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Standpunkt: Alpine Tresoren erhalten

Katharina Conradin ist Geschäftsleiterin von Mountain Wilderness Schweiz. © Heinz Hess

Von Slowenien bis Frankreich schlummern Dutzende Erschliessungsprojekte in den Schubladen der Investoren. Umso wichtiger ist es, zu den bestehenden Schutzgebieten zu stehen, findet Katharina Conradin, Vorstandsmitglied von CIPRA International und Geschäftsführerin von Mountain Wilderness Schweiz.

In Österreich sollen die beiden Skigebiete Axamer Lizum und Schlick quer durch das offizielle Ruhegebiet Kalkkögel verbunden werden. In Bayern fahren am Sudelfeld bereits die Bagger auf, um einen Speichersee in bislang unbekannten Dimensionen für die Beschneiung des tief gelegenen Skigebiets zu bauen – mitten im Landschaftsschutzgebiet, mit behördlichem Segen. In der Schweiz wurde soeben die Bewilligung für die Skigebietsverbindung Andermatt-Sedrun mit sieben neuen und acht Ersatzanlagen erteilt. Die Beweggründe sind stets dieselben: Gewinnmaximierung. Der Verlust der Natur wird nicht einberechnet.

Schützen und Nutzen können zusammengehen. Bereits gibt es im ganzen Alpenbogen Destinationen, die bewusst auf den Intensivtourismus im Winter verzichten und damit auch wirtschaftlich gut fahren. Innovationen im Holzbau steigern den Wert des reichlich vorhandenen Holzes und zeigen, dass sich Ästhetik und ein schonender Umgang mit Ressourcen ergänzen. Der Handel mit regional hergestellten Qualitätsprodukten aus dem Berggebiet entlastet Transportachsen und fördert den Erhalt der lokalen Kultur und Landschaft.

Diese guten Beispiele bedeuten jedoch nicht, dass Schützen als eigenständiges Ziel ausgedient hat. Eine nachhaltige Nutzung muss oberste Priorität haben. Dafür braucht es Lenkung – auch in Form von Schutzgebieten. Wir können die natürlichen Ressourcen nur längerfristig nutzen, wenn wir sie auch bewahren. Schutzgebiete sind Tresoren des alpinen Reichtums. Es wäre fatal, sie kurzfristigem Gewinnstreben zu opfern.

Katharina Conradin,
Geschäftsleiterin von Mountain Wilderness Schweiz