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Medienmitteilung

Alpenflüsse im Betonkorsett

An der Salzach in Österreich wird das nunmehr achte Wasserkraftwerk gebaut. Die stetige Zubetonierung des längsten und wasserreichsten Nebenflusses der Inn ist nur ein Beispiel unter vielen: Mit dem Ruf nach erneuerbaren Energien im Namen des Klimaschutzes nimmt auch der Druck auf die letzten unverbauten Alpenflüsse zu. Anstatt neue Kraftwerke zu bauen, sollen die bestehenden naturverträglich modernisiert werden, fordert die Internationale Alpenschutzkommission CIPRA.

Ungestüm drängt sich das Wasser der Salzach zwischen ruppigen Felsbildungen hindurch. An die Flussufer grenzen dichte Auenwälder, die eine Vielfalt an Tieren und Pflanzen beheimaten, wie sie in Mitteleuropa selten mehr zu finden sind. Äschen, Forellen und Saiblinge tummeln sich an diesem Streckenabschnitt oberhalb von Salzburg im längsten und wasserreichsten Nebenfluss des Inn. Noch. Schon bald wird das Bild ein anderes sein: Auch hier soll die Salzach in ein künstliches Bett gezwängt werden und der Energiegewinnung dienen. Das geplante Wasserkraftwerk Stegenwald ist das achte Kraftwerk innerhalb einer 41 Kilometer langen Strecke. Damit verliert einer der grössten Alpenflüsse ein letztes unberührtes Stück Natur und es geht eine der wertvollsten Fischstrecken der 225 Kilometer langen Salzach zu Grunde.
Die Zubetonierung der Salzach durch Wasserkraftwerke ist kein Einzelfall. Erneuerbare Energien stehen – da CO2-neutral – in Zeiten des Klimawandels hoch im Kurs. Alpenweit nimmt der Druck auf die letzten unverbauten Flüsse zu. Eine Entwicklung, die die Internationale Alpenschutzkommission CIPRA mit Sorge beobachtet.

Energiesparen ist das Gebot der Stunde
«Die Grundsätze einer vernünftigen Energiepolitik werden mit stetigen Neuerschliessungen von Wasserkraftwerken auf den Kopf gestellt», sagt Andreas Götz, Geschäftsführer von CIPRA International. Anstatt das Energiesparen in den Vordergrund zu stellen, wird der Fokus auf die Erzeugung von noch mehr Strom aus Wasserkraft gelegt. Die Mehrproduktion führt unweigerlich zu einer Steigerung des Verbrauchs. Hinzu kommt, dass gerade in Zeiten des höchsten Energiebedarfs, im Winter, die alpinen Flüsse zu wenig Wasser für eine gesicherte Stromversorgung führen. Es braucht dann zusätzliche fossile Energie – und die Abhängigkeit davon ist damit nicht geringer, sondern steigt.
«Naturschutz und Klimaschutz dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden», so Andreas Götz. Anstatt die letzten unverbauten Flüsse zu zubetonieren, müssen die bestehenden Wasserkraftwerke auf naturverträgliche Art saniert werden. Eine Modernisierung der Anlagen kann zu einer Verdreifachung der Stromproduktion führen und die Begleitmassnahmen können sogar die ökologische Situation rund um das Kraftwerk verbessern. Die CIPRA hat die Zusammenhänge von Naturschutz und Klimawandel im Rahmen des Klimaprojektes cc.alps zusammen mit WissenschaftlerInnen aufgearbeitet, dokumentiert und bewertet. (siehe Kasten). Letztlich reicht die Effizienzsteigerung allein nicht aus. «Wenn wir die Erderwärmung eindämmen wollen», betont Andreas Götz, «ist Effizienzsteigerung wichtig, aber nicht ausreichend: Wir müssen unseren Energiekonsum reduzieren.»

Rückfragen bitte an:
Barbara Wülser, Kommunikationsverantwortliche CIPRA International
+423 237 53 53, E-Mail

Informationen über das Klimaprojekt cc.alps:
www.cipra.org/cc.alps

Good-Practice-Beispiele aus dem Klimaprojekt cc.alps:
www.cipra.org/de/cc.alps/ergebnisse/good-practice

 

Beispiele für umstrittene Kraftwerkprojekte in den Alpen:

Österreich

-Salzach: Zwischen Werfen und Golling entsteht das achte Wasserkraftwerk innerhalb von 41 Kilometern. Seitens des Umweltlandrates und des Gewässerschutzes wurde bereits grünes Licht für den Kraftwerksbau Stegenwald gegeben. Voraussichtlicher Baubeginn ist im Herbst 2010.

Informationen: CIPRA Österreich, E-Mail, Telefon: +43 1 401 13 36     


Schweiz

Es gibt viele aktuelle Kraftwerkprojekte in der Schweiz die infolge entsprechender Einspeisevergütung (KEV) realisiert werden sollen. Folgende Beispiele haben negative Auswirkungen auf die Natur (unverbaute Flüsse sind betroffen, Standorte liegen teils in Schutzgebieten, Restwassermengen werden nicht eingehalten):

- Gletsch-Oberwald/VS
- Walibach/VS
- Kraftwerk Berschnerbach/SG
- Kraftwerk Fermelbach/BE
- Kraftwerk Kummenbord/VS

Informationen: CIPRA Schweiz, E-Mail, Telefon: +41 33 822 55 82

Slowenien

- Učja: Dieses Wasserkraftwerk soll bis 2015 gebaut werden. Ein Staudamm in der Höhe von 85 Metern wird einen See von fast 4 Millionen Kubikmetern schaffen. Die jährliche Durchschnittsproduktion liegt bei 35 GWh.
- Idrija und Trebuša: an diesen Flüssen sind mehrere Kraftwerke bis 2023 geplant, mit einer Gesamtleistung von 200 GWh pro Jahr.
- Soča: Bis 2025 sind zwei Wasserkraftwerke, Kobarid und Kamno, mit einer Gesamtleistung von 268GWh pro Jahr geplant.

Informationen: CIPRA Slowenien, E-Mail, Telefon: +386 59 071 322     


Deutschland

- Lech: in der letzten freifliessenden Strecke südlich von Augsburg existieren Planungen, im Naturschutzgebiet und Natura 2000-Gebiet, an bestehenden Wehren Turbinen einzubauen.
- Ammer: Zwischen Oberammergau und dem Ammersee. Einer der letzten Nordalpenflüsse, der ohne Speicher und Grosswasserkraft von der Quelle bis zur Mündung in einen Voralpensee fliesst. Es lie-gen mehrere Anträge für neue Wasserkraftanlagen vor. Es gibt zudem ein WWF-Projekt für eine Renaturierung (www.wwf.de/ammer).

Informationen: CIPRA Deutschland, E-Mail, Telefon: +49 831 52 09 501

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