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"Landschaft ist nicht erneuerbar"

Ein zentrales Statement der CIPRA Jahresfachtagung war, dass das Potential der Alpen bei der Wasserkraft ausgeschöpft ist. © CIPRA International

Ausgepresst wie eine Zitrone - müssen die Alpen noch mehr beitragen zur Energiewende? Kein anderes Thema brannte an der CIPRA-Jahresfachtagung "Wassertrog Alpen" mehr unter den Nägeln als dieses.
Wasserkraft habe einst Wohlstand in abgelegene Regionen gebracht, sagte Mario Broggi in seinem Eröffnungsreferat an der CIPRA-Jahresfachtagung von 10. bis 12. Oktober 2013 in Bozen/I. Nun sei genug. "Es fehlt eine Güterabwägung zwischen diesem Profit und dem Wert der Landschaft an sich." Die Energiewende verkomme zur Worthülse, um das Umweltrecht zu schwächen.
Broggi, der Anfang der 1990er Jahre am Schweizer Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer mitgearbeitet hatte, stellt heute fest: "Gewisse Wasserkraftanlagen hätten nie gebaut werden dürfen." Erst jetzt erkenne man die massiven ökologischen Auswirkungen, die zu einem "leisen Verschwinden der Vielfalt" führten. "Wasserkraft ist zwar erneuerbar, doch die betroffene Landschaft ist es nicht", so der einstige Präsident von CIPRA International, der just einen Tag zuvor den EuroNatur-Preis 2013 erhalten hatte.

Heute entscheiden für morgen
Mit steigenden Temperaturen ändert sich der Wasserhaushalt. Der Wasserabfluss aus Gletschern nimmt spätestens nach 2050 ab, wie Georg Kaser vom Institut für Meteorologie und Geophysik der Universität Innsbruck/A darlegte. Die Alpen verlieren damit ihre Funktion als Trinkwasserspeicher. "Wir entscheiden heute, in welche Richtung wir gehen - den Unterschied merken wir erst in 30 bis 40 Jahren", so der Wissenschaftler, der am 5. IPCC-Bericht der Vereinten Nationen mitgearbeitet hatte. "Als Verursacher von Treibhausgasen haben wir Verantwortung auch für Menschen in anderen betroffenen Regionen."

Energiehunger zerstört Lebensgrundlagen
Die Menschen in den Alpen verbrauchen überdurchschnittlich viel Energie, tragen überdurchschnittlich zur Klimaerwärmung bei und sind überdurchschnittlich von den Folgen betroffen. Gibt es einen Ausweg?
Die Energiepolitik alleine kann das Problem nicht lösen, lautete der Tenor in Bozen. Die Energiewende kann nur nachhaltig gestaltet werden, wenn weniger Energie verbraucht wird. Es braucht Kostenwahrheit, eine Gesamtstrategie und einen Wertewandel. Damit Entscheidungen tragfähig sind, müssen sie transparent und unter Einbezug der Bürgergesellschaft gefällt werden.
Weitere Informationen: www.cipra.org/de/jf2013 , www.euronatur.org/EuroNatur-Preis-2013.1533