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Viele Arbeitsplätze, grosse Wertschöpfung und gut fürs Klima - Thermische Sanierung des Gebäudeparks

CIPRA Info rote Fassade

Gute Gebäudesanierungen verlangen nach Facharbeitern. Jede in den Gebäudebestand investierte Milliarde Euro sichert oder schafft rund 25’000 Arbeitsplätze. © CIPRA International

Am meisten Heizenergie kann nicht bei Neubauten eingespart werden, sondern mit der - thermisch intelligenten - Sanierung von Altbauten. Deshalb sollte die Sanierungsrate im Sinne des Klimaschutzes gesteigert werden. Sozusagen als Nebeneffekt wird die heimische Wirtschaft angekurbelt.
Der durchschnittliche Heizenergie-bedarf von Gebäuden in Mitteleuropa liegt bei über 200 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Ein Gebäude hat eine Lebensdauer von hundert oder mehr Jahren. Hier liegt ein riesiges Energiesparpotenzial: Wenn solche Bauten saniert werden, kann der Heizenergieverbrauch relativ einfach um 50 bis 80 Prozent gesenkt werden. Eine ganze Reihe bereits realisierter so genannter Faktor-10-Sanierungen zeigt, wie sich der Heizenergieverbrauch von Altbauten gar um 90 Prozent reduzieren lässt. Viel zu oft werden Aussenwände, Dächer, Fenster oder Heizungsanlagen erst dann erneuert, wenn Verfall droht oder sich die Gesetzeslage verschärft.

Heizkosten runter, Wohnkomfort und Gebäudewert rauf
Die EU-Richtlinie zur Energieeffizienz verlangt, dass die Energieeffizienz von Gebäuden in Energieausweisen dokumentiert wird. Dadurch soll mehr Transparenz am Immobilienmarkt geschaffen werden; die Mieter oder Käuferinnen von Wohnungen, Büros etc. können rasch ersehen, in welcher Höhe ungefähr Heizkosten anfallen werden. Bei den steigenden Energiepreisen werden thermisch schlechte Gebäude für immer mehr Menschen schlicht unbezahlbar. Die Sanierung bringt aber nicht nur dem Mieter eine deutliche Senkung der Nebenkosten, sondern auch der Hausbesitzerin eine Wertsteigerung der Immobilie. Gerade dort, wo Sanierungen sowieso anstehen, sind Massnahmen zur Energieeffizienz-Steigerung fast immer wirtschaftlich sinnvoll. Auch bei kaum gedämmten Altbauten, wie sie insbesondere zwischen dem Zweiten Weltkrieg und Ende der 70er Jahre gebaut wurden, zahlen sich solche Massnahmen sehr schnell aus.
Fehlende Wärmedämmung, ineffiziente Heizung und Warmwasseraufbereitung können ansonsten die Nebenkosten in astronomische Höhen treiben. Viele Sanierungsmassnahmen sparen letztlich nicht nur Heizenergie und -kosten, sondern erhöhen auch den Wohnkomfort.


Einsparungen grossstädtischen Ausmasses möglich
Etwa zwei Drittel des von Menschen verursachten Treibhauseffekts ist auf den Ausstoss von Kohlendioxid zurückzuführen. Würden während der nächsten fünf Jahre jährlich vier Prozent der schätzungsweise 5,5 Millionen Wohnungen im Alpenraum energetisch intelligent saniert und auf erneuerbare Heizenergieträger wie Holz umgerüstet, so liessen sich gemäss einer Schätzung der Internationalen Alpenschutzkommission CIPRA im Jahr 2014 bereits rund 6,5 Millionen Tonnen CO2 einsparen - dies entspricht beinahe dem jährlichen CO2-Ausstoss einer Grossstadt wie Turin.
Leider liegt die jährliche Sanierungs-rate heute eher bei einem Prozent. Deren Steigerung bei gleichzeitiger konsequenter Anwendung der vorhandenen Möglichkeiten im Bereich energe-tischer Sanierungen wäre eines der wirksamsten Mittel, den Klimawandel zubremsen.


Medizin für die Wirtschaft
Viele Staaten räumen thermischen Sanierungen von Altbauten in ihren Klimaschutzprogrammen eine hohe Priorität ein - und dies nicht nur wegen dem gewaltigen CO2-Einsparpotenzial. Gemäss der Deutschen Bundesregierung sichert oder schafft jede in den Gebäudebestand investierte Milliarde Euro rund 25'000 Arbeitsplätze. In Deutschland könnten durch die Ausschöpfung des geschätzten Investitionsbedarfs von 30 bis 40 Milliarden Euro über einen längeren Zeitraum jährlich Zehntausende von Arbeitsplätzen gesichert und neu geschaffen werden; Gebäudesanierung gilt als ein besonders nachhaltiges Wachstumsprogramm für kleinere und mittelständische Handwerksunternehmen.
Wenn dank Sanierungen der Bedarf an Heizöl und Erdgas massiv sinkt, so können zudem jährlich zig Milliarden Euro in den Alpenländern verbleiben, welche heute in die Ölstaaten im Nahen Osten oder nach Russland abfliessen. ?