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Wasserkraft oder Naturschutz?

Der Oberaarsee, einer von vielen Stauseen in den Alpen. Immer öfter regt sich Widerstand gegen eine weitere Verbauung der alpinen Gewässer für die Wasserkraft. © Erich Westendarp / pixelio.de

Es gibt viele Wege, wie mit Nutzungskonflikten an Gewässern umgegangen wird. Fünf Beispiele aus den Alpen.
Mit demokratischen Instrumenten lässt sich manchmal die drohende Verbauung abwenden. So haben die Stimmberechtigten der Schweizer Gemeinde Bergün 2009 in einer Volksabstimmung der Konzession für ein Wasserkraftwerk an der Albula im Naturpark Ela eine Abfuhr erteilt.
Gangbar ist auch der Weg über gesetzliche Regulierungen, wie es in Vorarlberg 2011 geschah. Im Zuge des Massnahmenplans zur Erreichung des Ziels «Energieautonomie 2050» beschloss der Landtag, dass Gewässer, die nach österreichischem Wasserrechtsgesetz als qualitativ sehr gut eingestuft sind, bis 2030 nicht zur Energiegewinnung durch Kleinkraftwerke genutzt werden dürfen.
Auch die Alpenkonvention sieht vor, dass unversehrte und natürlich fliessende Gewässer in den Alpen geschützt werden. Mit dem Verweis auf das Energieprotokoll erreichte die italienische Gemeinde Massello 2012, dass die Provinz Turin den geplanten Ausbau eines bestehenden Wasserkraftwerkes gründlicher auf seine Nachhaltigkeit überprüfen muss.

Ausgleich statt Ausbeute
Manchmal lässt sich der Konflikt nicht ohne weiteres lösen. Bayerns NaturschützerInnen beispielsweise kämpfen in vielen Einzelfällen gemeinsam gegen geplante Wasserkraftanlagen, so an den Alpenflüssen Salzach, Loisach und Stillach. Sie lehnen Neuanlagen ab mit dem Argument, dass diese oft gravierende ökologische Folgen haben und für die Energiewende nicht erforderlich sind. Die «Vollzugsbekanntmachung Wasserkraft», die die Verbauung der Gewässer im gesamten Bundesland forcieren sollte, konnten sie vorerst abwenden. Fortsetzung folgt.
Ein neues Instrument, das derzeit im Rahmen des Projekts recharge.green entwickelt wird, könnte zur Lösung dieses Konflikts beitragen. 16 Partner entwickeln Strategien und Werkzeuge für die Entscheidungsfindung, um Kosten und Nutzen von Leistungen aus erneuerbaren Energien und Ökosystemen einander gegenüber zu stellen. Um die Anwendbarkeit der Werkzeuge in der Praxis sicherzustellen, werden diese in sechs Pilotgebieten geprüft, zum Beispiel in den französischen Nordalpen.

www.recharge-green.eu
www.bund-naturschutz.de

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aus: Szene Alpen Nr. 98 (www.cipra.org/de/alpmedia/publikationen/5222)