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Standpunkt: Aufgeklärte Olympiafreie Alpen

Barbara Wülser ist Kommunikationsverantwortliche bei CIPRA International. © CIPRA International

Die Bürgerentscheide gegen "München 2022" und "Graubünden 2022" beweisen: Der Olympische Geist ist tot. Nur haben es noch nicht alle gemerkt.
Wann genau der Olympische Geist das Zeitliche gesegnet hat, weiss niemand genau. Irgendwann in den 1990er Jahren muss es gewesen sein. 1948 bei den Olympischen Winterspielen in St. Moritz war er noch dabei und feierte mit den Helden des Sports und des Lebens auf und neben dem Podest das Ende des 2. Weltkriegs. Ein halbes Jahrhundert später sträubte er sich in Albertville 1992 gegen die Verwucherung des Geldes und des Grössenwahns, doch er konnte schon nichts mehr ausrichten gegen die Umweltsünden.
Mitte der 1990er Jahre war er wahrscheinlich schon auf der Intensivstation; er konnte nicht verhindern, dass das Internationale Olympische Komitees (IOC) eine neue Regelung einführte, wonach die Spiele nur noch an Städte vergeben werden, die die Verluste selbst tragen.
In Turin 2006 war er dann nicht mehr dabei. Sonst hätte er sich mit all seinen verbleibenden Kräften gesträubt gegen diesen ökologischen und ökonomischen Wahnsinn, der den Gemeinden in den piemontesischen Bergtälern milliardenschwere Folgekosten bescherte, an denen sie noch heute nagen.
Sotchi wird er im Februar 2014 von Wolke 7 aus mitverfolgen und sich gemeinsam mit vielen anderen fragen, warum sein Stammvater, das IOC, die Olympischen Winterspiele in eine Region mit subtropischem Klima vergibt. Er wird sich grämen, dass in seinem Namen die demokratischen Grundregeln mit den Füssen getreten werden und ein Weltnaturerbe zerstört wird.
Nur das IOC hat noch nicht gemerkt, dass der Olympische Geist tot ist. Die Funktionäre reiben weiterhin fleissig an der Lampe und versprechen dem Geist einen Haufen Geld, auf dass er herauskomme und den Menschen Sand in die Augen streue. Wenn das nicht funktioniert, so wie in den Alpen im März 2013 in Graubünden und jetzt im November in München, haben sie immer noch einen Plan B: Sie lassen sich von Autokraten bestechen und vergeben die Spiele in totalitär regierte Länder, wo die BürgerInnen nichts zu sagen haben.
Barbara Wülser, CIPRA International
www.nolympia.de/2013/11
http://olympia-nein.ch/go/aktuelles/meldungen/0zu4