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Standpunkt der CIPRA: Plädoyer für einen toten Bären

Bär

So niedlich, wie er aussieht, so sehr ist er gefürchtet: Damit der Bär in die Alpen zurückkommen kann, braucht es Ressourcen für Prävention und Aufklärung der Menschen. © Janten / Flickr.com

Am Morgen des 19. Februar um 9.30 Uhr wurde das Todesurteil am Puschlaver Bären vollstreckt. Die Anklage: Er hatte sich zu nahe an die Menschen herangewagt. Dabei hätte er mildernde Umstände wohl verdient.
Der Jungbär räumte unter anderem ein Bienenhaus aus, bediente sich in der Vorratskammer zweier Wohnhäuser und erschreckte eine 14-Jährige. Er wurde von den Schweizer Behörden zum "Risikobären" eingestuft und, kaum aus dem Winterschlaf erwacht, heimlich erschossen. Aus dem Trentino zugewandert, wurde M13 von den Bündnern - wie bereits sein Artgenosse JJ3 fünf Jahre zuvor - als Bedrohung empfunden.
Es gibt mehrere internationale Abkommen, die darauf abzielen, die Bärenpopulation in den Alpen wieder aufzubauen und zu sichern. Die Berner Konvention zählt den Braunbären zu den streng geschützten Arten. Die Plattform "Grosse Beutegreifer, wildlebende Huftiere und Gesellschaft" der Alpenkonvention zielt, wie der Name besagt, auf eine Koexistenz von Wildtieren und Menschen ab. Konflikte sollen angegangen und negative Auswirkungen ausgeglichen werden, unter anderem mit Präventionsmassnahmen.
Auch die Schweiz hat die Berner Konvention und die Alpenkonvention ratifiziert. Dass von den rund 40 Trentiner Bären ab und zu welche in die Schweiz wandern, ist nicht zu vermeiden und ganz im Sinne dieser internationalen Abkommen. Die Schweizer Bevölkerung, die seit 100 Jahren keinen frei lebenden Bären mehr zu Gesicht bekommen hat, ist verständlicherweise verunsichert. Die offizielle Kommunikation trägt ihres dazu bei. So meldete das Schweizer Umweltministerium, der "Risikobär", der sich zuvor dem "Abschuss durch den Winterschlaf entzog", wurde "erlegt". Den Menschen erscheint der Bär lebensbedrohlich, sie wissen nicht, was auf sie zukommt. Diese Ängste sind ernst zu nehmen.
Gerade deshalb ist es höchste Zeit, dass sich alle Alpenregionen mit diesem Thema auseinandersetzen. Es braucht Managementpläne, Herdenschutzprogramme und Präventionsmassnahmen. Vor allem aber müssen die Menschen wieder unterscheiden lernen, welches echte und welches scheinbare Bedrohungen sind, und wie sie sich gegenüber den Rückkehrern verhalten sollen. Oder wollen wir die Nachfolger von M13 auch abknallen?
Quelle und weitere Informationen: www.alpconv.org/de/organization/groups, www.bafu.admin.ch/dokumentation, www.news.ch