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CIPRA Jahresfachtagung 2000

Alpentourismus Ökonomische Qualität – ökologische Qualität

Jahresfachtagung der CIPRA, 12.-14. Oktober 2000, Centro Servizi Culturali S.Chiara, Trient/I

Die CIPRA-Jahresfachtagung 2000 in Trento stellt die Frage, inwieweit die direkt Betroffenen vor Ort vom Tourismus profitieren und welche Formen sowohl umweltschonend und sozial verträglich sind als auch eine optimale Wertschöpfung für die ansässige Bevölkerung gewährleisten.

Im Alpenraum stehen 5 Millionen Touristenbetten zur Verfügung. Jedes Jahr nutzen 60 Millionen Menschen dieses Angebot, weitere kommen als Tagestouristen in die Alpen. Der Umsatz im Alpentourismus beträgt ungefähr 20 Milliarden Euro pro Jahr und macht damit ca. 5% des weltweiten touristischen Umsatzes aus. Seit einigen Jahren stagniert der Alpentourismus, in manchen Regionen ist bereits von einer wahrhaftigen Krise die Rede.

Wirtschaftliche Bedeutung für direkt Betroffene unklar

Die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus in den Alpen steht ausser Zweifel. Andererseits herrscht – auch bei den Tourismusanbietern – Übereinstimmung darüber, dass die ökologischen und sozialen Belastungen durch den Tourismus an manchen Orten die Grenzen der Nachhaltigkeit überschritten haben. Unzählige Veranstaltungen und Studien haben sich mit der Frage nach weniger schädlichen Formen des Tourismus beschäftigt: dem sogenannten "sanften" oder "nachhaltigen" Tourismus. Hingegen besteht wenig Klarheit darüber, welche wirtschaftliche Rolle der Tourismus in den Alpentälern in Wirklichkeit spielt. Vielerorts kommt der Eindruck auf, dass vom gesamten örtlichen Tourismusumsatz nur ein geringer Teil auch vor Ort Einkommen in Form von Arbeitsplätzen schafft und dadurch in der Tourismusregion Wohlstand bringt, während der Hauptteil des Umsatzes dazu bestimmt zu sein scheint, "Importe" aller Art zu unterstützen.

Wenn die Tourismuswirtschaft in einer Region direkt oder indirekt Arbeitsplätze schaffen und damit dazu beizutragen soll, der Bevölkerung ein Auskommen zu garantieren, so muss auch untersucht werden, auf welche Weise und mit welcher Effizienz der eingesetzten Mittel die heutigen Formen des touristischen Angebotes diese Wirkung haben. Eine solche Untersuchung ist noch wichtiger, wenn das betroffene Gebiet ökologisch besonders sensibel ist, wie dies bei den Alpen der Fall ist.

Die CIPRA ist der Auffassung, dass es im Alpenraum zwingend ist, Formen des touristischen Angebotes zu identifizieren, welche massvolle Auswirkungen auf die Umwelt haben und gleichzeitig für die betroffene Region die gewünschten wirtschaftlichen Effekte mit sich bringen.

Die internationale Tagung von Trento möchte deshalb sehr aufmerksam untersuchen, welche Auswirkungen der Tourismus auf die Regionalwirtschaft hat und setzt sich zum Ziel:

  • mittels Präsentation von Studien die Wertschöpfung aus dem touristischen Umsatz zu analysieren
  • die Formen des touristischen Angebotes zu identifizieren, welche die beste Einkommensverteilung vor Ort ermöglichen
  • die einträglichsten Investitionen und den rationellsten Einsatz von Ressourcen zur Entwicklung einer effizienten regionalen Tourismuswirtschaft zu identifizieren
  • das Potential und die geeignetsten Strategien zur Verbesserung der Effizienz der durch den Tourismus bewirkten Wirtschaftskreisläufe auszuwerten (welches sind die effektiven Möglichkeiten der Integration von Tourismus, Landwirtschaft, Handwerk und lokaler Wirtschaft, Energieversorgung mit lokalen Ressourcen, Organisation und Durchführung gemeinsamer Transporte, kulturelles Angebot,…)
  • die Möglichkeit zu untersuchen, die gleiche lokale Wertschöpfung mit weniger touristischem Umsatz, dafür aber mit einer verbesserten Einkommensverteilung zu erreichen

Programm

Donnerstag, 12. Oktober

18.30 Uhr Begrüssung und Einführung
Andreas Weissen, Präsident von CIPRA International
Willkommensgruss an die Teilnehmer von:
Lorenzo Dellai, Präsident der Autonomen Provinz Trento/I
Alberto Pacher, Bürgermeister von Trento/I
Iva Berasi, Umwelt-, Sport- und Gleichberechtigungsreferentin, Autonome Provinz Trento/I

19.00 Uhr Podiumsdiskussion
Aufwertung und Verwendung lokaler gastronomischer Produkte: ein Anreiz zu einem umweltverträglicheren Tourismus

unter Mitwirkung des italienischen Landwirtschaftsministers On. Alfonso Pecoraro Scanio und Vertretern der Produzentenvereinigung des Trentins.

Moderiert von Nereo Pederzolli, Journalist – Slow Food

Freitag 13. Oktober

08.45 Uhr Ökonomische Qualität, Ökologische Qualität – die Herausforderung des Alpentourismus
Helmuth Moroder, Vizepräsident der CIPRA International

09.30 Uhr Sozioökonomische und kulturelle Aspekte des Tourismus
Hildegard Loretan, Ethnologin, Schweiz

10.00 Uhr Die wirtschaftliche Rolle des Tourismus in den Alpen
Egon Smeral, WIFO, Wirtschaftsforschungsinstitut, Wien,/A

10.30 Uhr Tourismus und Wertschöpfung in einigen Alpenregionen Tirol, Österreich
Günther Lehar, Institut für Verkehr und Tourismus, Innsbruck/A

11.30 Uhr Aostatal, Italien
Mara Manente, Geschäftsführerin des CISET, Internationales Studien- und Forschungszentrum für Tourismuswirtschaft, Universität Ca’ Foscari, Venedig/I

12.00 Uhr Kanton Bern, Schweiz
Jürg Stettler, Leiter des Instituts für Tourismuswirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft Luzern/CH

12.30 Uhr Saint-Gervais, Frankreich
John Tuppen, Direktor des Geographischen Instituts, Universität Joseph Fourier Grenoble/F

14.30 Uhr Neue Wertschöpfung mit dem landschaftsorientierten Tourismus
Dominik Siegrist, Alpenbüro, Zürich/CH

15.00 Uhr Podiumdiskussion mit allen ReferentInnen und dem Publikum

17.00 Uhr Exkursionen zu den Weinkellern des Trentino

Samstag 14. Oktober

08.45 Uhr Das wirtschaftliche Ausmass des touristischen Phänomens im Trentino
Lorenzo Ziglio, Leiter Statistik-Dienst, Autonome Provinz Trento/I

09.15 Uhr Partnerschaften formen nachhaltige Regionalentwicklung im Bregenzerwald
Reinhard A. Lechner, Verantwortlicher Projekt "Natur und Leben Bregenzerwald", Österreich

09.30 Uhr Regionalwirtschaftliche Auswirkungen des Nationalparktourismus, Schweiz
Irène Knüpfer, Geographisches Institut der Universität Zürich/CH

09.45 Uhr Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte auf Alpenvereinshütten in den Chiemgauer Alpen (Bayern und Tirol)
Annette Mayer, Projektleiterin, Deutschland

10.00 Uhr Touristiker als Impuls für den Nationalpark Stilfser Joch, Südtirol
Dieter Popp, Futour Regionalberatung, München/D

10.15 Uhr Das "Patto territoriale" (Gebietsabkommen) im Val di Cembra. Eine Allianz zwischen Landwirtschaft und Tourismus
Walter Nicoletti, Journalist und Berater, Italien

11.00  Uhr Podiumsdiskussion: Welche Perspektiven hat der Tourismus im Trentino?
Marco Benedetti, Referent für Tourismus und Industrie, Autonome Provinz Trento
Iva Berasi, Referentin für Umwelt-, Sport- und Gleichberechtigung, Autonome Provinz Trento
Geremia Gios, Direktor Wirtschaftsdepartement,Universität Trento
Giorgio Rigo, Präsident von Italia Nostra Trentino
Italo Craffonara, Präsident der Provinz-Vereinigung Hoteliers Trentino

12.30 Uhr Schlussfolgerung der Tagung
Helmuth Moroder, Vizepräsident der CIPRA International

Konferenzsprachen: Deutsch, Französisch, Italienisch und Slowenisch (Simultanübersetzung).

Organisation: CIPRA Italia

Weiterführende Dokumente

  • Tagungsband 2000 Mehr