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Olympische Agenda 2020

© wwwupertal/ flickr.com, edited

Das Image der Olympischen Spiele hat in den letzten Jahren gelitten: massive Budgetüberschreitungen, Umweltzerstörung und soziale Ungerechtigkeiten führten zu weltweiter Kritik. Als Reaktion kündigte das Internationale Olympische Komitee (IOC) zukunftsweisende Veränderungen durch die «Agenda 2020» an. Doch die Reform hält nicht, was sie verspricht.

Für die Austragung der Olympischen Winterspiele 2022 verblieben schlussendlich nur zwei Kandidaten von neun: die Diktaturen Kasachstan und Peking. In Graubünden, München, Krakau Barcelona, Stockholm und Oslo wurde aufgrund des Widerstands in der Bevölkerung oder aus Kostengründen auf die Bewerbung verzichtet. Das IOC reagierte auf dieses kritische Echo und kündigte zukunftsweisende Reformen an, die «Olympische Agenda 2020». Die Spiele sollten transparenter und nachhaltiger werden und weniger Kosten verursachen. Das Ergebnis waren 40 Empfehlungen, die am 8. und 9. Dezember 2014 einstimmig vom IOC in Monaco verabschiedet wurden.

Nachhaltigkeit in allen Aspekten

In den Empfehlungen 4 und 5 der Agenda 2020 wird das Wort Nachhaltigkeit zehn Mal erwähnt. Der Gastgeber der Olympischen Spiele soll eine Nachhaltigkeitsstrategie ausarbeiten und Nachhaltigkeitsmassnahmen umsetzen. Wie genau diese Massnahmen aussehen, welche Standards eingehalten werden müssen und was eine Strategie beinhaltet, bleibt offen. Die Empfehlungen sind sehr allgemein formuliert, aber ansprechend zu lesen: Die Transparenz soll erhöht, Kosten sollen gesenkt und ethisches Verhalten soll gestärkt werden. Der Interpretationsspielraum bleibt gross. Grundlegende Änderungen der IOC-Strukturen und -Regelwerke sowie die Garantie von demokratischen Grundwerten in den Austragungsländern werden nach wie vor nicht diskutiert.

IOC Wahl entlarvt «Agenda 2020»

Ein Jahr nach der Verabschiedung der Reform entschied das IOC in einer geheimen Wahl, dass Peking die Olympischen Winterspiele 2022 austragen wird. Die Gegend um Peking gehört zu einer der niederschlagärmsten Regionen der Welt, in Yangqing, Austragungsort der alpinen Disziplinen, schneit es praktisch nie. Der flächendeckende Einsatz von Kunstschnee wird diesen Umstand ausgleichen und die Wasserknappheit in der Region noch verschärfen. Nur ein Bruchteil der Sportanlagen existiert bereits, für Olympia wird vieles neu gebaut. Die Kosten werden entsprechend hoch und die Eingriffe in die Natur enorm sein. Die kasachische Bewerberstadt Almaty besass bereits acht von 14 geforderten Sportstätten, die sich zudem in 30 Kilometer Entfernung befinden. Vor allem gab es ein schlagkräftiges Argument für Almaty: Schnee. Doch die älteren, bereits gebrauchten Stadien kamen nicht gegen die Aussicht auf neue olympische Prachtbauten in Peking an. Ein ernst gemeintes Zeichen in Richtung Nachhaltigkeit sieht anders aus.

 

Quellen und weitere Informationen

www.nolympia.de/2014/11/40-empfehlungen-wie-das-ioc-seinen-geschaeftsumfeld-erweitern-will

www.olympia-2026.ch

www.sueddeutsche.de/sport/ioc-gipfel-in-monte-carlo-alles-huebsch-inszeniert-1.2259631

www.sueddeutsche.de/sport/olympische-winterspiele-wenigstens-schneits-in-almaty-1.2587183

www.dosb.de/fileadmin/Bilder_allgemein/Veranstaltungen/Olympische_Spiele/Dokumente/Olympische_Agenda_2020_20-20_Empfehlungen_22012014.pdf