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Zehn Argumente gegen Olympische Winterspiele in den Alpen

1.    Illusorische Versprechungen

© Sylvia Hamberger, Gesellschaft für ökologische Forschung.

«Schnee-weiss» und nachhaltig «grün» sollen die Winterspiele sein. Heutzutage und erst recht in Zukunft sind sie aber durch die Klimaerwärmung «braun». Verlockende Versprechungen stehen bei jeder Kandidatur im Vordergrund, werden aber nie eingehalten. Olympische Winterspiele sind heute kein völkerverbindendes Sportereignis, sondern ein grosses Geschäft für die Geldmaschine Internationales Olympisches Komitee (IOC).

2.    Olympisches Strohfeuer

Die Erwartungen an die Wirtschaftlichkeit sind zu hoch. Kurzfristig führen die Milliardeninvestitionen zu einem Boom der Bauwirtschaft in den Austragungsorten. Zwar kann man kurz vor, während und kurz nach den Spielen viele Übernachtungen generieren. Doch die Erfahrungen zeigen, dass der Grossanlass mittel- und langfristig mehr wirtschaftliche Risiken als Chancen birgt. Keine einzige Studie kann nachweisen, dass die Spiele eine andauernde positive Wirtschaftsentwicklung für die durchführende Region bewirkten. Die Erfahrung zeigt, dass Olympische Spiele eher ein Strohfeuer sind und kein Treiber einer positiven Wirtschaftsentwicklung. Eine Steigerung der Lebenshaltungs- und Mietkosten begleitet Veranstaltungen dieser Art.
Bei der Weltmeisterschaft 2011 in Garmisch-Partenkirchen zum Beispiel zeigten sich viele Geschäftsleute enttäuscht. Die negativen Effekte der ungleich grösseren und länger dauernden Olympischen Spielen sind noch massiver. Nach Vancouver 2010 werden hohe Schulden durch die öffentliche Hand über Jahre zurückbezahlt.

3.    Zu gross für den begrenzten Raum in den Alpen

Es gibt keine Olympischen Winterspiele, die in die Alpen passen. Es steht bei Einreichen der Kandidatur nicht fest, welche und  wie viele Wettbewerbe durchgeführt werden. In den letzten Jahren ist die Anzahl an Disziplinen, Athleten, Medienleuten, Volontären, Zuschauern sowie IOC-Betreuenden, -Sponsoren und -Gästen bei den Wettkämpfen stets gewachsen.
Die Aufblähung der Spiele mit immer mehr Wettbewerben zeigt deutlich, dass die Gebirgsorte und die Gebirgstäler mit der Ausrichtung der Spiele überfordert wären.

4.    Unrealistische Planungen

Die Planungen werden im Vorfeld übertrieben positiv dargestellt. Es fehlen detaillierte Unterlagen. In der Bewerbung München 2018 zeigte sich, dass alle Versprechungen, die im Vorfeld gemacht wurden, bei der Konkretisierung der Bewerbung nicht mehr galten. In Garmisch wurden Grundeigentümer unter Druck gesetzt, damit sie ihre Grundstücke zur Verfügung stellen. Zeitweise wurde mit Enteignung gedroht. Auch die Angabe, dass 84 Prozent der Anlagen bereits vorhanden seien, hielten keiner Überprüfung stand.

5.    Zu teuer und zu riskant

© Komitee Olympiakritisches Graubünden

Die Kosten sind gigantisch: Für die Kandidatur von St. Moritz für Olympische Winterspiele in 2022 wurden für Organisation und Durchführung 2,8 Milliarden Franken veranschlagt, für Infrastrukturen 1,6 Mrd. Franken. Die Gewinne aus Fernseh- und Sponsoreneinnahmen kassiert das steuerbefreite IOC, das Defizit müssten Bund und Kanton übernehmen. Noch nicht ausgewiesen sind die Sicherheitskosten.
Die wahren Durchführungs- und Infrastrukturkosten der Olympischen Winterspiele erfährt man immer erst nach den Spielen; sie sind mindestens drei Mal höher als geplant. Allein während der Abstimmungsphase für die Kandidatur von «St. Moritz 2022» stiegen die geplanten Bewerbungskosten von 36 auf 60 Millionen Franken. Für die Sicherheit des Sportanlasses in Graubünden wurden nur 250 Mio. Franken budgetiert, was nie genügt hätte. In Vancouver 2010 betrugen allein die Sicherheitskosten 900 Millionen Dollar – fünf Mal so viel wie budgetiert.

6.    Das IOC ist kein fairer Partner

Das IOC raubt den Gemeinden mit seinem Host-City-Vertrag jegliche Selbstbestimmung. Die willkürliche Zuweisung aller Risiken und Pflichten an die Austragungsorte und aller Rechte an das IOC stösst auch in der Bevölkerung der betroffenen Regionen zunehmend auf Ablehnung.
Wenn eine Kandidatur den Zuschlag bekommt, dann nimmt das IOC das Zepter in die Hand. Es regelt mit den Austragungsorten einseitig die Geschäftsbedingungen für die Vergabe der Olympischen Winterspiele – bis ins Detail. Es gibt keine verbindlichen Zusagen des IOC, dass an den Entscheidungsgrundlagen, auf deinen eine Volksabstimmung basiert, nichts mehr geändert wird.

7.    Verschärfung der wirtschaftlichen Probleme

Wenn Olympia als Mittel für die Tourismusentwicklung einer Alpenregion angepriesen wird, zeugt dies von einer unsorgfältigen Analyse oder von kurzfristigem Gewinnstreben. In einer ehrlichen Kosten-Nutzen-Rechnung fällt Olympia aus Sicht der Steuerzahlenden nämlich klar durch. Olympia setzt mit dem Wintersport auf den falschen Markt und privilegiert werbetechnisch mit Wintertourismusorten einseitig die bereits bekannten Destinationen im Alpenraum. Der Megaevent ist aber auch der falsche Imageträger für den existierenden Schneesport im Alpenraum. Zudem schafft Olympia Überkapazitäten in der Beherbergungsbranche, generiert keine wiederkehrende neue Nachfrage und treibt die Bodenpreise weiter hoch.

8.    Nicht nachhaltig

Viele Bauten werden nur temporär gebraucht und nach den Spielen zum Teil abgebrochen. Immer wieder stehen Ruinen defizitär in der Landschaft – allen Beteuerungen zum Trotz, dass möglichst bestehende Sportinfrastrukturen genutzt würden. Verkehr, Sicherheit und Beherbergung bringen Alpentäler an ihre Grenzen. Olympische Winterspiele sind nicht nachhaltig: Dem langfristig geringen wirtschaftlichen Nutzen stehen eine hohe Schuldenlast für die öffentliche Hand und eine schwer wiegende ökologische Belastung gegenüber.

9.    Eingriffe in Natur und Landschaft

Zum Thema Umwelt und Nachhaltigkeit finden sich im über 60-seitigen Host-City-Vertrag nur acht Zeilen. In den Machbarkeitsbeurteilungen fehlen konkrete Massnahmen jeweils ganz. Bei einem solchen Massenanlass mit über 100'000 Tagesgästen und einem gigantischen Bauprogramm von mehreren Milliarden Euro oder Franken sind jedoch Eingriffe in die Natur und Landschaft unvermeidlich. Der Energie- und Raumbedarf sowie die Anlagen für die Kunstschneeaufbereitung sind gigantisch. Zehn Jahre intensive Bauerei erhöhen die Umwelt-, Luft- und Lärmbelastung im sensiblen Alpenraum.

10. Klimawandel treibt das Rad an

Immer wärmere und wechselhaftere Winter zeigen, dass die Zeit für so grosse, schneegebundene Freilandevents zu Ende geht. Alle Ski- und Snowboard-Wettbewerbe, alle nordischen und alle Biathlon-Wettbewerbe brauchen inzwischen zwingend Kunstschnee, mit allen damit einhergehenden Infrastrukturen und Auswirkungen auf die Umwelt. Sind Olympische Winterspiele diesen Preis wirklich wert?

Quellen:
Zusammengefasst von Stefan Grass aus Beiträgen
von SP-Nationalrätin Silva Semadeni:
www.olympia-nein.ch/go/argumente/kritik.php

von Jon Pult, Präsident der SP Graubünden:
www.olympia-nein.ch/go/argumente/spgr.php

Zusammengefasst von Axel Doering aus Beiträgen des Redaktionsteams von Nolympia: Silvia Hamberger und Wolfgang Zängl, Gesellschaft für ökologische Forschung; Axel Doering und Andreas Keller, Bund Naturschutz; Thomas Pampuch, Journalist:
www.nolympia.de/grunde-gegen-olympia-2018