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Schiefergas aus den Alpen

Fracking

Bohrturm für Fracking in den USA: Gefährdet die Schiefergas-Förderung das "blaue Gold" der Alpen? © Hike395

In mehreren Alpenländern wird Fracking heftig diskutiert. An den Ufern der beiden grössten Seen bei Genf und Konstanz könnte schon bald nach Schiefergas gebohrt werden - mit unbekannten Risiken für die Trinkwasserversorgung.
Wasser, Sand und Chemikalien - ein Gemisch davon wird unter Druck in ein Bohrloch gepresst. Risse im Gestein entstehen und Schiefergas kann gefördert werden. Industrie, Umweltschützer und Politiker debattieren zurzeit in mehreren Alpenländern über die Verträglichkeit und Effizienz dieser Gasförderung aus tiefen Gesteinsschichten.

Gesetzlicher Flickenteppich in den Alpenstaaten
Frankreich hat das Fracking verboten, im vergangenen Jahr dennoch 61 Bewilligungen für Probebohrungen nach Schiefergas vergeben. Allein für die Departements, die ganz oder zum Teil innerhalb des Perimeters der Alpenkonvention liegen, gibt es 13 Bewilligungen. Auch in Slowenien, das Fracking erlaubt, wurde in der Nähe von Maribor 2011 und 2012 nach Schiefergas gesucht. Weiter soll in der Ostschweiz an drei Orten gebohrt werden. Die Aktiengesellschaft für schweizerisches Erdöl will dazu bis Ende des Jahres die Genehmigungen einholen. Gesetzlich geregelt ist die Fördermethode in den Kantonen noch nicht. Über eine bundesweite Regelung hätte hingegen Deutschland Mitte Mai abstimmen sollen. Aber Mitte-Links und der Freistaat Bayern hatten den Gesetzesvorschlag abgelehnt, weil sie um eine Verseuchung des Bodensees fürchten. Der Entwurf erlaubt Fracking in Einzugsgebieten für Trinkwasser ohne Beschränkungen für bestimmte Chemikalien.

Risiko für Genfersee und Bodensee
Ende 2012 wurde am Ufer des Genfersees in die Tiefe gebohrt und unterhalb des Sees nach Gas gesucht. Das Förderunternehmen spricht von "substanziellen Funden" für die Schweiz. Nun fürchten die Regionen Vorarlberg und Bayern, dass am Bodensee ebenfalls Chemikalien in den Boden gepumpt werden. Der See ist Europas grösster Trinkwasserspeicher und versorgt fünf Millionen Menschen. "Dies dürfen wir nicht durch mögliche Giftcocktails, die unwiderruflich in die Natur eingebracht werden, aufs Spiel setzen", fordert Marcel Huber, bayrischer Umweltminister. Auch der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments mahnte, dass keine ausreichenden Daten zu den mit Fracking verbundenen Umwelt- und Gesundheitsrisiken vorliegen und solche Projekte in der Regel keiner Umweltverträglichkeitsprüfung unterliegen,. und "dass die Nachhaltigkeit von Schiefergas bisher nicht nachgewiesen wurde". Die Abgeordneten fordern die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten auf, auch die Treibhausgas-Emissionen für den gesamten Gewinnungs- und Verarbeitungsprozess umfassend zu untersuchen.
Quelle und weitere Informationen: http://klimaschutz-netz.de/index.php, www.format.at/articles/1320/936/358285, www.vorarlbergernachrichten.at/lokal, www.tvidea.si/novice/ogled/3820/ (sl)