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Kühler Kopf im Gespräch: Norbert Lantschner, Direktor der KlimaHaus Agentur in Bozen/I "Die sauberste Energie ist jene, die ich nicht benötige"

Norbert Lantschner, Direktor der KlimaHaus Agentur in Bozen

Norbert Lantschner, Direktor der KlimaHaus Agentur in Bozen © CIPRA International

Die KlimaHaus Agentur in Bozen hat für ihre Aktivitäten zur Energieeinsparung einen der sieben Preise des cc.alps-Wettbewerbes der CIPRA gewonnen. Wir haben Direktor Norbert Lantschner im Rahmen unserer Tagung "Kühler Kopf im Treibhaus" interviewt.
Ex Post Bozen/I. Es handelt sich hier um das erste öffentliche sanierte Passivhaus (KlimaHaus Gold) Italiens. Das ursprüngliche Gebäude stammte aus dem Jahr 1954.

Ex Post Bozen/I. Es handelt sich hier um das erste öffentliche sanierte Passivhaus (KlimaHaus Gold) Italiens. Das ursprüngliche Gebäude stammte aus dem Jahr 1954. © LudwigThalheimer

Interview: Stefan Arlanch, CIPRA International. Das Interview steht vollständig auf Deutsch als Video unter: www.cipra.org/de/climalp/lantschner zur Verfügung.

Herr Norbert Lantschner, welche ist die Mission von KlimaHaus?
Mit KlimaHaus versuchen wir unser Leitprinzip umzusetzen und zwar "die sauberste Energie ist jene die ich nicht benötige". Wenn wir bedenken, dass fast die Hälfte des Weltenergieverbrauchs in Gebäude fließt, dann wissen wir, wie dieses Arbeitsfeld auszusehen hat. Wir müssen primär die Gebäude energetisch modernisieren; wir müssen andere Gebäude bauen. Und somit ist in den nächsten Jahren ein gigantisches Arbeitsfeld eröffnet, diese Gebäude vor allem die, die wir in den Nachkriegsjahren gebaut haben, energetisch zu verbessern.

Was waren die grössten Herausforderungen von KlimaHaus?
KlimaHaus ist aus der Idee entstanden, den Graben zwischen einem hohen Stand an Wissen und verfügbaren Technologien und einem Defizit des Handelns zu schließen. Diese Brücke zu bauen war die Herausforderung von KlimaHaus. Wir haben versucht alle Akteure an einen Tisch zu bringen: den Planer, die Handwerker, die Bauunternehmen, die öffentliche Hand und natürlich den Menschen, der in diesen Häusern zu wohnen hat. Und es ist uns in kurzer Zeit gelungen, einen Umbau zu schaffen, weil der Mensch jetzt im Mittelpunkt steht. Das heißt, der Mensch der ein Haus baut oder modernisiert, muss jede Unterstützung erhalten, um einen hohen Qualitätsstandard zu bekommen: hoher Wohnkomfort, geringster Verbrauch und natürlich Schutz der Umwelt und des Klimas.

CasaClima hat als Preisträger des cc.alps-Wettbewerbs der CIPRA 10.000 Euro erhalten. Was wird CasaClima mit dem Preisgeld machen?
Wir wollen mit dem Preisgeld unseren Erfahrungsschatz an andere weitergeben. Konkret: In Slowenien helfen wir gerade, ein Projekt mit unseren Kernideen der Energieeinsparung umsetzen. Denn wenn wir diese Klimakrise bewältigen wollen, dann müssen wir weltweit handeln. Es müssen so viele Akteure wie möglich gewonnen werden, die sich in diesen Prozess einbringen.

Wie sehen Sie die Möglichkeiten des Wissens- und Erfahrungstransfer auch innerhalb Italiens?
Wir haben schon heute Projekte in Friaul-Julisch Venezien. Ganz konkret auch in Sondrio, dort wurden soeben Projekte gestartet die mit der KlimaHaus Idee arbeiten. Italien präsentiert sich zurzeit als Schlusslicht in der EU, was die Reduzierung der CO2 Emissionen die Energieabhängigkeit betrifft. Es bietet sich hier somit ein herrliches Arbeitsfeld an, Gebäude zu modernisieren, neu zu bauen. In einigen italienischen Regionen gibt es bereits Aktivitäten mit KlimaHaus diesen Prozess zu beginnen.

Abschließend: Wo liegt für Sie die Zukunft des Bauens?
Der erste Schritt geht in Richtung Maximierung der Energieeffizienz. Der zweite Schritt besteht darin, Gebäude ökokompatibel zu bauen. Es zählt nicht jedoch nur das Resultat, dass das Gebäude wenig oder keine Energie benötigt, sondern auch wie ich dieses Resultat erreiche. Der dritte Schritt ist folglich, abzuklären, wo dieses Haus gebaut wird. Denn es ist wenig sinnvoll ein Null Energiehaus mitten auf einen Berg zu bauen wenn dann die Hausbewohner täglich grosse Geländewagen nutzen müssen um ihren Arbeitsplatz zu erreichen. Deswegen stellt sich speziell im Alpenraum die Frage, wie man mit dieser extrem sparsamen Ressource Raum umgeht. Und auch hier müssen wir wohl umdenken wie wir diese Entwicklung im Alpengebiet zulassen, wo der Tourismus vielerorts die Haupteinnahmequelle darstellt. Wie gehe ich auch mit diesen touristischen Einrichtungen um, die extrem raumintensiv genutzt werden.



Die Gebäudezertifizierung KlimaHaus steht für Energieeinsparung, hohen Wohnkomfort und aktiven Klimaschutz:
* Land: Südtirol/Italien
* Von 2002 bis 2008 wurden schon über 1.000 Gebäude nach KlimaHaus Standard zeritifiziert.
* Die realisierten KlimaHäuser in Südtirol sparen jährlich 6.000 Tonnen CO2 ein. Dies entspricht einer Ersparnis von 3 Mio. Liter Heizöl
* Drei Säulen: Sensibilisierung, Weiterbildung, Beratung.
* Eine moderne und sorgfältige Planung im KlimaHaus Standard kann vor allem in den südlicheren Breiten die Nutzung von Gebäudekühlsystemen verringern.
* Die jährlich eingesparten Energiekosten können für einzelne Familien sogar ein durchschnittliches Monatsgehalt betragen.
* 2008: Preis des cc.alps-Wettbewerbs der CIPRA.
Weitere Infos unter: www.cipra.org/de/cc.alps/wettbewerb/klimahaus (de/fr/it/sl) und www.cipra.org/competition-cc.alps (de)