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Gleich viel, aber nicht gleich gutes Wasser

Gleich viel, aber nicht gleich gutes Wasser

Gletscher wie der Rhonegletscher in der Schweiz schwinden infolge des Klimawandels, was sich auf die Trinkwasserversorgung auswirken wird. © Jo Van Heuvel / flickr.com

Gemessen an der gesamteuropäischen oder gar globalen Situation befinden sich die Trinkwasserversorgungen in den Alpen mehrheitlich in ausgezeichneter Position. Die Zukunft wird vom Klimawandel und von gesellschaftspolitischen Tendenzen bestimmt.
Da die Alpen grundsätzlich hohe Niederschläge empfangen, steht insgesamt gesehen fast überall genügend Wasser zur Verfügung. Allerdings bestehen regional grosse Unterschiede. So herrschte in den inneralpinen Trockentälern wie dem Wallis oder dem Südtirol schon immer Wassermangel. Dies zwang die Bewohner zum Bau von umfangreichen Wasserzuleitungen. Diese dienten hauptsächlich der Bewässerung, lieferten aber oft auch Trinkwasser während der sommerlichen Trockenphasen.
Wie in allen Gebirgsgegenden dominiert auch in den alpinen Bergregionen die Quellwasserversorgung. Damit können sogar kleinste Streusiedlungen in allen Höhenstufen versorgt werden. Während die Versorgung für die einheimische Bevölkerung meist gewährleistet ist, können sich für die Touristikorte infolge des hohen Spitzenbedarfs während der Saison Probleme ergeben. Auch die heute grossen Siedlungen in den Talböden brauchen mehr Wasser als Quellen in der Regel liefern. So werden diese Gebiete in den Alpen heute – gleich wie die ausseralpinen Gebiete – oft mit Grundwasser aus den Talaquiferen, also Grundwasserleitern, versorgt. Die Talflüsse liefern dazu grosse Mengen an Uferfiltrat.

Räumliche und zeitliche Verschiebung
Während die Verfügbarkeit des Trinkwassers generell meist gut ist, ist die Qualität eher mässig. Quellwasser-Fassungsgebiete liegen oft in landwirtschaftlich genutzten Flächen, in intensiver genutzten Hanglagen oder in Massentourismusgebieten. Damit bestehen klassische Zielkonflikte, die immer wieder zu qualitativen Beeinträchtigungen führen. Eine Extensivierung der Landwirtschaft würde prinzipiell die Qualität eher verbessern, die Menge des potentiellen Trinkwassers aber wahrscheinlich kaum beeinflussen.
Beim Blick in die Zukunft lassen sich verschiedene Szenarien umreissen. Als wichtigste Einflussfaktoren werden der Klimawandel und gesellschaftlich-politische Entwicklungen wie die zunehmende Zersiedelung der Alpen oder der Massentourismus mit all seinen Nebenwirkungen angenommen. Der Klimawandel führt in der Gesamtheit wohl nicht zu grösseren Mengenproblemen in der Wasserversorgung als sie heute schon vorliegen. Aber die Verfügbarkeit kann sich räumlich und zeitlich verschieben. Das Höherrücken der Schneegrenze und das Abschmelzen der Gletscher wird die Grundwasserneubildung nach Ort und Zeit verändern. Dadurch können Quelleinzugsgebiete vom Zufluss von Schmelzwasser abgeschnitten werden. Saisonal können sich durch die fehlenden Schmelzwasser im Sommer regional auch substantielle Veränderungen ergeben.

Globale Treiber entscheiden mit
Generelle Aussagen sind schwierig, da jedes Quell-Einzugsgebiet einen Einzelfall darstellt und Verallgemeinerungen nur bedingt zulässig sind. Der Massentourismus wirkt sich vor allem punktuell aus, so dass über technische Massnahmen Lösungen gefunden werden können. Allerdings birgt dies die Gefahr, dass solche Lösungen nicht nachhaltig sind.
Schwieriger ist es, die Entwicklung der gesellschaftlichen Einflussfaktoren und die durch globale Treiber beeinflusste Landwirtschaftspolitik abzuschätzen. Während die Raumpolitik und der Massentourismus national mitgesteuert werden können, haben die Betroffenen kaum Einfluss auf die von internationalen Treibern geschaffenen Rahmenbedingungen auf dem internationalen Agrarsektor oder die geplante Privatisierung der europäischen Wasserversorgung.
Mit dem komplexen Thema der Wassernutzung in der Schweiz und damit auch in den Alpen beschäftigt sich das Nationale Forschungsprogramm «Nachhaltige Wassernutzung» NFP 61. Eine ganzheitliche Sicht und Behandlung des Themas soll sicherstellen, dass für die einzelnen Nutzungszweige, wie zum Beispiel Trinkwasser, nachhaltige Lösungen gefunden werden können. Die Forschungsarbeiten werden Ende 2013 abgeschlossen, die Syntheseberichte und Schlussprodukte werden etwa Mitte 2014 verfügbar sein.

www.nfp61.ch

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aus: Szene Alpen Nr. 98 (www.cipra.org/de/alpmedia/publikationen/5222)