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Energieeffizient bis in alpine Höhen- climalp: Förderung von Niedrigstenergie-Gebäuden aus regionalem Holz

CIPRA Info Sardonahütte

Sardonahütte/CH © Florian Lintzmeyer

"Das ideale Haus ist im Winter warm und im Sommer kühl", soll Sokrates gesagt haben. Dass dies auch ohne Heizungssystem und Klimaanlage möglich ist, zeigt das Projekt climalp der Internationalen Alpenschutzkommission CIPRA. Ziel ist es, energieoptimierte Bau- und Sanierungsweisen sowie die Verwendung von regionalem Holz als Baustoff im Alpenraum zu fördern.
Heute finden sich die allermeisten Niedrigstenergie-Gebäude im deutschsprachigen Raum. Das Know-How bezüglich energieoptimierter Bauten und das allgemeine Bewusstsein über das Potenzial und die Qualität von Niedrigstenergie-Gebäuden machen meist an den Sprachgrenzen Halt. Aber auch in Vorarlberg, im Allgäu oder in Südtirol, eigentlichen Vorreiterregionen bezüglich energieoptimiertem Bauen und Holzarchitektur, halten sich Vorurteile erstaunlich hartnäckig: Man könne bei einem Passivhaus ja nie die Fenster öffnen, Holzgebäude seien äusserst brandgefährdet etc. etc. Es existiert folglich nicht nur im französischen, italienischen oder slowenischen Alpenraum ein sehr grosses Energiespar-Potenzial im Gebäudebereich. Hier setzt die CIPRA an; die Nichtregierungsorganisation engagiert sich mit dem Projekt climalp seit rund fünf Jahren alpenweit, um einem breiten Personenkreis bewusst zu machen, dass Niedrigstenergiehäuser aus regionalem Holz das Klima schützen und die Regionalwirtschaft ankurbeln. Finanziert wird climalp in erster Linie durch das Land Liechtenstein und eine Reihe von Stiftungen (siehe Kasten Seite 20).
Ausgangspunkt von climalp stellen ein 2004 erarbeiteter, rund 100-seitiger Bericht und eine dazugehörige Homepage dar - beide informieren umfassend in den vier Hauptsprachen der Alpen (de/fr/it/sl) zu den Themen Holzbau und energieoptimiertes Bauen und Sanieren (www.cipra.org/climalp). Bei der Verbreitung dieses Wissens und der Sensibilisierung für energiesparendes Bauen mit Holz gilt es immer, auf die unterschiedlichen Ausgangslagen und kulturellen Rahmenbedingungen in den verschiedenen alpinen Regionen Rücksicht zu nehmen. Dementsprechend vielfältig sind die climalp-Aktivitäten: Mittels Tagungen, Ausstellungen, Exkursionen, Publikationen oder auch eines Wettbewerbs vernetzt die CIPRA Menschen und Wissen im ganzen Alpenraum.

Schutzhütten als Leuchttürme
Aktuell fokussiert climalp in Zusammenarbeit mit den Alpenvereinen besonders auf alpine Schutzhütten. Die beispielhafte Sanierung oder der intelligente Neubau von alpinen Schutzhütten an exponierter Lage soll aufzeigen, was im Bereich Energieeffizienz bei Gebäuden auch unter schwierigen Bedingungen möglich ist und dadurch viele Besucherinnen und Besucher zur Nachahmung anregen. Den Schutzhütten, welche jährlich Hunderttausende von Nächtigungen und unzählige Besuche von Tagesgästen aufweisen, kommt eine eigentliche Leuchtturm-Funktion zu. Auch die Hüttenbesitzer haben ein handfestes Interesse, das Thema Energieeffizienz nicht zu vernachlässigen. Unwirtliches Klima, isolierte Lage, ökologisch sensible Umgebung und ständig steigende Kosten für Brenn- und Heizstoffe verursachen einen beträchtlichen Aufwand für den Hüttenbetrieb.
Climalp fördert nicht nur die Verbreitung von Niedrigstenergie-Gebäuden im Generellen, sondern spezifisch auch die Verwendung von regionalem Holz als Baustoff. Einerseits hat regionales Holz einen sehr geringen Gehalt an grauer Energie. Andererseits hat dessen Verwendung nicht zu vernachlässigende positive Auswirkungen auf die Regionalwirtschaft - so werden regionale Arbeitsplätze geschaffen und die regionale Wertschöpfung wird gesteigert.

Hotspots in den einzelnen Ländern
Für die Lancierung und Umsetzung von konkreten Aktionen vor Ort sind die nationalen CIPRA-Vertretungen zuständig. So hat zum Beispiel CIPRA Frankreich in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen 2007 die erste nationale Passivhaustagung im Land aus der Taufe gehoben. Den Rahmen bildete die europäische Holzmesse in Grenoble, wo die CIPRA zudem auf dem Ausstellungsgelände mit Informationen und Konstruktionsmodellen zum Thema Passivhaus und Holzbau präsent war. An der Tagung, bei der Experten aus Frankreich, der Schweiz und Österreich eingebunden waren, nahmen über 400 Personen teil. Nachdem bei der zweiten Ausgabe dieses Jahr an insgesamt zwei Tagen sogar doppelt so viele Besucherinnen und Besucher begrüsst werden konnten, kann die Tagung bereits als institutionalisiert bezeichnet werden. Sie wird im nächsten Jahr wieder durchgeführt. Weitere grössere und kleinere climalp-Veranstaltungen fanden in den letzten Jahren auch in Italien, der Schweiz, Deutschland, Österreich und Slowenien statt.
Ebenfalls ein sehr grosser Erfolg ist die im letzten Jahr gestartete Klimahaus-Bayern-Kampagne, die CIPRA Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Energiezentrum Allgäu initiiert und umgesetzt hat (www.klimahaus-bayern.de). Kernstück der Kampagne war ein grosser Wettbewerb für energieeffiziente Häuser aus regionalen Baustoffen im bayerischen Alpenraum. Für die Preisverleihung Ende April dieses Jahres konnten der bayerische Umweltminister Otmar Bernhard sowie Wolfgang Feist, der "Vater des Passivhauses", als Referenten gewonnen werden. Die Preisträger werden nun mittels zahlreicher Aktivitäten öffentlichkeitswirksam präsentiert: Ausstellungen auf Bau- und Energiemessen, Pressefahrten zu den Gewinner-objekten, Präsentation am Tag des Passivhauses, Broschüren, die an Bauinteressierte auf Messen und Fachveranstaltungen verteilt werden, Internetauftritte, etc.

Ein brennend aktuelles Thema
Wie gross das Interesse an zukunftsträchtigen Bauweisen heute ist, zeigen die Exkursionen, die climalp im Rheintal durchführt. In den letzten beiden Jahren haben rund 200 Architekten, Gemeindevertreterinnen, Bauwillige und weitere Interessierte, vorwiegend aus dem nicht-deutschsprachigen Alpenraum, beispielhafte Bauten in Vorarlberg und Graubünden besichtigt. Dass sich die meisten für die Vorzüge und Möglichkeiten energieeffizienter Holzbauten begeistern lassen, zeigen die Reaktionen und der Wille, die Eindrücke zu Hause in Taten umzusetzen. Ein französischer Exkursionsteilnehmer beispielsweise, der zurzeit eine Passivhausüberbauung am Lac d'Annecy realisiert, stellt auf dem climalp-Web neu einen Blog - ein Web-Tagebuch - zu seinem Bauprojekt bereit; nachzulesen auf www.cipra.org/climalp.
Das Thema Energie, insbesondere im Gebäudebereich, wird in den nächsten Jahren noch weiter an Bedeutung gewinnen. Die CIPRA hat sich im Rahmen von climalp viel Know-How erarbeitet, hat unzählige Kontakte geknüpft und nimmt insbesondere im internationalen Kontext über die Sprachgrenzen hinweg eine wichtige Rolle im Bereich energieeffizientes Bauen ein. Climalp ist nach fünf Jahren Laufzeit aktueller den je.