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Die CIPRA in den 70er Jahren

Auf stürmischer See

Fritz Lense (dritter v.l.) und Curt Fossel (sechster v.l.) waren die ersten beiden Präsidenten nach 1974, hier bei einer Exkursion zur Jahresfachtagung Belluno/I 1978.©F. Lense

Ende der 60er Jahre zeichnete sich eine Krise ab. Am Rande der Internationalen Alpentagung in Trient 1974 wurde über Weiterleben oder Untergang diskutiert. Ein Neubeginn führte aus dem Dunkeln.

In der zweiten Hälfte der 60er Jahre begann die CIPRA an Stosskraft zu verlieren. Daher wurde nach einer möglichen Zusammenarbeit mit ähnlichen Organisationen gesucht. Der damalige Präsident Emile Dottrens setzte sich dafür ein, dass die CIPRA vom Europarat als Nichtregierungsorganisation anerkannt wurde. Auch hatte er grosse Pläne für eine Beteiligung der CIPRA am Europäischen Naturschutzjahr 1970. Nachdem er aber 1968 unerwartet von seinem Amt zurücktrat, wurde die Situation verschärft. Der neue Präsident, Willy A. Plattner, sprach 1969 davon, "[...] die CIPRA entweder aufzuwerten oder sie aufzulösen."

Ein Höhepunkt der Krise war 1970: Die CIPRA verschlief das Europäische Naturschutzjahr. Die Jahresfachtagung, die 1971 in Magadino/CH abgehalten wurde, täuschte vorübergehend über die verfahrene Situation hinweg. Die von Plattner vorgeschlagene Umstrukturierung – er wollte zusätzliche "Alpenexperten" in die CIPRA aufnehmen und in den einzelnen Ländern "Subkommissionen" bilden – genügte vielen nicht. Nachdem auch 1973 die Jahrestagung ausfiel, wurde im Herbst 1974 am Rande einer IUCN-Konferenz in Trient zum Thema "Die Zukunft der Alpen" beschlossen, die CIPRA auf eine breitere Basis von Trägerorganisationen mit einem mehrköpfigen Präsidium an der Spitze zu stellen.

Mit dem Tod bzw. dem Austritt jener Wissenschaftler, die über Jahre die Geschicke der CIPRA gelenkt hatten, kam es auch zu personellen Veränderungen. Nach einer einjährigen Übergangsphase wurde Curt Fossel zum neuen Präsidenten gewählt. Der Sitz der CIPRA wurde in der Folge nach Graz/A verlegt. In organisatorischer Hinsicht sollten sich auf nationaler Ebene die Natur- und Umweltschutzverbände zu Komitees zusammenschliessen. Dies konnte nicht sofort in die Tat umgesetzt werden. Die Bemühungen zu einer Wiederbelebung zeigten aber erste Erfolge. So wurde z. B. zum 25-jährigen Bestehen der CIPRA im Jahre 1977 in Bovec/SL ein 12-Punkte-Programm über den Schutz der Alpen erlassen.