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CIPRA-Position zum Tourismus

Herr und Frau Meier fahren in die Alpen

Das Thema Tourismus fand bereits Erwähnung im ersten Arbeitsprogramm der CIPRA. Es wurde festgehalten, dass der Einfluss von Touristik und Fremdenverkehr auf die alpine Landschaft untersucht werden soll. Ab den 80er Jahren gewann der Bereich «Sanfter Tourismus» an Bedeutung.

Der aufkommende Massentourismus wurde in den 50er Jahren als Folge eines allgemeinen «Wachstumsfanatismus » gesehen. Eine Gefährdung der alpinen Landschaft wurde erkannt. Allerdings fand keine konkrete Umsetzung statt. Der verbal ausgetragene Kampf gegen die touristische Erschliessung war Teil eines Naturschutzdenkens, das die Beibehaltung eines Status quo in den Alpen forderte. So wurde in erster Linie gegen den Bau von Seilbahnen und sonstige Erschliessungsmassnahmen im alpinen Bereich gewettert.

Frau Meier soll im Tal bleiben

Auch im «touristischen Umfeld» wurde dabei auf einer emotionalen Schiene argumentiert. So lautete eine Stellungnahme auf der CIPRA-Tagung im Jahre 1957: «Muss man denn auf jeden Mugl unbedingt eine Seilbahn bauen, damit die Modedamen in Stöckelschuhen in die Gebirgsregionen transportiert werden und dort Unfug treiben können?» Nur begrenzt wurden Lösungsansätze angerissen, so z.B. 1959 von einem französischen Referenten, der eine Zusammenarbeit mit den Tourismusbetreibern vorschlug. Auch fanden sozioökonomische Gesichtspunkte – z. B. welche Veränderungen bringt der Tourismus für die Bergbevölkerung? – nur am Rande Erwähnung.

Herr Meier darf nicht zum Gletscherskilauf

In den 60er und 70er Jahren machte es den Anschein, dass die CIPRA sich von der fortschreitenden Entwicklung überrollt fühlte. Es wurden nur einzelne Resolutionen verabschiedet, die sich gegen weitere Erschliessungsmassnahmen in hochalpinen Bereichen aussprachen. Auch wurde erkannt, dass das biologische Gleichgewicht nicht nur gefährdet, sondern gerade durch den Tourismus schon teilweise zerstört worden war, so dass im Jahre 1977 bereits von Sanierungsmassnahmen die Rede war. Eine Differenzierung der alpinen Räume wurde hingegen in den 80er Jahren vorgenommen. Im Jahre 1980 wurde beschlossen, dass oberhalb der Baumgrenze – in den Gletscherregionen – jegliche Erschliessung zu unterbinden sei. Auch wurde auf die grosse Bedeutung von Ruhezonen hingewiesen, und es wurden erstmals Möglichkeiten einer «alternativen» Tourismusform (z.B. Wanderurlaub) aufgezeigt.

Herr und Frau Meier auf sanften Wegen

Eine globale Betrachtungsweise, die sozioökonomische Aspekte mit einschloss und auch ländliche und städtische Gebiete mit berücksichtigte, nahm in der ersten Hälfte der 80er Jahre konkrete Formen an. Der «Sanfte Tourismus» wurde zum Generalthema der Jahresfachtagung 1984 erklärt. Die Brisanz dieses Themas wurde durch das breite Medienecho und die grosse Beachtung, die dieser Tagung geschenkt wurde, bestätigt. Der Begriff des «Sanften Tourismus » fand eine klare Ausformulierung. Auch wurden im Rahmen einer Deklaration sehr konkrete Forderungen aufgestellt (z. B. Partizipationsprinzip bei umweltrelevanten Planungen). In den 90er Jahren wurde die Tourismusdebatte – verbunden mit einer breiten Öffentlichkeitsarbeit – auf CIPRA-Ebene fortgeführt. In Sachen «Wintersport- Grossveranstaltungen» positionierte sich die CIPRA klar. Aufbauend auf die in der Alpenkonvention ausformulierten Grundsätze wurde gefordert, dass Wintersport-Grossveranstaltungen nur in bereits voll ausgebauten Gebieten erfolgen sollten. Auf der Jahresfachtagung 2000 in Trient wurden verschiedene ökonomische Tourismusmodelle auf ihre ökologischen Auswirkungen untersucht. Auch wurden positive Beispiele im Bereich einer nachhaltigen regionalen Entwicklung aufgezeigt.

Die Ära vor dem Massentourismus...

«Satelliten»-Touristensiedlungen in den französischen Alpen 1979.