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Wirtschaftliche Ressourcen

Vorarlberg/AT © CIPRA International

Arbeit(en) mit Zukunft

Ländliche Regionen und Berggebiete sind traditionell geprägt von landwirtschaftlicher Arbeit und Dienstleistungsberufen im Tourismus, Sozial- und Bildungsbereich. Die zunehmende Digitalisierung und Segmentierung der Wirtschaft verstärken die Unterschiede zwischen Zentren und Peripherie. Um als Arbeits- und Wohnorte attraktiv zu sein, dürfen es periphere Regionen nicht einfach den Zentren gleichtun. Anstatt auf Wachstum können sie auf Arbeits- und Lebensqualität setzen und neue Wege erproben. Gerade die junge Generation steht für flexible, kombinierte Arbeitsmodelle. Sie fordert Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, mehrere Tätigkeiten parallel auszuüben und Familie, Haushalt und Arbeit miteinander zu vereinbaren. Auch für Freizeit, persönliche Interessen und ehrenamtliche Tätigkeiten muss Zeit sein.

Handwerk als Perspektive

Die Nachfrage nach handwerklichen Erzeugnissen steigt. Die Kunden kommen vor allem aus den Zentren und aus dem Ausland und sind auf der Suche nach qualitativ hochwertigen Nischenprodukten. Handwerk aus ländlichen Alpenregionen wird als authentisch wertgeschätzt und schafft Identifikation – mit den ProduzentInnen wie auch mit den Produkten. Doch das Handwerk steckt in der Krise. Die Zahl der im Handwerk Arbeitenden nimmt in allen Alpenländern ab. In der Schweiz galten 2011 von 307 erfassten traditionellen Handwerksberufen 170 als gefährdet und 23 als ausgestorben. Die grösste Herausforderung stellt die Nachfolge dar. In Österreich hat die Anzahl der Lehrlinge im Gewerbe und im Handwerk seit der Jahrtausendwende um 25 Prozent abgenommen. Die Gründe liegen nicht nur bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Der Wert, der handwerklichen Berufen in unserer Gesellschaft zugeschrieben wird, hat abgenommen. Die Vorteile, die handwerkliche Arbeit mit sich bringt, müssen besser kommuniziert werden. So bietet Handwerk etwa alle Vorteile eines flexiblen Arbeitsmodells und die Möglichkeit, zu Hause zu arbeiten.

Neue Arbeitsmodelle

Wie Handwerk ist auch die Landwirtschaft eine Branche, die auf sozialen Beziehungen und intergenerationeller Zusammenarbeit aufbaut. Perspektiven bieten Formen der solidarischen Landwirtschaft, die Gründung von Kooperationen und Genossenschaften. BergbäuerInnen können ihre Interessen gemeinsam vertreten. Entscheidungen, Profit und Risiko werden geteilt. Die Kombination landwirtschaftlicher Arbeit mit anderen Tätigkeiten kann so erleichtert, die Abhängigkeit von landwirtschaftlichem Einkommen reduziert werden. Möglichkeiten bietet auch die Veredelung und Vermarktung hochwertiger landwirtschaftlicher Produkte und die Kombination landwirtschaftlicher Arbeit mit touristischen Angeboten in der Region.

Die Synergien von Landwirtschaft, Handwerk und Tourismus in den Alpen sind vielfältig. Die Möglichkeiten multifunktionaler und multilokaler Wirtschaftsweisen sind noch lange nicht ausgeschöpft. Co-Working-Spaces, gerade noch der Inbegriff urbanen Lifestyles, feiern heute auch in ländlichen Alpenregionen Erfolgsgeschichten. Ein Umfeld, das flexible Arbeitszeiten, Austausch, Networking und geteilte Kosten ermöglicht, ist in abgelegenen Regionen nicht weniger gefragt als in Ballungsräumen.

 

Quellen und weitere Informationen:

Interaktive Präsentation