Benutzerspezifische Werkzeuge

  Suchfilter  

News

Standpunkt der CIPRA: Torino 2006: Lehrgeld bezahlt und nichts gelernt

Bobbahn Olympia Turin

Olympische Bobbahn in Turin: Seit Jahren werden Verluste gemacht, eine noch grössere Skihalle würde das Problem nicht lösen. © CIPRA IT

Das Erbe der Olympischen Winterspiele 2006 lastet schwer. Die defizitäre Bobbahn soll daher abgebaut werden, an ihrer Stelle eine Skihalle her. Treibt Turin den Teufel mit dem Beelzebub aus?
Der Unterhalt der eigens für 2006 gebauten Bobbahn kostet jeden Tag 1'500 Euro. Das sind mehr als 40'000 Euro im Monat für eine Anlage, die kaum genutzt wird. Die Betreiber wollen sie daher für immer schliessen. Am selben Ort soll, geht es nach privaten Investoren, eine Skihalle mit Europas längster Piste gebaut werden. Turin hat aus dem Verlustgeschäft Olympische Spiele anscheinend nichts gelernt; es will nun mit diesem Projekt den Teufel mit dem Beelzebub austreiben.
Die Skihalle soll Tausende Touristen in die Region bringen. Sie garantiert Schneesicherheit das ganze Jahr über, auch im August. Dabei weiss man: Monokulturen im Tourismus sind genauso anfällig wie in der Landwirtschaft und ein Klumpenrisiko. Einheimische und Urlauber suchen vielfältige Angebote in den Alpen, abgesehen davon, dass die schönsten Skipisten Turins direkt vor seiner Haustüre liegen.
Die Betreiber der Bobbahn und die Gemeinde kommen mit einem blauen Auge davon, wenn sie die Infrastruktur einfach schliessen. Allein der Bau hat 120 Millionen Euro gekostet. Der Abbruch inklusive Entsorgung der 48 Tonnen Ammoniak, die es zur Herstellung und Kühlung des Eises braucht, verschlingt weitere 220 Millionen. Der energieintensive Skidom würde weiter Geld verschlucken. Der Blick ins flache Deutschland, wo die Fahrt in verschneite Berge weit ist, zeigt: Skihallen haben Mühe rentabel zu sein. Ohne Subventionen geht es nicht.

Am Anfang und am Ende solcher Infrastruktur-Projekte zahlt immer der Steuerzahler. Die Menschen im Piemont haben ihr Lehrgeld entrichtet. Ob eine Goldmedaille bei den nächsten Olympischen Spielen eine angemessene Entschädigung ist? Armin Zöggeler - italienischer Rennrodler, Ehrenbürger von Cesana und Olympiasieger 2006 - versprach nochmals an den Wettkämpfen 2014 teilzunehmen, würde die Bahn nicht abgerissen. Sie sei der Anlage in Sotschi ganz ähnlich und seine einzige heimische Trainingsmöglichkeit.
Quelle und weitere Informationen: http://torino.repubblica.it/cronaca/2012/07/16/news (it), http://torino.repubblica.it/cronaca/2012/08/09/news (it), www.ilvostro.it/sport (it), www.svz.de/nachrichten/home/top-thema