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Das Wachstumsmodell hat ausgedient

Andreas Götz

Andreas Götz

Jahresfachtagung 2009 Gamprin/FL «Wachstum auf Teufel komm raus?». Andreas Götz, Geschäftsführer CIPRA International, über den Wachstumsrückgang und dessen Folgen für die Alpen.
Die CIPRA fordert Ideen für Zufriedenheit, Auskommen und Glück. Was bedeutet das für die Alpen?
Andreas Götz: Das herkömmliche Rezept, Wohlstand und Lebensqualität durch wirtschaftliches Wachstum realisieren zu wollen, stösst an Grenzen. Die Natur kann nicht unendlich wachsen, das versteht jeder. Dasselbe gilt für die Wirtschaft, denn sie lebt ja auch von natürlichen Ressourcen und die sind beschränkt. Die Alpen als sensible Ökosysteme sind vom ökologischen Wandel besonders tangiert – mit schwer wiegenden Folgen für ihre Wirtschaft und das gesellschaftliche und kulturelle Leben.

Die CIPRA sieht die Alpen als Profiteure und als Opfer des Wachstums. Was ist zu korrigieren?
Unsere Wirtschaft basiert fast vollständig auf dem Erdöl. Davon wird es aber in Zukunft weniger geben; die jährlich geförderte Menge wird ihr Maximum in wenigen Jahren erreichen. Die Finanz- und Wirtschaftskrise erhöht die Dringlichkeit für neues Denken und Handeln. Ein Zurück auf die alten Geleise und ein blosses Mehr vom Bisherigen haben keine Zukunft, ökonomisch nicht und ökologisch nicht. Korrekturen am bisherigen Wachstumsmodell reichen nicht aus. Es geht um tief greifende Umorientierungen; eine kontrollierte Rücknahme des Wachstums in den westlichen Industrieländern ist unbedingt nötig. Die Alpen müssen dabei ihren Beitrag leisten.

Die CIPRA hat an ihrer Jahresfachtagung in Gamprin/FL zehn Thesen dazu formuliert. Was erhofft sie sich davon?
Der Thesenkatalog soll die Menschen sensibilisieren für die Themen Wachstum, Endlichkeit der Ressourcen und mögliche Schrumpfungszenarien. Er soll mögliche Handlungsfelder aufzeigen wie Klimapolitik, regionale Wirtschaftskreisläufe, Raumordnung oder Mobilität und die Grenzen des Wachstums auch als Chance aufzeigen. Für die Wissenschaft und die Wirtschaft ist das Thema Schrumpfen nicht mehr so fremd. Für die Politik hingegen schon. Die CIPRA fordert dazu auf, den Schrumpfungsprozess aktiv anzugehen. Die Jahresfachtagung hat gezeigt, dass es keine einfachen Rezepte gibt, aber viele Möglichkeiten, damit die Lebensqualität in den Alpen auch bei einem Wachstumsrückgang erhalten bleibt – oder gar noch zunimmt.

Welches Rolle spielt die CIPRA bei dieser Entwicklung?
Die CIPRA scheut sich nicht, auch heikle Themen anzusprechen. Sie bereitet Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung auf und macht sie so einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. Damit trägt sie wesentlich zum Entscheidungsprozess bei und hilft mit, die Weichen richtig zu stellen, damit das Leben in den Alpen auch in 50 Jahren noch lebenswert ist.
Quelle: Jahresbericht 2009 CIPRA International
www.cipra.org/de/CIPRA/cipra-international
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