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Vernetzte Partner vernetzen Lebensräume

Spinennetz

Netzwerke sind in der Natur eine allgegenwärtige Erfolgsstrategie. © Matthias Huss

Drei alpenweite Initiativen arbeiten Hand in Hand
Seit 2002 setzen sich die Internationale Alpenschutzkommission CIPRA, das Netzwerk Alpiner Schutzgebiete Alparc, das Internationale Wissenschaftliche Komitee der Alpenforschung (Iscar) und das Alpenprogramm des WWF gemeinsam für die Erhaltung der Biodiversität in den Alpen ein. Mit ihrer alpenweiten Betrachtungsweise, die weder an Länder- noch an Schutzgebietsgrenzen Halt macht, haben die vier Organisationen einen völlig neuen Weg im alpinen Naturschutz aufgezeigt. Sie haben den entscheidenden Impuls gegeben, um die Plattform Ökologischer Verbund der Alpenkonvention und das Projekt Econnect zu realisieren. Selber haben die vier Nichtregierungsorganisationen als Konsortium das Projekt Ökologisches Kontinuum ins Leben gerufen. Damit handeln sie ganz im Sinne der Alpenkonvention, die in ihrem Naturschutzprotokoll die Schaffung eines ökologischen Netzwerks zur Erhaltung der aussergewöhnlichen biologischen Vielfalt im Alpenraum fordert.
Jede der drei Initiativen hat einen anderen Schwerpunkt. Die Plattform bemüht sich insbesondere um politische Unterstützung für den alpenweiten ökologischen Verbund. Econnect baut eine beispielhafte Partnerschaft auf zwischen privaten und öffentlichen Akteuren und unterstützt erste lokale Umsetzungsschritte in Pilotregionen. Das Ökologische Kontinuum hat für alle Initiativen methodische und wissenschaftliche Grundlagen erarbeitet, die Zusammenarbeit mit Pilotregionen auf den Weg gebracht und eine alpenweite öffentliche Debatte eröffnet. Die KonsortiumPartner sind zudem in der Plattform und bei Econnect beteiligt. Ihnen obliegt es, die langfristigen Ziele im Auge zu behalten, alle Initiativen zu unterstützen und miteinander zu vernetzen sowie Geldquellen für neue Projekte zu erschliessen.

Kontinuum sorgt für Kontinuität
Das Ökologische Kontinuum nahm seinen Anfang im Juni 2007. Ermöglicht wurde dies dank der finanziellen Unterstützung durch die schweizerische MAVA-Stiftung für Natur. In einer ersten, eineinhalbjährigen Phase legten die CIPRA, Alparc, Iscar und der WWF das Fundament für die langfristige Umsetzung eines ökologischen Netzwerks in den Alpen. Als Ergebnis stehen alpenweit abgestimmte Methoden und ein Katalog von möglichen Massnahmen für die Lebensraum- vernetzung zur Verfügung.
Vier über den ganzen Alpenbogen verteilte Pilotregionen setzen nun im Rahmen von Econnect entsprechende Aktivitäten um. Grossen Wert legen die Partner des Kontinuums darauf, Personen in Entscheidungspositionen die Wichtigkeit eines ökologischen Verbundes aufzuzeigen, damit die Mobilitätsansprüche von Tieren und Pflanzen bei Planungen und politischen Weichenstellungen künftig berücksichtigt werden. Dass Econnect erfolgreich auf den Weg gebracht werden konnte, ist der grösste und sichtbarste Erfolg des Kontinuums. In nächster Zukunft werden nun die vier Partner ein alpenweites Kompetenz-Netzwerk aufbauen. Zudem sollen in weiteren Pilotregionen neue Projekte in die Wege geleitet werden.

Den politischen Diskurs führen
Um die gemeinsame alpenweite Arbeit an einem ökologischen Netzwerk zu fördern, richtete die Alpenkonvention 2007 die Plattform Ökologischer Verbund ein. Die Plattform bringt nicht nur fachlich kompetente Expertinnen und Experten derAlpenstaaten und Beobachter der Alpenkonvention zusammen - wie die anderen Arbeitsgruppen der Alpenkonvention - sondern bindet zusätzlich Behörden, wissenschaftliche Einrichtungen, internationale Organisationen sowie Vertreterinnen und Vertreter von Pilotregionen ein. Damit ist sie ein wichtiges Bindeglied zwischen Politik, Wissenschaft und Praxis.
Die Plattform trägt wichtige Ergebnisse aus Projekten wie Econnect und dem Kontinuum an die Umweltministerien der Alpenstaaten heran. Dies soll den Weg ebnen für die politische Unterstützung aller Vernetzungsinitiativen im Alpenraum. Auch mit anderen multilateralen Abkommen wie der Biodiversitätskonvention ist die Plattform im direkten Austausch wie auch mit Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern auf europäischer Ebene.
Die Plattform organisiert weiter die wissenschaftliche Begleitung von Vernetzungsinitiativen, unterstützt die Umsetzung in Pilotregionen und sorgt dafür, dass das Gespräch zwischen den Partnern nicht versiegt - und dafür, dass die Öffentlichkeit von den Aktivitäten erfährt.
Der Arbeit der Plattform sind jedoch Grenzen gesetzt. Abgesehen von den Mitteln, die der jeweilige zweijährliche Vorsitz zur Verfügung stellt, gibt es keine gesicherte finanzielle Unterstützung. Noch ist unklar, wieviel Frankreich zur Verfügung stellen wird, das den Vorsitz soeben von Deutschland übernommen hat.

Das Netz des Lebens wiederherstellen
Das mit drei Jahren am kurzfristigsten angelegte Projekt Econnect ist ein Zusammenschluss von 16 Partnern aus sechs Alpenländern im Rahmen des Alpenraumprogramms der Europäischen Union (EU). Unter dem Motto "Restoring the web of life" treibt Econnect seit September 2008 die beispielhafte Umsetzung des ökologischen Verbunds in Pilotregionen voran. Beteiligt sind nationale und regionale Verwaltungen, Forschungsinstitute, internationale Dachorganisationen und lokale Umsetzungspartner. Gestützt auf Werkzeuge und Grundlagen aus dem Ökologischen Kontinuum zeigen die vier Kontinuum-Pilotregionen und zwei weitere Regionen auf, wie die Vernetzung vor Ort konkret verbessert werden kann. Unterstützend stellt Econnect alpenweite geographische Datengrundlagen bereit, analysiert physische und gesetzliche Barrieren, die den Austausch von Tieren und Pflanzen behindern und legt Migrationskorridore fest. Nicht zuletzt soll Wissen ausgetauscht werden - unter den Akteuren, aber auch mit anderen Berggebieten.