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Climalp / «Allianz in den Alpen»: Infiziert mit guten Ideen

Die Kindertagesstätte von Saint Martin de Belleville kommt mit minimaler Heizenergie aus.

Die Kindertagesstätte von Saint Martin de Belleville kommt mit minimaler Heizenergie aus. © Saint Martin de Belleville

Ideen verbreiten sich ähnlich wie Viren. Sie befallen eine Person, die wiederum andere ansteckt, und wenn sie gut und stark sind, können sie sich zu einer Epidemie auswachsen. Energieeffizientes Bauen ist solch ein Ideenvirus. Am 14. September 2009 konnte beobachtet werden, wie er von Vorarlberg ins französische Departement Savoyen übersprang.
Das österreichische Bundesland gilt als Zentrum für innovativen Holzbau. Hier gibt es besonders viele Architekten, Sägewerke und Zimmereien, die den traditionellen Baustoff Holz auf ökologisch fortschrittliche Weise einsetzen. Eine grosse Werkstatt für Wohnkultur aus dem Wald.
Dorthin sollte fahren, wer wissen möchte, wie man gleichermassen ästhetisch und energiesparend baut. Und genau das taten die CIPRA und das von ihr mitinitiierte Gemeindenetzwerk «Allianz in den Alpen». Sie luden 30 GemeindevertreterInnen aus den französischen Alpen ein, sich mit eigenen Augen von den Vorteilen von Holzhäusern zu überzeugen, die fast keine Heizenergie verbrauchen. Davon gibt es in der Region reichlich: In Österreich wird nur jedes zwanzigste Haus aus Holz gebaut, in Vorarlberg jedoch jedes fünfte.
Einige Teilnehmer der Exkursion stammten aus Saint Martin de Belleville. Die Gemeinde gilt als eine der reichsten in Frankreich. Das verdankt sie vor allem dem Massentourismus. Vier Millionen Übernachtungen, meist im Winter, kommen auf nur 3’000 Einwohner. Kalt wird es hier, bitterkalt zwischen 650 und 3’500 Metern über dem Meeresspiegel. Kann man auch hier in einer Weise bauen, die sowohl die Umwelt als auch die Haushaltskasse entlastet? Die französischen Kommunalpolitiker waren skeptisch. Tatsächlich gab es bislang kein einziges energieeffizientes Gebäude im Ort.
Dann kam die Exkursion und damit die Infektion. Sie bestand aus einer Mischung aus Wissen, das im CIPRA Projekt climalp gesammelt wird, und dem Enthusiasmus der österreichischen Holzbauer. Zurück in Savoyen, steckten die Delegationsmitglieder ihre Kollegen daheim mit ihrer Begeisterung an. Der Gemeinderat von Saint Martin de Belleville beschloss, die neue Kindertagesstätte solle ein «Leuchtturm» für energieeffiziente Architektur werden. Ende 2010 wurde sie eingeweiht. Sie folgt dem Minergie-Standard, mit möglichst rationellem Einsatz erneuerbarer Energien. Einmal in Fahrt gekommen, wurden auch noch die Gebäude der Touristeninformation energetisch auf den neuesten Stand gebracht. Das passt zum Leitbild der Gemeinde, die 2007 die nationale Charta für eine nachhaltige Entwicklung von Touristenorten in den Bergen unterzeichnete und seit 2009 der «Allianz in den Alpen» angehört.
Ideen-Infizierte sind Überzeugte. Saint Martin de Belleville möchte das Konzept der Energieeffizienz an andere Gemeinden weitergeben; in Frankreich ist es noch wenig bekannt. Deshalb luden die savoyischen Kommunalpolitiker im vergangenen Jahr 70 ihrer KollegInnen ins Bergdorf ein, um zu zeigen, wie man beim Bauen Energie spart. Die Übertragungskette geht weiter. Ganz im Sinne von climalp und der CIPRA: Sie wollen im besten Sinne ansteckend sein.

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Klima-Kooperationen: Die Gemeinde Saint Martin de Belleville/F gehört zum Gemeindenetzwerk «Allianz in den Alpen». Es unterstützt Kommunen und Regionen beim nachhaltigen Umgang mit dem Klimawandel. Seit 2000 besorgt CIPRA International das Sekretariat des Netzwerks und leitet Umsetzungsprojekte.
Mit dem Projekt climalp zeigt die CIPRA, dass energieeffiziente Häuser aus regionalem Holz das Klima schützen und gleichzeitig die Regionalwirtschaft beleben. Exkursionen zu Vorzeigebauten zusammen mit «Allianz in den Alpen» dienen dem Wissens-transfer zwischen Kommunen und Ländern. climalp wird vom Land Liechtenstein mit jährlich 75‘000 Franken unterstützt. Weitere Informationen unter: www.alpenallianz.org und www.cipra.org/climalp

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Quelle: Jahresbericht 2010 CIPRA International
www.cipra.org/de/CIPRA/cipra-international
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