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«Studienreisen gehören zu meinen Lieblingsaufträgen»

Begeistert von den Themen der CIPRA: Der Dolmetscher Reinhold Ferrari versteht sich als Brücke zwischen Redner und Zuhörer. © Caroline Begle/CIPRA International

Die CIPRA bewegt sich zwischen vier Alpensprachen und Englisch. Für diese ständige Übersetzungsarbeit stehen ihr zahlreiche ÜbersetzerInnen, DolmetscherInnen, InterpreterInnen zur Seite. Reinhold Ferrari ist einer von ihnen.
Nachhaltigkeit war und ist ein sehr wichtiges Thema für die CIPRA – und auch für mich. Ich erinnere mich noch gut daran, als dieser Begriff in den 1980er Jahren erstmals in den Alpen auftauchte und nach Italien importiert wurde. Im Englischen sprach man von durability. Die italienischen Lexika führten dafür «durata» (Dauerhaftigkeit) und «persistenza» (Persistenz) an und jemand schlug den Begriff «sostenibilità», abgeleitet vom Englischen sustainability, vor.
Das ist ein schönes Beispiel aus dem Leben des Übersetzers: Nur mit Hilfe eines Metatextes, der Informationen über den Verfasser des Textes, die Adressaten und den kulturellen Kontext enthält, ist der Übersetzer imstande, die gestellte Aufgabe gut zu lösen. Der Übersetzer befasst sich normalerweise mit einem statischen Gegenstand, dem Text, und sein Blickfeld ist eingeschränkt. Er sitzt allein in seinem Elfenbeinturm. Verfasser, Adressaten und Auftraggeber sind weit weg.
Generell glaube ich, dass der Übersetzer in erster Linie darauf achten muss, Sprachfallen zu vermeiden, wie sie Paul Watzlawick in «Wie wirklich ist die Wirklichkeit – Wahn – Täuschung – Verstehen» beschreibt. Im Kapitel «Traduttore, traditore» verweist Watzlawick darauf, dass «eine Verwechslung zwischen burro (dem italienischen Wort für Butter, das auf Spanisch Esel bedeutet) und asino (dem italienischen Wort für Esel) kaum schwerwiegend sein dürfte, wohl aber die Verwechslung von 109 und 1012, wenn sich dieser Fehler zum Beispiel in ein Lehrbuch der Kernphysik einschleicht». Das ist eben Berufsrisiko. Sowohl als Übersetzer als auch als Dolmetscher muss man ständig lernen und sich vorbereiten. An einem Tag dolmetscht man eine Pressekonferenz aus dem Deutschen, am nächsten Tag übersetzt man eine Gewerkschaftssitzung aus dem Englischen und am Tag darauf übersetzt man für italienischsprachige Zuhörer ein Symposium über Erneuerbare Alpen, so wie 2012 an der AlpenWoche in Valposchiavo. Für eine eintägige Tagung braucht man mindestens einen Tag intensive Vorbereitung, ausserdem Neugier und einen klaren Kopf, wenn man seine Arbeit gut machen will. Das macht meinen Beruf so anstrengend, aber andererseits auch so interessant und faszinierend.
Ich arbeite seit über zehn Jahren mit der CIPRA. Es ist einfacher und dankbarer, wenn man die Ziele und Anliegen des Auftrag­gebers teilt. Ich denke hier besonders an die Zeitschrift SzeneAlpen, die häufig Themen vorwegnimmt, welche nicht nur für die Alpen von Bedeutung sind, und die mich beruflich als Übersetzer und auch als verantwortungsbewusster und wachsamer Bürger wachsen lassen und anspornen, nachhaltig zu leben.
Ich ziehe das Dolmetschen dem Übersetzen von Texten vor. Besonders liebe ich das Simultandolmetschen, wo ich in einer Kabine sitze und Sichtkontakt zu den Rednern habe. Wo ich den Ton über Kopfhörer empfange, aber auch die Gestik, die Modulation der Stimme, den Ausdruck der Augen wahrnehme und alle diese verbalen und nichtverbalen Botschaften in einer anderen Sprache wiedergeben muss.
Und es gibt noch eine andere Form des Dolmetschens: Studienreisen wie im Rahmen des CIPRA-Projektes climalp. Sie zählen zweifellos zu meinen Lieblingsaufträgen. Denn da bin ich die «Brücke» zwischen dem Redner und den Zuhörern. Ausserdem begeistert mich das Thema so sehr, dass ich mich – auch dank der CIPRA – privat eingehender damit beschäftigt habe und schliesslich mein eigenes Passivhaus mitgeplant und gebaut habe. Wenn ich bei einer Studienreise Redner übersetze, die die Vorteile eines Passivhauses in nachhaltiger Bauweise erläutern, hilft mir die Tatsache, dass ich selbst davon überzeugt bin und diejenigen, die mit mir leben, «angesteckt» habe. Dann übersetze ich mit voller Begeisterung, und das ist ein Mehrwert für alle: Für die CIPRA, für die «Endverbraucher» meiner Übersetzung und für mich selbst.

Reinhold Ferrari
Alps LaRete

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Sprachen bauen Brücken
Reinhold Ferrari arbeitet seit mehr als zehn Jahren als einer von rund zwei Dutzend ÜbersetzerInnen für die CIPRA. Unter anderem übersetzt er diesen Jahresbericht und das Themenheft SzeneAlpen. Dass die italienische Ausgabe des 3. Alpenreports der CIPRA 2008 mit einem Anerkennungspreis des Premio Gambrinus «Giuseppe Mazzotti» ausgezeichnet wurde, ist auch ihm zu verdanken.
Mit ihrer Übersetzungsarbeit spannt die CIPRA eine Brücke über die gesamten Alpen hinweg. Ihre Publikationen erscheinen auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Slowenisch, einige auch auf Englisch. Drehscheibe aller Informationen ist die Website mit mehr als 80’000 Unterseiten, der Newsletter alpMedia erscheint monatlich. Mit Facebook und Twitter erreicht die CIPRA die engere Community wie die CIPRA-Mitarbeitenden in den Ländern, Mitgliedsorganisationen und Gleichgesinnte.
2012 publizierte die CIPRA als Themenhefte von SzeneAlpen «Unser Wille geschehe» (zu Governance und Partizipation) und «Yes, youth can» (zu Jugendbeteiligung). Das compact «Waldwirtschaft im Klimawandel» erschien als zehnter Bericht einer Reihe, die sich kritisch mit Klimamassnahmen auseinandersetzt.

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Quelle: Jahresbericht 2012 CIPRA International
www.cipra.org/de/CIPRA/cipra-international