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«Ein superwichtiges Jugendparlament»

Sarah Schwarz hat ihr politisches Bewusstsein dank der Arbeit im Jugendparlament der Alpenkonvention geschärft.

Sarah Schwarz hat ihr politisches Bewusstsein dank der Arbeit im Jugendparlament der Alpenkonvention geschärft. © Sarah Schwarz

Sarah Schwarz (Innsbruck/AT) hat die politischen Spielregeln mit ausgedacht. Als 16-Jährige organisierte siemit ihrer Schule das erste Jugendparlament der Alpenkonvention. Und sie findet, die «richtigen» PolitikerInnen könnten den Jugendlichen besser zuhören.
Sarah Schwarz mag die Berge. Hat es geschneit, bezwingt sie mit ihren Skiern Gipfel. Im Sommer ist sie mit dem Mountainbike unterwegs. «Die Alpen sind einzigartig», sagt sie, und ärgert sich über Leute, die zwar über die Politik schimpfen, aber selber nichts tun. Die Innsbruckerin dagegen tut etwas. Bereits mit 16 Jahren gehörte sie einer Gruppe von SchülerInnen an, die 2006 das Jugendparlament der Alpenkonvention gründeten. Im Jahr darauf leitete sie gar die Vollversammlung, moderierte die Diskussionen der SchülerInnen aus sieben Alpenstaaten. Sie findet es «superwichtig», dass es ein Jugendparlament zu den Alpen gibt. «Wir leben ja hier und bekommen die Probleme mit.» Wenn man sonst über Politik rede, spreche man nur grosse Themen an. «Hier geht es um das, was uns betrifft.»
Trotzdem: Sarah Schwarz will nicht in die Politik. Sie begeistert sich für Literatur und Film, reist «unheimlich» gerne, jobbt auch mal als Verkäuferin. Juristin, Journalistin oder vielleicht doch Diplomatin? Berufsvorstellungen einer selbst-bewussten 21-Jährigen. Zurzeit studiert sie Jura und Übersetzung an der Universität im spanischen Salamanca. Sie hat bereits eine Medienausbildung hinter sich und in Florida gelebt, will unbedingt mal nach Frankreich. Sarah Schwarz ist überzeugt, dass der Austausch zwischen Kulturen die Leute und Einstellungen verändert. Für eine Region mit verschiedenen Sprachen und Kulturen wie die Alpen sei dieser Austausch besonders wichtig. Das hat sie beim Jugendparlament gelernt.
Sarah Schwarz hatte schon Erfahrung mit anderen Jugendparlamenten, als sie beim Jugendparlament der Alpenkonvention mitmachte. Die das nicht kannten, hätten nicht gleich verstanden, warum die Kleiderordnung so «pingelig» war und warum man sich bedanken musste, wenn man vom Vorsitzenden das Wort bekam. «Mit Wichtigtuerei hat das nichts zu tun», stellt die Studentin fest. Es brauche eben auch Atmosphäre. So wie inhaltliche Vorbereitung. Und sie klingt ein bisschen stolz, wenn sie davon erzählt, wie die SchülerInnen sogar in der Pause um die Stimmen der anderen buhlten. Lobbying – wie in der «richtigen» Politik. «Das Jugendparlament», sagt sie, «schafft Bewusstsein für politische Prozesse.»
Im Winter 2006 wurde Sarah Schwarz eingeladen, das Jugendparlament bei der Alpenkonferenz vorzustellen. Gespannt und voller Freude fuhr sie nach Alpbach/A. «Nicht alle UmweltministerInnen haben uns wirklich zugehört», sagt sie und klingt plötzlich sehr erwachsen. Dabei sollten die Resolutionen des Jugendparlaments doch ein Input sein, findet sie. Seit 2009 gibt es nun ein Papier, in dem das Jugendparlament die Politik auffordert bekannt zu geben, was mit den Vorschlägen passiert. Schliesslich gehe es um mehr als um eine rhetorische Übung oder nur um den kulturellen und gedanklichen Austausch von Jugendlichen, betont Sarah Schwarz. «Wir sind von der Wichtigkeit unserer Vorschläge überzeugt.»

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7 Staaten, 9 Schulen, ein Thema
Das Jugendparlament der Alpenkonvention (YPAC) wurde 2006 vom Ständigen Sekretariat und vom Akademischen Gymnasium Innsbruck initiiert. Es soll 16- bis 19-Jährigen ein Forum für alpenspezifische Fragen sein. Die Jugendlichen arbeiten Resolutionen aus, die für die Alpenkonferenz allerdings nicht verbindlich sind. Das YPAC findet einmal im Jahr in einer der Gemeinden der Partnerschulen statt, 2011 im schweizerischen Herisau. Arbeitssprache ist Englisch, Krawatte für Männer Pflicht. Weitere Infos siehe: www.jugendparlament.tsn.at (en)
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aus: Szene Alpen Nr. 95 (www.cipra.org/de/alpmedia/publikationen/4586)