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Die kühlen Köpfe im Treibhaus: Interview mit einem cc.alps Preisträger

Arno Zengerle, Bürgermeister von Wildpoldsried, hat seine Gemeinde auf den erneuerbaren Energiekurs gebracht.

Arno Zengerle, Bürgermeister von Wildpoldsried, hat seine Gemeinde auf den erneuerbaren Energiekurs gebracht. © Gemeinde Wildpoldsried

"Jeder will seinen Anteil beitragen!" Die CIPRA hat am 6. November 2008 die sieben besten Massnahmen ausgezeichnet, die am cc.alps-Wettbewerb teilgenommen haben. Die Gemeinde Wildpoldsried im Allgäu/D hat für ihre Aktivitäten im Bereich Energieeffizienz einen der drei Hauptpreise gewonnen. Andrea Skiba aus dem cc.alps-Team hat mit Arno Zengerle, Bürgermeister von Wildpoldsried, über diesen Erfolg gesprochen.
Bauen aus Holz ist eine der drei Säulen, auf die sich das erfolgreiche Energiekonzept der Gemeinde Wildpoldsried stützt.

Bauen aus Holz ist eine der drei Säulen, auf die sich das erfolgreiche Energiekonzept der Gemeinde Wildpoldsried stützt. © 2000 Gemeinde Wildpoldsried

Erst den cc.alps Preis, nun den Deutschen Solarpreis 2009 -Wie kommt die Gemeinde Wildpoldsried zu so vielen Auszeichnungen?
Wir sind auf dem Sektor der regenerativen Energieerzeugung und Energieeinsparung im Randbereich Holzbau und auch im Bereich Wasserschutz sehr weit. Wir haben auch im European Energy Award eine sehr gute Zahl erreicht und sind gerade dabei, diese noch weiter zu erhöhen.

Was hat ihnen das Preisgeld von cc.alps ermöglicht?
Das Preisgeld würden wir als Grundlage hernehmen, um eine Versuchsanlage schnell wachsender Hölzer zu pflanzen. Diese Versuchsanlage würde untersuchen, wie sich Klärschlammdüngung auf das Wuchsverhalten schnell wachsenden Energiehölzer und Bodenqualität auswirkt. Das ganze wollen wir mit einer Hochschule kombinieren, um daraus längerfristige Informationen zu erhalten. Wir haben schon eine Klärschlammvererdungsanlage, aber wir wollen einen Schritt weiter gehen und mit Hilfe einer Versuchanlage prüfen, ob sich der ökologische Kreislauf auch im Bereich Klärschlamm wieder schliessen lässt.

Helfen die Preise, die Nachbarn davon zu überzeugen, es Ihnen gleich zu tun?
Vielleicht nicht gerade die unmittelbaren Nachbarn, aber sehr viele andere Gemeinden. Zu mir kommen Bürgermeister mit ihren Gemeinderäten. Dieser Austausch hat ganz enorme Effekte, weil die Dinge, die wir machen, keine Visionen mehr sind, sondern schon umgesetzt werden und sie sind alle wirtschaftlich.

War es am Anfang schwierig, die Bevölkerung von Wildpoldsried für Ihre Visionen zu begeistern?
Es ist ja nicht nur "meine" Vision. Wir haben bestimmt seit Anfang der 90er Jahre zehn Leute gehabt, die sich mit dem Thema beschäftigt haben. Die Bevölkerung stand zumindest von Anfang an den Ideen aufgeschlossen gegenüber. Jetzt ist die Stimmung so, dass jeder in irgendeiner Form was beitragen will. Ob es jetzt einfach ist, nur die eigene Heizungspumpe gegen eine Hocheffizienzpumpe auszutauschen, um damit 80 Prozent Strom zu sparen. Ob es darum geht, dass man sich an die Dorfheizung anschliesst oder darum, dass man sich eine Solaranlage auf dem Dach installiert. Jeder will eigentlich irgendwo seinen Anteil beitragen.

Sie möchten bis 2020 den gesamten Energiebedarf des Ortes in der Bilanz mit erneuerbaren Energien decken? Ist das machbar?
Problemlos ist das machbar. Im Moment, also Stand Ende 2008, erzeugt man schon 285 % unseres gesamten Stromverbrauchs regenerativ. Wir gehen davon aus, dass wir in 2 Jahren 500 % unseres Stromverbrauches regenerativ erzeugen. Wir erzeugen dann einen hohen Anteil, aber wir können ihn noch nicht quantifizieren. Es ist nicht auszuschliessen, dass wir unser Ziel in zwei Jahren erreicht haben.

Was raten Sie anderen Bürgermeistern, die den gleichen Weg gehen wollen?
Sich viel informieren. Es gibt mittlerweile einige Energiegemeinden, über die man im Internet nachschauen kann, was sie alles gemacht haben. Mit kleinen Massnahmen anfangen und die dann erfolgreich zu Ende bringen. Dann mit eigenen Gebäuden eine Vorbildrolle einnehmen was Energieeffizienz und regenerative Energieerzeugung betrifft. Ein Energieteam gründen und dann wird das mit der Zeit ein Selbstläufer.

Projektinfo:
- Land: Deutschland
- Start: 01.01.1999
- 3-Säulen- Konzept mit den Komponenten:
o 1. Regenerative Energiegewinnung und Energieeinsparung
o 2. Maximaler Einsatz von Holz als ökologischer Baustoff bei Baumaßnahmen
o 3. Schutz von ober- und unterirdischen Wasservorkommen und ökologische Abwasserreinigung
- Die Gemeinde stellt bereits über 250% ihres eigenen Strombedarfs regenerativ her.
- Der Bau der Dorfheizung (Pellets) hat es ermöglicht, jährlich 470 t CO² einzusparen.
- Das positive Energieimage der Gemeinde inspiriert auch andere Bürger und Gemeinden zur Nachahmung und schafft einen Standortvorteil für Firmen aus der Branche.
- 2008: Preis des cc.alps-Wettbewerbs der CIPRA
- 2009: Deutscher Solarpreis

Weitere Informationen:
www.cipra.org/de/cc.alps/wettbewerb (de/en/fr/it/sl)
www.cipra.org/de/competition-cc.alps (de)