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Wie misst man Lebensqualität?

Für viele Dinge gibt es taugliche Messinstrumente, wie die Uhr für Zeit, den Meter für räumliche Distanz, die Waage für Gewicht. Doch wie misst man das menschliche Befinden? Eine Auswahl.
Bruttoinlandsprodukt
Die am häufigsten benutzte Messgrösse für die Grösse einer Marktwirtschaft, das Bruttoinlandsprodukt (BIP), wurde in den 1930er Jahren entwickelt. Die Methodologie ist klar definiert und standardisiert. Damit ermöglicht das BIP internationale Vergleiche und Aggregationen.
Das BIP addiert in einer einzigen Zahl den gesamten Marktwert aller Endprodukte und Dienstleistungen, die während eines gewissen Zeitraums auf dem wirtschaftlichen Gebiet eines Staates produziert werden. Die Änderung des BIP im Laufe der Zeit gilt als Hauptindikator für das Wachstum der volkswirtschaftlichen Leistung. Zahlreiche Faktoren werden jedoch nicht berücksichtigt wie unentgeltliche Erziehungsarbeit, Ressourcenverschleiss oder ähnliches, weshalb das BIP zunehmend in Kritik gerät.
www.beyond-gdp.eu (de/fr/en)

Index der menschlichen Entwicklung
Mit einer kombinierten Messung von BIP, Gesundheit und Bildung vergleicht das United Nations Development Programme (UNDP) die menschliche Entwicklung in verschiedenen Ländern. Als Grundlage für den Human Development Index (HDI) dient die Bewertung der durchschnittlichen Entwicklung eines Landes in drei Bereichen: Lebenserwartung bei der Geburt, Alphabetisierungsgrad Erwachsener und kombinierte Schuleinschreibungsrate sowie reale Kaufkraft pro Kopf.
An erster Stelle im Ranking von 182 Ländern steht Norwegen, an letzter Niger. Die Alpenländer gelten als sehr hoch entwickelte Länder. Frankreich, die Schweiz und Österreich liegen auf Platz 8, 9 und 14. Italien und Liechtenstein folgen auf Platz 18 und 19, Deutschland und Slowenien auf Platz 22 und 29.
www.undp.org (en/fr)

Nationaler Wohlfahrtsindex (NWI)
Der Nationale Wohlfahrtsindex (NWI) berücksichtigt die bisher im BIP vernachlässigten Wohlfahrtsleistungen wie Hausarbeit oder ehrenamtliche Tätigkeit. Negativ bilanziert werden dagegen Schäden z.B. betreffend Luft, Boden, Gewässer, Gesundheit oder Verkehr und die Verringerung des Naturkapitals an Boden, Wäldern, Ressourcen, Artenvielfalt oder Klima. Auch soziale Faktoren wie Verteilungsgerechtigkeit, öffentliche Ausgaben für Gesundheits- und Bildungssysteme sowie Kriminalität spielen im NWI eine Rolle.
www.polsoz.fu-berlin.de (de/en)
www.fest-heidelberg.de (de/en)

Index für Entwicklungsfortschritt
Der Genuine Progress Indicator (GPI) ergänzt das BIP um einige wesentliche Dimensionen. Arbeit im Haushalt beispielsweise wird so angerechnet, als ob man jemanden von aussen dafür anstellen würde. Weiter steigt oder sinkt der GPI entsprechend des Anteils der Armen am nationalen Einkommen.
Die Ausbeutung natürlicher Ressourcen wird vom BIP als laufende Einnahme, vom GPI hingegen als laufende Ausgabe ausgewiesen. Während Umweltverschmutzung sich im BIP auf zweierlei Hinsicht positiv auswirkt – zuerst bei der Entstehung, dann bei der Bereinigung – werden die Kosten der Auswirkung der Verschmutzung auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt im GPI abgezogen. Auch der Verlust an Lebensqualität, der die niedrige Haltbarkeit eines Produkts auslöst, wird einberechnet. Der GPI geht aus dem Index für den nachhaltigen wirtschaftlichen Wohlstand, genannt Index of Sustainable Economic Welfare (ISEW), hervor.
www.rprogress.org (en)

Bruttonationalglück
Das Bruttonationalglück – oder Gross National Happiness (GNH) – ist der Versuch, den Lebensstandard in ganzheitlicher, humanistischer und psychologischer Weise zu definieren. Entwickelt wurde es 1972 von Jigme Singye Wangchuck, König von Bhutan. Die GNH sollte Bhutans einzigartiger Kultur und dessen buddhistischen Werten gerecht werden.
Seine vier Säulen sind die Förderung einer sozial gerechten Gesellschafts- und Wirtschaftsentwicklung, die Bewahrung und Förderung kultureller Werte, der Schutz der Umwelt und die Errichtung von guten Regierungs- und Verwaltungsstrukturen. Kritiker bemängeln, das GNH lasse sich nur schwer objektiv messen und unterliege einer Reihe von subjektiven Werturteilen.
www.grossnationalhappiness.com (en)