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Nächste Generation trägt Risiko für Olympische Winterspiele

Nächste Generation trägt Risiko für Olympische Winterspiele

Olympische Anlage in Turin: Die ökonomischen und ökologischen Folgen der Olympischen Spiele tragen die künftigen Generationen. © Francesco Pastorelli

Graubünden will 2022 "nachhaltige" Olympische Winterspiele ausrichten. Während die vielen offenen Fragen zur Kandidatur in der Schweiz für heisse Köpfe sorgen, kommt die Münchner Kandidatur nicht so recht auf Touren. Die Zeit drängt.
"Die Bündner Elite redet sich in einen regelrechten Olympiarausch", sagt Stefan Grass, Leiter des Komitees Olympiakritisches Graubünden/CH. Die Bevölkerung lasse sich aber nichts vormachen, auch wenn nur wenige ihre kritische Haltung öffentlich kundtun würden. "Viele werden am 3. März ein Nein in die Urne legen, still und heimlich." Dann stimmen die BünderInnen ab über einen Beitrag von 300 Millionen Franken für Olympische Winterspiele 2022 - ein Drittel des Kantonsvermögens.
Laut einer Umfrage liegen BefürworterInnen und GegnerInnen zurzeit mit je 43 Prozent gleichauf. Allerdings spricht sich eine Mehrheit in Davos-Prättigau, einer der beiden Durchführungsregionen, dagegen aus. Auch die Umweltverbände sind kritisch eingestellt. Viele haben gegenüber dem Bund Stellungnahmen eingereicht, darunter auch CIPRA Schweiz. Geschäftsführer Christian Lüthi: "Es ist illusorisch zu glauben, wir könnten das Internationale Olympische Komitee für nachhaltige Spiele, wie sie von den BefürworterInnen propagiert werden, begeistern."
In Deutschland reden sich die Menschen weder in den Medien noch in den Parlamenten die Köpfe heiss. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will vor einer erneuten Bewerbung die Zustimmung der Bevölkerung einholen. Alle politischen Parteien und Ebenen - Gemeinde, Land, Bund - sollen sich erst verbindlich dazu äussern. Abschliessend entscheiden wird der DOSB erst nach den bayerischen Landtagswahlen und der Bundestagswahl im September 2013 sowie nach dem für den 10. November 2013 angekündigten Bürgerentscheid. Die Bewerbung müsste dem Internationalen Olympischen Komitee vier Tage später vorliegen. Weiterhin fehlen finanzielle Zusagen - die im kommenden Wahljahr nur schwerlich zu bekommen sein dürften. Aus politischen Erwägungen sammelt derzeit eine Bürgerbewegung Unterschriften für ein Bürgerbegehren. 6'000 hat sie bis jetzt beisammen, weitere 29'000 fehlen, und die sollen bis am 15. Januar 2013 beisammen sein.
In der Schweiz liegen finanzielle Zusagen vor: Der Bundesrat möchte eine Milliarde Franken an das Gesamtbudget von 4,5 Milliarden beisteuern, das Bündner Parlament hat den Kantonsbeitrag von 300 Millionen, über den das Stimmvolk im März befindet, kürzlich gutgeheissen. Erfahrungsgemäss wird das Budget nicht ausreichen. Und wer kommt dann für das Defizit auf? Bund und Kanton winken ab; dies sei Sache des privatrechtlich organisierten Vereins. Dessen Mitglieder sind unter anderem - Bund, Kanton und Gemeinden. Also die Steuerzahler. Bezahlen wird damit die nächste Generation.
Quelle und weitere Informationen: www.olympia-nein.ch/go/index.php, www.baspo.admin.ch/internet/baspo/de/home, http://nolympia2018.ludwighartmann.de/, www.cipra.org/de/alpmedia/news-de/4705/