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Wir sind Alpen

Rainer Siegele

Rainer Siegele, Vorsitzender des Gemeindenetzwerkes "Allianz in den Alpen" (1999-2012): Eine jüngste Studie zeigt, dass ein Einzelner die Entwicklung einer alpinen Identität bewirken kann. © Gemeinde Maeder

Schaffen Netzwerke eine alpine Identität? Erstmals untersucht eine wissenschaftliche Studie, welche Bedeutung Organisationen wie "Allianz in den Alpen" oder "Alpine Pearls" für das Zugehörigkeitsgefühl zum Alpenraum haben.
Die Alpenkonvention umsetzen. Mit diesem Ziel wurden in den späten 1990er Jahren mehrere Netzwerke in den Alpen gegründet, darunter "Alpine Pearls", das "Netzwerk Alpiner Schutzgebiete Alparc" und das "Gemeindenetzwerk Allianz in den Alpen". In einer eben veröffentlichten Dissertation wird zum ersten Mal untersucht, in welchem Zusammenhang diese drei Netzwerke und die Entwicklung einer "alpinen Identität" stehen.

Einheit in Vielfalt: anders und doch gleich
Die Netzwerke bilden eine Gemeinschaft von Personen, die ähnliche Probleme haben, heisst es in der Studie. Die Alpen bestehen für diese Netzwerker also nicht nur aus Bergen, sondern auch aus den Schwierigkeiten, die sich aus der Topographie ergeben. Gemeinsam ist den Mitgliedern der Netzwerke auch, dass sie die Alpen als einheitlichen Raum begreifen, in dem es dennoch sehr viele Unterschiede gibt. Zum Beispiel die Sprachen. Die Identifikation mit dieser Region "Alpen" führt allerdings nicht dazu, dass sich lokale Politiker stärker auf alpenübergreifende Projekte und Netzwerke einlassen, so ein Fazit der Autorin Cristina del Biaggio. Und umgekehrt: Die Mitgliedschaft in einem Netzwerk heisst nicht, dass sich eine Gemeinde oder ein Gewählter besonders zu den Alpen zugehörig fühlt.

Strategische Identitäten und die Bedeutung des Einzelnen
Hinter der Motivation Mitglied in einem Netzwerk zu sein, steckt vor allem Pragmatismus: Gemeinden erwarten sich neue Finanzierungsmöglichkeiten, die Lösung lokaler Probleme oder Partnerschaften für Projekte. Die Alpen bilden vor allem eine "strategische" Identität, keine affektive. So haben diese Netzwerker oft auch Mühe, alpenübergreifend zu denken und zu handeln. Dennoch können einzelne Vertreter von Gemeinden eine entscheidende Rolle für die Entwicklung einer "alpinen" Identität und das Leben in den Netzwerken spielen: Ihnen ist es möglich, ein individuelles Zugehörigkeitsgefühl in ein kollektives zu verwandeln. Anders gesagt: Gibt es für diese "Leader" durch die Mitgliedschaft im Netzwerk einen Mehrwert, können sie die Strategie ihrer Gemeinde auf die Alpen ausrichten und dazu beitragen, dass sich die Bewohner als Teil eines Projekts oder gar des Netzwerks fühlen. Mitglieder von Alpine Pearls, Alparc oder vom Gemeindenetzwerk bilden also das Skelett einer Region Alpen und verleihen ihr Substanz.
Quelle: Cristina del Biaggio (2013). Linking up the Alps. How networks of local political actors build the pan-Alpine region (en); Cristina.DelBiaggio@unige.ch