschichte wird weitererzählt. Nicht nur über das Reisebild in Markus Reiterers Büro. Der Generalsekretär hat die Botschaft der Jugendlichen im November 2015 auch nach Paris an die Klimakonferenz der Vereinten Nationen getragen. Im Frühling 2016 begegnet er dem «Youth Alpine Express» der CIPRA am Jugendparlament der Alpenkonvention im italienischen Bassano del Grappa nochmals. Eine weitere Gelegenheit für einen Austausch gibt es im Herbst 2016 an der AlpenWoche im deutschen Grassau – vielleicht sogar mit den UmweltministerInnen der Alpenkonferenz.

Quelle: Jahresbericht 2015, CIPRA International, www.cipra.org/jahresberichte