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10. Alpenkonferenz

10. Alpenkonferenz

Evian/F, im März 2009. Ein riesiger, fensterloser Saal mit kaltem Kunstlicht. Die einzige Spur zur Natur im Tagungszentrum sind grossartige Blumenbouquets, allem Anschein nach von ausserhalb der Alpen. An langen Tischen sitzen Umweltminister und Staatssekretäre aller Alpenstaaten.
Die Politiker der Vertragsstaaten der Alpenkonvention (siehe Kasten) haben zur 10. Alpenkonferenz zusammengefunden. Die CIPRA nimmt als Beobachter­organisation wie immer teil. Auftrag an diesem Vormittag: einen Klimaaktionsplan für die Alpen beschliessen. Auf dem Tisch liegt ein dürftiges Papier, Ergebnis einer zweijährigen Vorarbeit des französischen Vorsitzes.
Alpbach/A, zwei Jahre zuvor. Nach kräftigem politischem Druck der CIPRA beschlossen die Minister an der 9. Alpenkonferenz, innerhalb von zwei Jahren einen konkreten Aktionsplan auszuarbeiten. Damit ging die Arbeit der CIPRA erst richtig los. Der politische Druck musste aufrechterhalten, die Inhalte mussten präzisiert werden. Die CIPRA erarbeitete selber einen Katalog mit 19 Massnahmen und Forderungen. So forderte sie beispielsweise Passivhausstandard für Neubauten, strenge Vorgaben und bessere finanzielle Förderung für Gebäudesanierungen. Die Effizienz vorhandener Wasserkraft­werke sollte gesteigert werden, anstatt dass neue in unberührte Flusslandschaften gebaut werden. Die CIPRA legte anhand von alpenweit recherchierten Beispielen dar, dass die Energieproduktion mit der Sanierung von Kraftwerken verdreifacht werden kann, während ökologische Begleitmassnahmen gleichzeitig zu einer Verbesserung des Lebensraums führen.
An einem Treffen von CIPRA-Vertretern mit dem Liechtensteiner Umweltminister im Vorfeld von Evian kam die Idee eines Architekturwettbewerbs für nachhaltiges und klimaverträgliches Bauen und Sanieren mit einer Preissumme von 50’000 Euro auf. Dieser Preis sollte aufzeigen, wie man heute nachhaltig baut, dabei die Regionalwirtschaft fördert und nicht nur das Klima, sondern auch den Geldbeutel schont.
Tatsächlich, diese Idee wird in Evian von den MinisterInnen und Staatssekretären gutgeheissen. Zweites Ergebnis: Deutschland schlägt in Absprache mit der CIPRA vor, eine Studie zu erarbeiten, die aufzeigt, wie der ganze Alpenraum bis 2050 klimaneutral werden kann. Eine grosse Vision, für die sich die CIPRA einsetzt. Eine solche Studie könnte den Handlungsbedarf und die Wege zu einer zukunftsfähigen Klimapolitik der Alpen aufzeigen. Auch dieser Vorschlag wird angenommen. Darüber hinaus soll die Studie mit einem grossen internationalen Umsetzungsprojekt konkretisiert werden.
Diese beiden Vorhaben sind die wenigen konkreten Resultate im ganzen Aktionsplan. Immerhin. Ohne den Einsatz der CIPRA würde es nicht einmal diese kleinen Schritte geben. Will die Alpenkonvention ihr Potenzial der Zusammenarbeit ausschöpfen, so muss sie wesentlich dynamischer und praxisorientierter werden. Aktiv halt – um auch dem Namen «Aktionsplan» gerecht zu werden.

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Das ideelle Dach der CIPRA
Die Alpenkonvention ist ein rechtlich verbindlicher Staatsvertrag zwischen den acht Alpenstaaten Deutschland, Frankreich, Italien, Liechtenstein, Monaco, Österreich, Schweiz und Slowenien sowie der Europäischen Union. Ziele sind der Schutz und die nachhaltige Entwicklung der Alpen. Sie werden in so genannten Durchführungsprotokollen zu den Themen Verkehr, Energie, Naturschutz, Raumplanung und Nachhaltige Entwicklung etc. konkretisiert. Die CIPRA hat bereits bei ihrer Gründung 1952 ein solches Vertragswerk gefordert. Realisiert wurde es 1991.
www.cipra.org/de/alpenkonvention
www.alpconv.org
Quelle: Jahresbericht 2009 CIPRA International
www.cipra.org/de/CIPRA/cipra-international
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