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Alpweiden: überteuerte Pacht und doch ungenutzt

Das Vieh geht in den italienischen Alpen leer aus, weil die traditionelle Bergwirtschaft durch Kommerz zerstört wird. © Joerg Trampert / pixelio.de

Bäuerliche Kleinbetriebe in den italienischen Alpen geraten in Bedrängnis: landwirtschaftliche Grossbetriebe im Flachland betreiben Spekulation mit Alpweiden.

Die traditionelle Landwirtschaft steckt in einer Krise. Trotzdem steigen in den italienischen Alpen die Pachtzinsen für Weideflächen in unerschwingliche Höhen. Lokale ZüchterInnen kommen an ihre Grenzen. Aufsehen erregte jüngst die kleine Gemeinde Acceglio im Maira-Tal mit einem Pachtangebot für fast 3000 Hektar Grünland zum Preis von über einer Million Euro.

In öffentlichen Ausschreibungen werden die Flächen an die Meistbietenden verpachtet. Dies öffnet jenen Tür und Tor, denen es einzig darum geht, die Fördermittel der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU einzustreichen. Diese wären eigentlich dafür vorgesehen, die Lebensgrundlagen der Kleinbauern zu sichern und die Biodiversität auf Bergwiesen zu sichern. Die verpachteten Flächen jedoch bleiben oft ungenutzt oder weniger Tiere als vorgesehen werden auf die Alpweiden gebracht. Der Schaden ist doppelt: Einerseits gehen die «echten»  BewirtschafterInnen wegen der überhöhten Preise leer aus. Und selbst wenn sie sich eine Pacht leisten könnten, bekämen sie weniger Förderung als die Betriebe im Flachland, da diese auf dem Viehbestand basiert. Andererseits werden die Flächen nicht bewirtschaftet, weil die PächterInnen kein Vieh auf die Weiden treiben, diese daraufhin zuwachsen und eines Tages nicht mehr als Weideland nutzbar sind. Die Gemeinden als Grundeigentümer der meisten Weiden schneiden sich ins eigene Fleisch, wenn ihnen der kurzfristige maximale Profit näher liegt als eine nachhaltige Bewirtschaftung.

Die Möglichkeit, Weiden zu verpachten und sie nicht oder nur gering mit Vieh zu bestücken, ist in Italien jedoch legal und offensichtlich erlauben die GAP-Mechanismen die Spekulation mit den Bergen. Doch diejenigen, die es ganz bunt treiben, wie zum Beispiel jene, die Waldflächen als Weideflächen (ver)pachteten, mussten ihre Fördersummen an die Europäische Gemeinschaft zurückzahlen.

 Quellen und weitere Informationen: http://www.lastampa.it/2015/03/02/edizioni/cuneo/alpeggi-quotati-a-prezzi-record-3rYpRrnnPiCdRGReR3YhEP/pagina.html (it), http://www.cuneo.coldiretti.it/appalti-alpeggi-dei-comuni-troppo-esosi-per-i-veri-margari.aspx?KeyPub=17246891|CD_CUNEO_HOME&Cod_Oggetto=66766462&subskintype=Detail (it), http://torino.repubblica.it/cronaca/2015/03/04/news/truffa_milionaria_alla_ue_per_pascoli_fantasma-108719370/ (it), http://www.ideawebtv.it/attualita-2/26419-truffa-negli-alpeggi-dall-uncem-una-ferma-condanna-per-quanto-avvenuto-nelle-valli-torinesi