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Standpunkt: Die Berge wachsen nicht in den Himmel

Claire Simon ist Geschäftsführerin von CIPRA International. © Martin Walser

Berge und Täler werden nicht grösser - zumindest nicht im Zeithorizont eines Menschen. Unser Appetit jedoch wächst von Tag zu Tag. Früher oder später werden wir unseren Verbrauch natürlicher Ressourcen an deren Verfügbarkeit anpassen müssen. Entscheiden wir uns für ein massvolles Leben aus freiem Willen, bevor wir dazu gezwungen werden! fordert Claire Simon.
Vor nicht allzu langer Zeit lebten wir Menschen insbesondere in den Bergen innerhalb der Grenzen, die uns die Umwelt setzte. Dann meinten wir, uns durch Wissenschaft und Technik davon befreien zu können. Das Wachstumsparadigma liess uns von einer Erde und von Alpen ohne Grenzen träumen. Die Konflikte jedoch zwischen unserem Lebensstil und dem Gleichgewicht der natürlichen Umgebung, in der wir leben, nehmen an Anzahl und Komplexität zu. Die CIPRA schaut sich in den Alpen um und lotet Möglichkeiten aus, um die Herausforderungen, vor denen wir stehen, besser zu verstehen und zu bewältigen. Wir sind überzeugt: Ein anderes Leben ist möglich.
VertreterInnen der Wissenschaft, darunter auch WirtschaftswissenschaftlerInnen, bestätigen immer wieder, dass wir über unsere Verhältnisse leben. Das Konzept des ökologischen Fussabdrucks zeigt, dass die Erde nicht ausreicht, um unsere Nachfrage zu decken. Viele Menschen sind sich dieses Problems bewusst, aber Lösungen sind nicht einfach umzusetzen. Insbesondere in der Politik ist die Forderung nach einem massvollen Leben kein attraktiver Wahlkampfslogan.
Einige Kommunen und Institutionen zeigen jetzt, dass es möglich ist; sie haben beschlossen, die erforderlichen Veränderungen einzuleiten. Zehn Städte aus der Schweiz, Deutschland und Österreich haben gemeinsam die Kampagne "Wir leben 2000 Watt" ins Leben gerufen. Sie beruht auf den Berechnungen der ETH Zürich, denen zufolge jeder Mensch auf der Erde mit 2000 Watt auskommen müsste, um das ökologische Gleichgewicht zu bewahren. Heute verbrauchen wir in den Alpenländern über 6000 Watt pro Person.
Die CIPRA zählt auf eine umfangreiche Gemeinschaft von Vereinen, Institutionen, MandatsträgerInnen, ForscherInnen, Unternehmen und jungen Menschen, die sich bemühen, gemeinsam Wege zu finden, um besser zu leben und weniger zu verbrauchen. In Bozen, Luzern, Brig setzten sich 2013 die Teilnehmenden an von der CIPRA organisierten Seminaren und Konferenzen mit der Notwendigkeit auseinander, kreative Lösungen zu finden und umzusetzen. Wir bleiben auch 2014 an diesem Thema dran, damit die Lebensqualität auf unseren Bergen und in unseren Tälern erhalten bleibt - auch wenn diese nicht in den Himmel wachsen.
Weitere Informationen: www.cipra.org/de/klimaprojekte/alpendialog, www.cipra.org/de/presse/medienmitteilungen