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«Villach hat ungemein profitiert»

Josef Neugebauer / Jahresbericht Alpenstadt

Josef Neugebauer war zwischen 1997 und 2011 in der österreichischen Stadt Villach für den «Verein Alpenstadt des Jahres» als Konsulent verantwortlich.

Josef Neugebauer war dabei, als Villach 1997 die erste «Alpenstadt des Jahres» wurde. 2011 gibt es ein Dutzend Alpenstädte und Neugebauer geht in Ruhestand. Über das Potential des Ungewissen und das, was über das Alpenstadt-Jahr hinaus wirkt.
In den 1990er Jahren hat der Verein «Alpenstadt des Jahres» klein angefangen. Zu diesem Netzwerk gehören heute 13 Städte von Gap bis Idrija. Wie kam es dazu?
Gerhard Leeb, heute für die Organisation Pro Vita Alpina in der Jury des Vereins vertreten, hatte 1996 diese tolle Idee zur «Alpenstadt des Jahres». Aus Überzeugung hat die Stadt Villach für zwei Jahre sämtliche Kosten übernommen, um dieses Initiative zu verwirklichen. Es war alles etwas unorganisierter als heute. Aber mit viel Kreativität konnten wir weitere Alpenstädte gewinnen und einen Verein gründen. So können wir heute auf den Austausch unter den Alpenstädten und auf Projektarbeit setzen.

Ein Meilenstein für den Verein war die Wahl des italienischen Belluno und des deutschen Bad Reichenhall zur «Alpenstadt des Jahres». Damit wurde der Verein international.
Ein weiterer Meilenstein war für uns auch 2003 die Übernahme der Geschäftsstelle durch die CIPRA. Das hat Schwung in den Verein gebracht. Eine kommunale Verwaltung könnte ein solche Arbeit weder leisten noch bezahlen. Neben der professionellen Organisation und Übersetzung reichen die Mitgliedsbeiträge heute, um Projekte anzugehen, zum Beispiel Alpstar. Die CIPRA hat dafür sozusagen die Patenschaft übernommen, die einzelnen Städte arbeiten zu. Diese Unterstützung macht es für die Städte viel einfacher, an einem EU-Projekt mitzuarbeiten.

Villach war 1997 die erste «Alpenstadt des Jahres». Was hat sich in der Stadt durch diese Auszeichnung verändert?
Wir haben vielen Themen, die heute täglich in den Medien sind, ins öffentliche Bewusstsein gebracht, und zwei riesige Projekte auf die Füsse gestellt. Ohne den Titel «Alpenstadt des Jahres» wären sie nicht möglich gewesen. Das eine ist das Regionalmanagement Villach mit den 20 Umlandgemeinden. Das gibt es heute noch. Das andere ist der Naturpark Dobratsch. Villach hatte entschieden, nicht bei den Olympischen Winterspielen mitzumachen und stattdessen die nicht profitablen Liftanlagen abzubauen. Vom Berg Dobratsch kommt auch das Trinkwasser für den ganzen Villacher Raum. Daher gab es grosse Diskussionen, ob die Lifte und der Kunstschnee den Wasserberg kaputt machen würden. Helmut Manzenreiter, Villachs Bürgermeister, konnte sich aber mit seiner Idee eines sanften Tourismus auf dem Dobratsch durchsetzen. So wurde dieser zum ersten Naturpark in Kärnten.

Warum soll eine Stadt «Alpenstadt des Jahres» werden?
Neben all den wichtigen Themen mit denen man sich im Netzwerk beschäftigt, setzt man mit «Alpenstadt des Jahres» etwas in Bewegung. Es entsteht eine Innovation und Kreativität, die es sonst nicht geben würde. Das Umland und die kommunale Verwaltung bekommen Anstoss und Kraft für eine nachhaltige Entwicklung. Dieses Potential ist enorm. Eine «Alpenstadt» braucht aber auch Mut, weil man vorher nicht weiss, was genau aus diesem Projekt wird. Aber jede Stadt in den Alpen sollte sich eine Kandidatur überlegen.