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KlimaHaus: ein Projekt macht Schule - Südtiroler Gebäudezertifizierung als Vorbild

CIPRA Info Best Practice KlimaHaus

Würde das Rathaus in St. Lorenzen in Südtirol mit Öl beheizt, so würde pro Quadratmeter ein halber Litergenügen. Dafür wurde das Gebäude mit der KlimaHaus-Gold-Plakette ausgezeichnet. Andere Neubauten brauchen das Zehnfache und mehr an Heizenergie. © Georg Hofer

Die Idee zu KlimaHaus/CasaClima wurde vor sechs Jahren in einem Bozner Landesamt geboren. Das Zertifizierungssystem ist seither in ganz Italien zum Synonym für energieeffizientes Bauen geworden. Ob ein Gebäude als KlimaHaus eingestuft wird, hängt nicht von der Bauweise ab, sondern davon, wie niedrig der Heizenergiebedarf letztlich liegt. Dieser lässt sich mit einem ausgeklügelten Rechensystem ermitteln.
Norbert Lantschner verfolgt die Entwicklung des Projektes KlimaHaus/CasaClima mit Genugtuung. Schliesslich war er es, der 2002 als damaliger Direktor des Amtes für Luft und Lärm der Autonomen Provinz Bozen (Italien) die Initiative dazu ergriffen hatte. "Wir kamen zur richtigen Zeit mit dem richtigen Thema" meint der heutige Direktor der Südtiroler KlimaHaus Agentur. "Wir waren unter den ersten, die die europäische Gebäuderichtlinie umsetzten", erklärt Lantschner weiter. Heute seien sie mit ihrem Standard ein internationaler Referenzpunkt.
Dabei hatte das Projekt eher unspektakulär begonnen: Das öffentliche Amt konnte einzelne Bauherren davon überzeugen, ihren Neubau einem Zertifizierungsprozess zu unterziehen. Als Grundlage für die Ausstellung des Energieausweises diente nicht wie üblich nur eine bauphysikalische Bewertung, sondern erstmals in Südtirol stellte eine unabhängige Stelle mittels genauer Kontrollen während der Bauphase sicher, dass der effektive Energiebedarf mit dem berechneten Wert übereinstimmte.
Entscheidend für den Erfolg des Projektes war die freiwillige Umsetzung der KlimaHaus-Vorgaben durch die Bevölkerung. Das positive Image, das von einem zertifizierten KlimaHaus ausging, reichte aus, um die Bauherren von einer energiesparenden Bauweise zu überzeugen. Weder finanzielle Anreize durch die öffentliche Verwaltung noch Rechtsnormen waren notwendig, um das Projekt erfolgreich voranzutreiben.


Ein win-win-Projekt
Von den positiven Auswirkungen eines KlimaHauses profitieren letztlich alle beteiligten Akteure und Akteurinnen. Die Bauherrschaft bzw. Bewohnerinnen und Bewohner erreichen einen direkten Imagegewinn, profitieren von der Energieeinsparung und den geringeren Heizkosten sowie von der Wertsteigerung der zertifizierten Immobilie. Die Planerinnen und Bauausführenden erfahren höhere Zufriedenheit der Kunden durch die gesteigerte Energieeffizienz und die Umwelt profitiert durch einen verminderten Ausstoss von schädlichen Treibhausgasen. Diese Verbindung von behaglichem Wohnen und Energieeinsparung macht das neue Label zu einem so genannten win-win-Projekt.
Daneben erfährt das Projekt Breitenwirkung durch den praxisnahen Lösungsansatz, den KlimaHaus verfolgt. Da weder Baustil noch andere einschränkende Bedingungen vorgegeben sind, lässt sich der KlimaHaus-Standard überall anwenden. Jede architektonische Ausformung ist möglich; vom traditionellen Bauernhaus bis zum modernen Bürokomplex kann jedes Gebäude in einer der drei KlimaHaus-Energieklassen errichtet werden.

Energiesparen medial inszeniert
Wichtig für den Erfolg und Kern von KlimaHaus ist die Kommunikation nach aussen. Die komplexe Materie der Energieeffizienz wird konsumentenfreundlich aufgearbeitet, indem das Energieniveau der Gebäude mit einfachen grafischen Darstellungen, die an jene der elektrischen Haushaltsgeräte anlehnen, verständlich gemacht wird. Innovativ ist auch die mediale "Inszenierung" des Energiesparens und des Labels. Plaketten, die an der Hausfassade angebracht werden, sind Werbeschilder für KlimaHäuser. Sie unterstreichen die optimierte Energieeffizienz eines Gebäudes und verstärken das positive Image eines KlimaHauses, wodurch der Weg für Nachahmungen geebnet wird.
Darüber hinaus werden jedes Jahr im Rahmen eines Wettbewerbs die energetisch und ökologisch besten KlimaHäuser ausgezeichnet. Dieses prämierende System erhöhte von Anfang an die Akzeptanz in der Bevölkerung und erleichterte die Einführung von rechtlich verbindlichen Energieklassen in Südtiroler Gemeinden.


Über 1'000 KlimaHäuser
Bisher wurden über 1'000 Gebäude im KlimaHaus-Standard zertifiziert. Zusammen sparen diese jährlich rund 6'000 Tonnen CO2 ein. Neben diesem positiven Effekt des Klimaschutzes hat das Projekt auch eine konkrete volkswirtschaftliche Dimension erreicht. Die Zertifizierung liefert dem lokalen Handwerk und der Bauwirtschaft neue Impulse, die einem Wettbewerbsvorsprung gleich kommen. Auch die jährlich wachsende internationale "Klimahouse"-Messe in Bozen, die mittlerweile auch in Rom abgehalten wird, bezeugt den steigenden Stellenwert der Thematik innerhalb der nationalen Bauwirtschaft.
Die KlimaHaus-Zertifizierung konnte sich nicht nur lokal innerhalb weniger Jahre durchsetzten, sondern erfährt auf dem ganzen italienischen Staatsgebiet grossen Zuspruch. Da es in Italien noch keine einheitliche nationale Regelung zur Gebäudezertifizierung gibt, bewegen sich viele Gemeinden und Provinzen auf das Südtiroler Modell zu. Viele öffentliche Verwaltungen möchten das Energieniveau von Gebäuden ebenfalls durch eine unabhängige lokale KlimaHaus Agentur bestätigen und die Bauten während der einzelnen Baufortschritte kontrollieren lassen. Die norditalienische Provinz Udine sowie die Provinz Florenz haben beispielsweise schon KlimaHaus Agenturen nach dem Südtiroler Vorbild gegründet.
Auch im Ausland fällt das Modell auf fruchtbaren Boden. In Europa, aber auch in Südamerika werden die Entwicklungen von KlimaHaus aufmerksam verfolgt. Viele Interessenten zeigen sich beeindruckt, wie unter der Federführung der öffentlichen Verwaltung das Bewusstsein für die Reduzierung von CO2 im Gebäudesektor in weiten Teilen der Bevölkerung verankert werden konnte. KlimaHaus/CasaClima hat als Pilotprojekt somit aufgezeigt, was im lokalen Klimaschutz alles möglich ist.
www.klimahausagentur.it