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Ein Pflästerli für die Gletscher

Der heisse Sommer 2003 brachte das Schmelzwasserfass zum Überlaufen und die Österreicher auf den Gletscher. MitarbeiterInnen einer Tiroler Arbeitsgruppe deckten damals erstmalig knapp 10 % ihrer Pistenflächen mit einer Folie ab, um eine 1,5 m dicke Gletschersubstanz zu erhalten.
Red. Die Abdecktechnik findet auch in der Schweiz Anwendung. Die MitarbeiterInnen der Weissen Arena in Graubünden deckten über Sommer eine steile Partie beim Ausstieg des Gletscherliftes und eine ganze Halfpipe mit einer Vliesabdeckung der Firma Landolt AG ab. Auch andere Tourismusregionen in den Alpen sind bemüht, ihre Schnee- und Gletscherreste für die TouristInnen zu erhalten. Sogar als Werbeträger würden sie die Folien gerne verwenden.
Zur Gletscherabdeckung werden meist Vliese verwendet. Während Folien keine Atmung zulassen, sind die zweilagigen Verbundvliese atmungsaktiv und leicht wasserdurchlässig. Sie schützen vor Wärmeeinstrahlung und UV-Strahlen und verhindern so die Schnee- und Gletscherschmelze. Die Bahnen wiegen 320 Gramm pro Quadratmeter und werden in 5 m Breite und 150 m Länge geliefert und zu entsprechenden Abdeckflächen von bis zu 100'000 m2 verschweisst.
Aus Sicht der Umweltschutzorganisationen ist das alles aber keine Lösung. Mit der "Pflästerli-Politik" ist dem Problem Gletscherschwund nicht beizukommen - zu viele Fragen, auf die es noch keine Antworten gibt: Wie sieht das mit der Baubewilligung in stark und wenig erschlossenen Berggebieten aus? Wie stark wird in das Landschaftsbild eingegriffen? Was passiert unter der Abdeckung mit der Gletscherflora und -fauna? Was passiert mit den Abdeckungen, wenn sie auf dem Gletscher belassen werden? Und wie lange noch können die Bergbahnbetreiber den Klimawandel unter Folien verstecken?