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Lyon-Turin: Umweltministerium stellt schlechtes Zeugnis aus

Hochgeschwindigkeitszug TGV

Hochgeschwindigkeitszug TGV: Beim Milliardenprojekt "Lyon-Turin" geht es nicht mehr primär um die Verlagerung der Güter von der Strasse auf die Schiene. © Mysterycrux / Flickr

Die Kritik an der geplanten Bahnstrecke Lyon-Turin wächst: Umweltorganisationen lehnen das Megaprojekt genauso ab wie die konservative Partei UMP in Savoyen. Bedenken äussert jetzt auch das französische Umweltministerium.
Bis Anfang März läuft in Frankreich eine öffentliche Anhörung zu "Lyon-Turin". Die Umweltorganisationen FRAPNA und FNE hatten ihre Verschiebung verlangt, nachdem die "Autorité environnementale conseil général de l'Environnement et du Développement durable" (AE) feststellte, dass das Dossier zum Projekt grobe Mängel hat. FRAPNA und FNE hatten "Lyon-Turin" zuvor noch gutgeheissen. Kritiker der Bahnstrecke bemängeln vor allem, dass der Güterverkehr keine Priorität mehr hat.

Erstickt Chambéry im Verkehr?
Geplant ist, dass auf der Strecke Lyon-Turin Güter- und Hochgeschwindigkeitszüge fahren. Damit diese Hochgeschwindigkeitszüge Chambéry erreichen, will man bis 2025 einen Tunnel bauen, den vor allem Personenzüge befahren. Damit für den Güterverkehr kein Engpass entsteht, ist ein zweiter Tunnel zwar vorgesehen, nicht aber Teil dieser ersten Bauphase. Damit ist fraglich, ob der Güterverkehr überhaupt noch Priorität hat. Umweltorganisationen, aber auch die AE und die konservative UMP kritisieren, dass es so keine Verlagerung von der Strasse auf die Schiene gibt. Wie und bis wann es überhaupt gelingen soll, 40 Millionen Tonnen Güter auf dieser Strecke zu transportieren, will auch Pierre Moreau von CIPRA Frankreich in seinen "10 Fragen an die Projektträger" wissen.

Ökologische und finanzielle Folgen unklar
Die AE stellt in ihrem im Dezember 2011 veröffentlichten Bericht grobe Mängel im Dossier zu Lyon-Turin fest. Die Auswirkungen auf Grundwasser und Feuchtgebiete sowie die Folgen für Natura-2000-Gebiete seien unzureichend erfasst. Ausserdem fehle eine sozioökonomische Evaluierung des Projekts, d. h. "Lyon-Turin" wird ohne die anderen alpenüberquerenden Transitrouten wie den Gotthard-Tunnel betrachtet. Dabei sei der Preis für die Transportunternehmen wichtiger als die Geschwindigkeit, so Moreau. "Die alte Strecke und der Strassentunnel, der sicherlich erweitert wird, sind eine günstigere Alternative." Auch der französische Rechnungshof hatte kürzlich dazu ermahnt, den Wettbewerb zwischen Schiene und Strasse wieder herzustellen. Er kritisierte im Februar die mangelnde Wirtschaftlichkeit der Rollenden Landstrasse zwischen Aiton/F und Orbassano/F.

Regionalverkehr bleibt auf der Strecke
Das Projekt "Lyon-Turin" kostet 24 Milliarden Euro. Fertigstellung und Nutzen sind aber unklar: Die Zahl der Langstreckenfahrten mit dem Zug stagniert und der Güterverkehr zwischen Italien und Frankreich geht zurück. Die Modernisierung der Strecke, rechnen Experten vor, würde ausreichen, um bis zu 19 Millionen Tonnen Güter mit der Bahn zu transportieren. Zurzeit sind es weniger als fünf Millionen. Dagegen hat sich in den letzten zehn Jahren die Nachfrage im Regionalverkehr zwischen Grenoble, Lyon und Chambéry verdoppelt.
Quelle und weitere Informationen: www.cipra.org/pdfs/1043_fr (fr), www.cipra.org/fr/alpmedia/positions/106 (fr), www.lavoixdesallobroges.org/politique (fr), www.actu-environnement.com/ae/news (fr), http://edizioni.lastampa.it/aosta/articolo/lstp/580/ (it)