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«Die climalp-Exkursion hat uns vorangebracht»

An der Eröffnung strömt das halbe Dorf zusammen, um das neue Gebäude zu besichtigen. © Alexandre Mignotte/CIPRA France

Für den Bau eines energieeffizenten Mehrzweckgebäudes hat Saint-Jean-d’Arvey Holz aus der Region verwendet. Im Gespräch erinnert sich der Bürgermeister Jean-Claude Monin: Die Inspiration dazu kam durch eine Exkursion mit der CIPRA nach Vorarlberg.
Das neue Zentrum ist besonders energieeffizient und aus regionalem Holz errichtet. Mit dieser Bauweise gilt Ihre kleine Gemeinde als Vorreiter beim nachhaltigen Bauen. Was bedeutet das für Sie?
Ein solches Modell- und Vorzeigeprojekt ist zunächst mal eine grosse Herausforderung für alle. Aber eine lohnende! Wir wollen damit die regionale Holzwirtschaft fördern und zum Umweltschutz beitragen. Als Kommunalpolitiker werden wir nicht gewählt, um möglichst viel Beton oder Asphalt zu verbauen. Unsere Aufgabe ist es, an die Umwelt, die Zukunft, das Klima zu denken. Die Gemeinde Saint-Jean-d’Arvey nimmt diese Themen sehr ernst. Wir haben sicherlich einen Beitrag mit Pioniercharakter geleistet, aber wir sollten unsere Rolle auch nicht überbewerten. Bei der Einweihung des Gebäudes im Juni 2012 haben alle Anwesenden den Wert dieses Vorhabens betont. Nun ist es wichtig, dass der Funke überspringt und Verantwortliche in anderen Gemeinden ihr Möglichstes tun, um die grossen Herausforderungen der Zukunft anzugehen.

Wie waren die Reaktionen, als Sie dieses Bauvorhaben im Gemeinderat vorgestellt haben?
Bevor wir darüber gesprochen und entschieden haben, sind wir nach Vorarlberg in Österreich gereist. Uns war wichtig, dass wir das zusammen mit der CIPRA machen konnten. Die climalp-Exkursion hat uns wirklich vorangebracht. Die Eindrücke dabei haben uns sehr geholfen, das hiesige Projekt gut vorzubereiten und die Gemeinderäte zu überzeugen. Am Ende wurde das Projekt einstimmig angenommen.

Das Gebäude verbraucht weniger Energie als ein konventionelles Gebäude, aber dafür sind die Baukosten höher. Wurden die Entscheidungen über die Bauart und die Kosten von Ihren KollegInnen und MitbürgerInnen ohne weiteres angenommen?
Ja natürlich! Wir haben vor einigen Jahren den Wasserpreis verdoppelt, um eine Membran-Ultrafiltrationsanlage für die Wasseraufbereitung zu bauen, die die Zugabe von Chlor überflüssig macht. Auch diese Massnahme war konsensfähig. Wichtig ist, dass man den Menschen erklärt, was man tut und warum man es tut. Und wie die neue Wasseraufbereitungsanlage haben die Menschen auch dieses Gebäude angenommen. Ich glaube, dass ökologische Massnahmen heute in der Bevölkerung grossen Zuspruch finden. Natürlich sind nicht immer alle einer Meinung. Aber auch Kritik und Anregungen bringen uns weiter.

Würden Sie einem Bürgermeister oder einer Gemeinde raten, sich woanders umzusehen, bevor sie ein solches Vorhaben umsetzen?
Auf jeden Fall! Das ist sehr wichtig. Oft findet man gute Ideen bei anderen und setzt sie dann bei sich um. Man passt sie an. Man recycelt. Man erfindet. Das ist der Trend, vor allem im aktuellen Kontext der Globalisierung. Zum Beispiel geht man nach Afrika und sucht dort Solidaritätsmodelle, die es bei uns nicht mehr gibt. Man muss für anderes offen sein und sich umschauen, so wie es auch das Gemeindenetzwerk «Allianz in den Alpen» anbietet.

Haben Sie das Gefühl, dass sich die Mentalitäten und die öffentliche Meinung allmählich zugunsten ökologischer Vorsorge ändern?
Ja. Aber man muss dann auch in der Lage sein, politische Entscheidungen fachlich und handwerklich umzusetzen. Stimmungen in der Bevölkerung ändern sich heute schneller als die Wirtschaft und die Verwaltungspraxis. Das ist paradox. Es ist deshalb unsere Aufgabe als Gemeinde, unsere Bürger auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören und mit ihnen die notwendigen Schritte zu unternehmen, um dieses Ziel zu verwirklichen.

Alexandre Mignotte
CIPRA Frankreich

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Gemeinden inspirieren sich gegenseitig
Jean-Claude Monin ist Präsident der Gemeinde Saint-Jean-d’Arvey in den französischen Alpen. Sie errichtete im Sommer 2012 ein kommunales Zentrum als multifunktionales Gebäude mit einem minimalen Energiebedarf und aus zertifiziertem Holz. Als Vorbild diente das an einer climalp-Studienreise besuchte Zentrum von Ludesch, Vorarlberg/A.
Mit dem Projekt climalp zeigt die CIPRA, dass energieeffiziente Häuser aus regionalem Holz komfortabel sind, das Klima schützen und die Regionalwirtschaft ankurbeln. climalp wurde 2012 vom Land Liechtenstein, der Fondation Assistence und der Karl Mayer Stiftung unterstützt.
Saint-Jean-d’Arvey ist Mitglied des Gemeindenetzwerks «Allianz in den Alpen», einem Zusammenschluss von über 300 Kommunen. Sie setzen sich gemeinsam dafür ein, die Alpen als zukunftsfähigen Lebensraum zu gestalten. Die CIPRA war 1997 an der Gründung beteiligt und nimmt seit 2000 einen Teil der Sekretariatsaufgaben und das Projektmanagement wahr.

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Quelle: Jahresbericht 2012 CIPRA International
www.cipra.org/de/CIPRA/cipra-international