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Dossier

Leben mit Grossraubtieren in den Alpen

Die Rückkehr von Bär, Wolf und Luchs ist für die Alpen nicht die grösste, aber eine sehr heftig diskutierte Herausforderung. Der Pegel der Emotionen steht in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Vorkommen an Grossraubtieren und die durch sie verursachten Schäden an Nutztieren. Eine Minderheit – vor allem NutztierhalterInnen, JägerInnen und NaturschützerInnen – dominiert das Thema. Die PolitikerInnen stellen ihre Fahnen in den Wind. Es braucht Aufklärung und eine Entflechtung der emotionalen von der sachlichen Ebene.

Wissenswertes rund um Grossraubtiere in den Alpen

Der Bär (Ursus arctos)

© Ruth Rudolph / pixelio.de

Bären brauchen intakte Lebensräume wie Laubwälder, wo sie genügend Samen, Beeren und Fallobst finden. Sie ernähren sich zu 70 Prozent vegetarisch. Darüber hinaus fressen sie Aas und wenige Nutztiere. Sie sind grundsätzlich menschenscheu, verlieren ihre Scheu aber, wenn sie gefüttert oder von leicht zugänglichen Nahrungsquellen wie Mülltonnen oder Bienenhäusern angelockt werden. Übergriffe auf Menschen kann es geben, wenn sie überrascht werden, wenn sie ihre Jungen verteidigen, beim Fressen oder wenn ein Hund anwesend ist. Durch richtiges Verhalten können die Risiken minimiert werden.

In den Alpen werden 50 bis 60 Bären vermutet, die meisten in isolierten Populationen in den Ostalpen. In Trentino/I wurde der Bestand zwischen 1999 bis 2002 mit Tieren aus Slowenien aufgestockt. Ab und zu wandert ein einzelner männlicher Jungbär Richtung Zentralalpen. Bis die Weibchen wandern und sich anderswo Populationen bilden, kann es Jahrzehnte dauern. Damit gilt der Bär nach wie vor als gefährdete Spezies.

Der Wolf (Canis lupus)

© paukereks / pixelio.de

Wölfe leben in den Alpen in Rudeln von zwei bis sechs Tieren. Normalerweise wird nur das Alpha-Weibchen gedeckt. Reguliert der Mensch die Population unsachgemäss, so wird die natürliche «Familienstruktur» zerstört und die Fortpflanzungsbalance gerät aus dem Gleichgewicht. Im Gegensatz zum Menschen jagen Wölfe vorwiegend kranke und alte Wildtiere und wenige Jungtiere. Damit leisten sie einen Beitrag, die Wildfauna im Gleichgewicht zu halten. Wo es genug Wild gibt und wo die Nutztiere geschützt sind, kommen letztere – betroffen sind vor allem Schafe – weniger in Bedrängnis. Eine Grössenordnung: Von den rund 200‘000 gesömmerten Schafen in der Schweiz fallen jährlich etwa 200 dem Wolf zum Opfer. Etwa 4‘000 kommen sonstwie zu Tode, durch Krankheit, Abstürze oder ähnliches. Zu einer Begegnung mit Menschen kommt es selten. Vorsicht ist geboten, wenn ein Hund dabei ist.

In den Alpen leben 350 bis 400 Wölfe, wovon 300 bis 350 in Rudeln in den Westalpen im Grenzgebiet zwischen Italien und Frankreich. Weitere je 10 bis 20 in den italienischen Ostalpen und in der Schweiz. Vor einigen Jahren hat sich in der Ostschweiz ein weiteres Rudel gebildet. In ganz Slowenien werden rund 50 Individuen vermutet. Das Überleben der Wölfe in den Alpen ist damit nicht gesichert.

Der Luchs (Lynx lynx)

© Stefan Heerdegen / pixelio.de

Luchse sind Einzelgänger und suchen Deckung und Ruhe. Sie leben in geschlossenen Waldgebieten und ernähren sich von Rehen und Gämsen sowie von kleinen Beute- und Nutztieren wie Vögel, Ziegen oder Kaninchen.

Mit rund 130 Tieren ist die Luchspopulationen in den Alpen stabil, aber nach wie vor bedroht; es bräuchte die doppelte Anzahl an Individuen. Mancherorts wurden Luchse wiederangesiedelt. Grosse, oft tödliche Hürden bei der Verbreitung sind Verkehrswege und andere Infrastrukturbarrieren.

Dokumente & Links:

Wo wär der Bär? — 3167Kb
Grafik aus dem CIPRA-Jahrebericht 2010
Abgänge / Verluste von Schafen während der Sömmerung — 885Kb
Bericht der Arbeitsgemeinschaft Alpwirtschaftliche Beratung, August 2012
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