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Das Gerangel um Wasserquellen

Das Gerangel um Wasserquellen

Wer wo Wasser abfüllen und vermarkten darf, ist alpenweit Thema. © Passugger AG,

Die grossen Konzerne sichern sich immer mehr Mineralwasser-Marken in den Alpenländern. Kleine, unabhängige Anbieter geraten in Bedrängnis.
Mineralwasser ist ein Naturprodukt. Ausser Kohlensäure darf ihm nichts beigefügt werden. Je nach Ursprung und geologischen Gegebenheiten enthalten die Produkte mehr oder weniger Mineralstoffe und Spurenelemente.
Die weltweit tätigen Konzerne haben den unschätzbaren Wert solcher Quellen entdeckt und erwerben zunehmend Nutzungsrechte der wichtigen Ressource Wasser. So besitzt der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé weltweit nicht weniger als 67 Labels, etwa Henniez in der Schweiz, San Pellegrino in Italien, Perrier, Vittel und Contrex in Frankreich. Daneben werden sogenannte Mega-Brands wie «Pure Life» etabliert. Für solch globale Produkte bezieht Nestlé das Wasser aus unterschiedlichen Quellen, sei es aus den Alpenländern, sei es aus Quellen ausserhalb Europas. Die grössten Nestlé-Konkurrenten sind das französische Unternehmen Danone – mit Evian, Volvic, Badoit und weiteren Marken – sowie der US-Gigant Coca Cola, dem etwa Valser in der Schweiz und Apollinaris in Deutschland gehören.

David gegen Goliath
Die Goliaths dominieren die preissensiblen Märkte, auf denen mit harten Bandagen gefochten wird. Dank den grossen finanziellen Mitteln ist es für die Konzerne relativ einfach, mit dem Kampfartikel Mineralwasser die Kleinen an die Wand zu drücken. Je nach Land besitzen Nestlé & Co. schätzungsweise Marktanteile von bis zu 40 Prozent. Dieser Kraft haben die Vielzahl der kleinen, unabhängigen Quellen in den Alpenländern immer weniger entgegenzusetzen. In Deutschland würden sich Firmen daher vermehrt zusammen schliessen, sagt der Berliner Arno Steguweit, erster Wasser-Sommelier Europas. In Deutschland existieren über 200 Mineralbrunnen-Betriebe, die über 500 verschiedene Mineralwasser fördern.
In der Schweiz stemmt sich Passugger aus dem Kanton Graubünden, einer der wenig übrig gebliebenen unabhängigen Anbieter, erfolgreich gegen die Grosskonzerne. Firmenchef Urs Schmid versucht, seine Marken im oberen Preissegment zu etablieren. «Damit es funktioniert, braucht es eine sehr gute Markenführung sowie Rückgrat im Unternehmen.» Man müsse ein qualitativ einwandfreies Produkt mit einem unverkennbaren Geschmack anbieten, um dem teilweise ruinösen Preiswettbewerb im Handel ausweichen zu können.
In Österreich, wo rund 20 Quellen genutzt werden, hat es die Marke Vöslauer aus Niederösterreich geschafft, sich zur unbestrittenen Nummer 1 aufzuschwingen. Das relativ kleine Unternehmen, das einen jährlichen Umsatz von knapp 100 Millionen Euro erzielt, ist Teil des Ottakringer-Konzerns, der einzigen börsenkotierten Getränkefirma des Landes. Vöslauer versucht, sich als Lifestyle-Brand zu etablieren.

Welches Wasser trinken wir?
Es ist davon auszugehen, dass sich zwar die Marktbereinigung im Mineralwasser-Markt fortsetzen wird. Aber der europaweit feststellbare Trend zu regionalen Produkten spielt den kleinen Anbietern in die Hände.
Menschen in den Alpen mögen sich fragen, warum sie Mineralwasser in den Flaschen kaufen sollen, wenn gutes «Hahnenwasser» zur Verfügung steht. Branchenkenner hingegen sind überzeugt, dass abgefülltes Quellwasser qualitativ hochwertiger ist als Leitungswasser oder aufbereitetes Wasser und daher einen Mehrpreis rechtfertigt. Längerfristig werde sich diese Erkenntnis auch bei Konsumenten durchsetzen, hoffen diese.

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aus: Szene Alpen Nr. 98 (www.cipra.org/de/alpmedia/publikationen/5222)