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«Bewusstsein gleich Liebe, oder?»

SA 97: "Bewusstsein gleich Liebe, oder?"

Nicolas Müller © Gian Paul Lozza

Predigen bringe nichts, man könne nur vorleben, findet Nicolas Müller. Deshalb engagiert sich der 30-jährige Schweizer Profi-Snowboarder für den Umweltschutz. Als Regenwaldbotschafter, Müllsammler und Sportbekleidungshersteller.
«Da, schau!» Nicolas Müller strahlt. In seinen Händen hält er ein kleines Hühnerei. Drei Hennen und ein Gockel gackern hinter seinem Haus im schweizerischen Laax. In kleinen Beeten wachsen Randen, Zucchini und Eichblattsalat. Der 30-Jährige kommt ­gerade vom Müllsammeln auf dem Crap Sogn Gion zurück, dem Laaxer Hausberg mit einem der grössten Skigebiete Graubündens. Eigentlich hatte er schon was anderes abgemacht, aber als ihn eine Bekannte anfragte, ob er sie und eine Gruppe Sechstklässler beim Pistensäubern begleiten würde, entschied er sich spontan um. «Schon spannend zu sehen, welche Klippen man sich da im Winter hinunterstürzt.»
Von Mitte Dezember bis Ende April steht Nicolas für das Team Nike auf dem Brett. Er hat keine abgeschlossene Berufsausbildung, schon als Kind wollte er einfach nur Snowboarder werden, dafür hat er gelebt. Heute gehört er zu den Weltbesten in dieser jungen Wintersportart. Zusammen mit dem US-amerikanischen Sportartikel­hersteller Nike kreierte er einen «Boot», öko, versteht sich. Das Setting für die Werbefotos bildete Nicolas’ Hühnerstall in Laax, Federvieh inklusive. Er sei wohl der erste Markenbotschafter, der am Runden Tisch mit den andern Boardern die Frage nach dem Material stelle, ob man die Jacke denn nicht auch aus Hanf machen könne.
Wenn Nicolas nicht für seinen Sport durch die Welt jettet, engagiert er sich leidenschaftlich für den Umweltschutz. So hat er mit Freunden ein Sportbekleidungslabel, Atreebutes, gegründet, das ausschliesslich nachhaltige Materialien verwendet, die unter fairen Arbeitsbedingungen verarbeitet werden. Zudem ist er Botschafter der Atlantic Rainforest Institution und Präsident der Breathe Foundation. Breathe sei Umweltschutz im Freestyle, so Nicolas. Müll sammeln am Strand von Costa Rica, mit einem Ornithologen in Brasilien Vogelgezwitscher aufnehmen, Schulen besuchen ­und ­referieren.
Nicolas trinkt frischen Pfefferminztee, die Kräuter aus dem Garten, und spielt mit den Haargummis seiner Freundin; wenn er schon so viel im Flugzeug unterwegs sein müsse, wolle er der Natur ­Gutes tun. Am Anfang seiner Karriere als Snowboarder war ihm seine Vorbildfunktion insbesondere für Jugendliche gar nicht so bewusst. Irgendwann aber bemerkte er, dass er in Interviews nicht immer nur zu seinen Lieblingstricks und dem übelsten Sturz befragt werden wollte. Er realisierte, dass sein Umweltbewusstsein ihn von anderen Boardern unterscheidet. Nicolas will «ganzheitlich» leben, und sammelte, als er noch in Zürich wohnte, seinen Kompost in Plastiksäcken, um ihn am Wochenende im Wald zu verstreuen.
Der Mensch fühlt sich erst dann richtig wohl, wenn er mit der ­Natur in Einklang lebt, ist Nicolas überzeugt. «Umwelthemen sind ­unsexy, predigen bringt da nichts, man kann nur vorleben. Es geht ums Bewusstsein. Bewusstsein gleich Liebe, oder?» Während sich die Sonne über dem Alpenpanorama senkt, erzählt Nicolas von Simplelife, Qigong-Meditation und Bob Marleys «One Love». Dann grinst er: «Vielleicht ein bisschen Hippie.»

Anja Conzett (24), Journalismus-Studentin, Malans/CH
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Snowboarder mit ökologischem Gewissen
Der Schweizer Nicolas Müller gehört zu den weltbesten Snowboardfahrern. Der 30-jährige gebürtige Zürcher fährt in der Profi-Liga, seit er 17 Jahre alt ist. Unter anderem wurde er 2006 und 2007 von Shaun White zum «Rider of the Year» des renommierten «Snowboarder’s Magazine» gewählt. Mittlerweile wohnt er in Laax, Graubünden. Der überzeugte Vegetarier nutzt seine Popularität, um andere junge Menschen für soziale und Umweltthemen zu sensibilisieren.
www.atreebutes.com (en)
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aus: Szene Alpen Nr. 97 (www.cipra.org/de/alpmedia/publikationen/5017)