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Anachronismus oder Chancenförderer?

(c) Departement for Communities and Local Gouvernment / flickr.com

Frauennetzwerke ermöglichen Frauen, Kontakte zu knüpfen, sich unter Gleichgesinnten auszutauschen und fördern das berufliche Fortkommen, sagen die einen. Genauso überzeugt halten die anderen dagegen: Netzwerke, die Männern den Zutritt verwehren, sind anachronistisch und ihr Anspruch, karrierefördernd zu wirken, ist überholt.

Es ist eine Tatsache, dass wir auch im Jahr 2015 vom Ziel der beruflichen Gleichstellung noch weit entfernt sind – auch wenn Frauen in vielen Fachbereichen die Mehrheit der immatrikulierten Studierenden ausmachen und auch wenn Frauen in allen Alpenländern auf nationaler Ebene Regierungspositionen einnehmen. Es ist genauso eine Tatsache dass wir allen Anstrengungen zur beruflichen Gleichstellung von Mann und Frau zum Trotz in gewissen Geschlechterstereotypen verharren. Die gesellschaftlichen Normen, was sich für wen gehört und was nicht, sind tief verankert. Werden Personalverantwortlichen beispiels­weise zwei identische Bewerbungen vorgelegt, einmal von einer Frau und einmal von einem Mann, wird diejenige des Mannes oft als kompetenter eingeordnet, wie Unter­suchungen belegen.
Der Austausch und die Vernetzung in Frauennetzwerken finden unabhängig dieser gesellschaftlichen Fallgruben statt. Das ist möglicherweise ihr grösster Vorteil – und gibt ihnen wohl noch eine Weile ihre gesellschaftspolitische Daseinsberechtigung. Ganz abgesehen davon geht es in Frauennetzwerken selten nur um Frauenanliegen. Viel eher werden hier Fachfragen diskutiert, es wird argumentiert, es werden Kontakte gepflegt. Genau wie man es eben in Netzwerken tut.
Wie bei so vielem ist es auch in punkto Frauennetzwerken so: Die Welt ist nicht schwarz-weiss und schon gar nicht hellblau-rosarot. Frauennetzwerke können wertvolle Dienste leisten, wenn es darum geht, den beruflichen Austausch zu pflegen und fachliche, gesellschaftliche oder politische Fragen unter «ihresgleichen» zu diskutieren. Den Kontakt zu Berufskollegen hingegen kann kein noch so gutes Frauennetzwerk ersetzen. Zu diesem Schluss dürften engagierte Berufsfrauen schon lange gekommen sein.

Katharina Conradin
CIPRA International

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