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Ein starkes und beständiges Netz für die Alpen

Ein starkes und beständiges Netz für die Alpen

Alle Alpensprachen und -kulturen in einem ­Boot bei der CIPRA-Jahresfachtagung 1963 in Bad Aussee/A. © F. Lense

Wer in den Annalen der CIPRA liest, erkennt unschwer: Erfolge waren immer dann möglich, wenn sich Menschen über Grenzen hinweg zusammentaten und gemeinsam am gleichen Strang zogen. So ist es auch heute noch, 60 Jahre nach der Gründung des internationalen Netzwerks für den Schutz und die nachhaltige Entwicklung der Alpen.
Unmittelbarer Auslöser für die Gründung der CIPRA am 5. Mai 1952 in Rottach-Egern/D waren geplante Grossprojekte wie Wasserkraftwerke im italienischen Nationalpark Gran Paradiso und in italienisch-schweizerischen Grenzgebieten. Doch ohne die Erkenntnis, dass mit dem Wirtschaftswachstum nach dem Krieg ähnliche Probleme auf alle Alpenländer zukommen würden, wäre dieses gemeinsame Engagement wohl nicht möglich gewesen. Diese Erkenntnis setzt Wissen voraus: Das Wissen um das Befinden in anderen Ländern.
Edith Ebers, die Hauptinitiantin, erinnert sich 1969 in einem Brief an den damaligen Präsidenten, Willy A. Plattner: «Wie ich schon erzählte, erfuhr man dort – noch in der Stimmung nach dem furchtbaren Kriege und der Nazizeit, dass allerhand Grossangriffe auf die Natur geplant wurden. So war man bei uns daran, alle Flusse und Seen zu verplanen, in Frankreich sollten Flusse abgelenkt werden, in Österreich wollte man die Krimmler Wasserfälle zerstören und in Italien einen Leuchtturm auf das Matterhorn bauen.»

Austausch gibt Kraft
Wenn die CIPRA heute, 60 Jahre später, am selben Ort in Rottach-Egern ihr Jubiläum feiert, ist die Sicht auf die Welt nicht mehr dieselbe. Die Alpen sind zwar immer noch ein sensibler Lebensraum und der Nutzungsdruck auf die Natur hat nicht abgenommen. Das Wissen hingegen, dass längerfristig nur Bestand hat, was auch ökologisch und sozial nachhaltig ist, ist mittlerweile in unser aller Bewusstsein gerückt. Der Begriff «Nachhaltigkeit» ist in aller Munde, keine Politikerin, kein Manager der ihn vernachlässigen könnte. Dennoch bleibt Nachhaltigkeit oft in den Absichtserklärungen stecken und damit ein Schlagwort – andere, wirtschaftliche Interessen gehen vor.
Jedem Erfolg geht ein langwieriger Sensibilisierungsprozess voraus. Viele Menschen in den Alpen setzen jeden Tag aufs Neue alles daran, dass wir der Vision eines menschlichen Wirkens im Einklang mit der Natur ein Stück näher kommen. Die Kraft für dieses bisweilen aussichtslos erscheinende Vorhaben schöpfen sie aus dem Wissen, dass sie mit anderen Menschen am gleichen Strang ziehen. Dass sie erfahren, dass andernorts Lösungen entwickelt wurden für Probleme, die ihnen unüberwindbar erscheinen. Dass sie Unterstützung bekommen für ihre Vorhaben. Und dass sie selber ihre Erfahrungen und ihr Wissen mit anderen teilen können.
60 Jahre nach der Gründung der CIPRA ist der Gedanke der Vernetzung aktueller denn je. Grenzen existieren zwar nach wie vor auf der Landkarte und in den Köpfen. Die Probleme aber haben längst ein Ausmass angenommen, das nicht mehr mit Gärtchendenken angegangen werden kann. Die Lösungen sind gemeinsam, interdisziplinär und grenzüberschreitend zu finden – ohne den Bezug zum Ort zu verlieren.
Mit ihren nationalen und regionalen Vertretungen und den rund hundert Mitgliedsorganisationen in allen Alpenländern versucht die CIPRA, dem Rechnung zu tragen. Sie sucht den Dialog mit Menschen vor Ort, spannt den Bogen zur Wissenschaft und bringt fach- und länderübergreifend Menschen und Organisationen zusammen. Gemeinsam mit all diesen Menschen unterschiedlicher Herkunft packt sie die Herausforderungen in den Alpen an.

Neue Ressourcen für die Alpen
In ihrem Jubiläumsjahr tut die CIPRA einen weiteren Schritt: auf die Jugend zu. Sie will sowohl die Anliegen der Jugendlichen besser in ihre eigene Arbeit einbeziehen als auch weitere Akteure im Alpenraum dazu ermutigen und befähigen. Sie sieht sich als Begleiterin und Ermöglicherin einer intensiveren Jugendbeteiligung. Dazu gehört nebst der politischen Partizipation auch der Bereich der Umweltbildung. Diese ist wichtig, um junge Menschen für ihren Lebensraum zu sensibilisieren.
Ein erstes Ergebnis ist die Kooperation mit dem Jugendparlament zur Alpenkonvention 2012 in Liechtenstein. Weiters bietet die CIPRA Jugendlichen an der 3. Alpenwoche in Poschiavo/CH im September 2012 einen Rahmen, wo sie sich einbringen können – und die CIPRA erhält dafür einen Zugang zur Denk- und Ideenwelt der Jugendlichen.

aus: Szene Alpen Nr. 96 (www.cipra.org/de/alpmedia/publikationen/4960)
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