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Alpenweite Seilschaften gefragt

Mit geeinter Stimme: CIPRA-VertreterInnen an der Medienkonferenz. (c) Josef Essl

CIPRA Österreich, CIPRA Deutschland, CIPRA Südtirol. Die Seilbahnbranche überbietet sich zurzeit mit Superlativen. Durch die Verbindung der österreichischen Skigebiete im Pitztal und im Ötztal soll das «grösste Gletscherskigebiet der Welt» entstehen.

Lech-St. Anton wirbt mit dem «grössten Skigebiet Österreichs», und die Lenzerheide wurde durch den Zusammenschluss mit Arosa zur «grössten zusammenhängenden Skiregion» in Graubünden, Schweiz. Allein in Bayern/D, Tirol/A und Südtirol/I warten 31 Seilbahnprojekte auf ihre Realisierung. Es ist ein alpenweiter Verdrängungswettbewerb, der die Investitionsspirale ankurbelt. Erweitert ein Skigebiet die Fläche, so sehen sich die anderen Wintersportorte im Zugzwang: Auch sie wollen vergrössern, um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können.

Der Kampf einzelner Organisationen gegen diese Front an Erschliessungsplänen, die sich in ihrer Argumentation, Vorgehensweise und Forderungen in den Alpenstaaten gleichen, wird immer schwieriger. Daher werden Seilschaften und Netzwerke wie die der CIPRA dringend benötigt. Die drei CIPRAs aus Österreich, Südtirol und Deutschland haben sich zu einer grenzüberschreitenden Nord-Süd-Achse zusammengeschlossen. Einerseits wollen sie der Öffentlichkeit und Politik die ungebremste Erschliessung der Alpen aufzeigen, andererseits möchten sie verdeutlichen, dass Fragen zu Skigebietserschliessungen und zur Raumplanung mittels internationaler Regelungen beantwortet werden müssen.

In Deutschland gab es in der Vergangenheit diesen Erschliessungsdruck nicht. In der Landesplanung werden mit dem Bayerischen Alpenplan, einem Vorzeigebeispiel alpiner Raumplanung, 43 Prozent der Gesamtfläche der «Stillen Erholung» zugerechnet. Dort dürfen keine Pisten oder Lifte gebaut werden. Am Riedberger Horn im Allgäu stellt die Politik diese Regelung nun in Frage und versucht, für eine Seilbahnverbindung Flächen aus der geschützten Zone C des Alpenplans herauszunehmen. Ein seit 44 Jahren unverändertes, bewährtes Planungsinstrument wird damit in Frage gestellt. Es ist das internationale Vertragswerk der Alpenkonvention, welches das Dach zur Umsetzung von alpenweiten Lösungen bildet. Eine alpenweit geltende Raumordnungsarchitektur, orientiert an guten Beispielen wie dem Bayerischen Alpenplan, ist gefragt. Die Einsetzung einer Arbeitsgruppe «Alpine Freiraumplanung/Alpine Raumordnung» innerhalb der Alpenkonvention wäre ein erster Schritt. Darin sollten alpenweit geltende Vorschläge für das Durchbrechen der sich immer weiter drehenden touristischen Wachstumsspirale ausgearbeitet werden.

Gemeinsame Aktionen von CIPRA Österreich, Deutschland und Südtirol wie Pressekonferenzen in München/D und Innsbruck/ A, die Forderung nach einer alpenweiten Debatte über die Wachstumsspirale beim Seilbahnbau und der Aufruf, die Durchführungsprotokolle der Alpenkonvention ernsthaft umzusetzen, führten zu einem anhaltenden und alpenweiten Medienecho. Die drei nationalen CIPRAs sehen sich auch als ein Sprachrohr der Zivilgesellschaft, um Probleme und Herausforderungen aufzuzeigen und Lösungsmöglichkeiten anzusprechen. «Die Orientierung in Richtung eines naturnahen Tourismus, in dem Angebote auf die natur- und kulturräumlichen Qualitäten des Alpenraums aufbauen anstatt sie zu beeinträchtigen, wäre eine zukunftsfähige Lösung für Mensch und Natur», postuliert Peter Hasslacher, Präsident von CIPRA Österreich. Zusammen mit den Vertretungen in Deutschland und Südtirol werden sie diese Zusammenarbeit weiter vertiefen und sich mit starker Stimme für einen umfassenden Alpenschutz und eine nachhaltige Alpenentwicklung einsetzen.

www.cipra.at
www.cipra.de
www.cipra.org/suedtirol