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Dorfverwaltung čadrg: Alles im Huckepack

Dorfverwaltung čadrg: Alles im Huckepack

Die 35 EinwohnerInnen von čadrg treffen alle Entscheidungen gemeinsam.<br/> © Urban Golob

Es war einmal eine Bauernschar in den slowenischen Alpen. Diese erhob sich gegen die Gutsbesitzer. Die Männer wurden zum Tode verurteilt, die Frauen aus dem Dorf gejagt. Mitnehmen durften sie nur soviel, wie sie auf ihrem Rücken tragen konnten. Also nahmen sie ihre Männer huckepack und trugen diese von Bohinj westwärts über die Berge. Auf einer Terrasse, eingebettet zwischen den steilen Berghängen des Tolmin und hoch über einer Schlucht, gründeten sie eine neue Siedlung: čadrg. So erzählt es die Legende.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zählte das Dorf auf 700 Meter über Meer am Rande des Triglav-Nationalparks 260 Einwohner. Heute sind es noch 35. Alle Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Die Eltern müssen ihre Kinder jeden Tag weit ins Tal zur Schule fahren. Die Strasse haben die Dorfbewohner in freiwilliger Arbeit selber ausgebaut. Im verlassenen Schulhaus errichteten sie ein Therapiezentrum für junge Drogenabhängige aus der Stadt.
In der neuen, modernen Käserei im Dorf wird Tolminec-Käse nach traditionellem Rezept hergestellt. Die Mittel für den Bau stellte die Ford-Foundation zur Verfügung. Die Landwirte, die die Käserei gemeinsam betreiben, teilen den Käse nach alten, seit Generationen gültigen Regeln entsprechend der abgegebenen Menge Milch auf. Vier Betriebe produzieren nach biologischen Richtlinien, fünf betreiben neben der Milchviehhaltung auch biologischen Gemüse- und Pflanzenanbau. Käse, Karotten, Kefen und Kartoffeln aus čadrg gibt es in der Ortschaft Tolmin im Tal und in Ljubljana am eigenen Öko-Stand zu kaufen. Aber wer trifft die Entscheidungen wirklich? Die Hausfrauen von čadrg haben keine Zweifel. "Eigentlich haben wir in unserem Dorf seit jeher das letzte Wort."

aus: Szene Alpen Nr. 96 (www.cipra.org/de/alpmedia/publikationen/4960)