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Bergeller Tagung 2017

Die grossen Herausforderungen der Berggebietspolitik drehen sich um Energiepolitik, Transitverkehr oder Tourismusgrossprojekte, aber auch die Perspektiven der Berglandwirtschaft und die Abwanderung aus den peripheren Regionen geben zu diskutieren.

Die Tagung startete mit einer alpenpolitischen Standortbestimmung von Cassiano Luminati, Direktor des Polo Poschiavo, und einem Bericht der Whatsalp-Gruppe, welche auf der 4-monatigen Wanderung von Wien nach Nizza in Salecina auf halbem Weg drei Tage Station macht. Die Gruppe um den ehemaligen CIPRA International Präsidenten Dominik Siegrist stellt fest, dass sich die Themen seit Transalpedes, der Wien-Nizza Wanderung von 1992, gewandelt haben. So werden heute biologische Regionalprodukte überall angepriesen. Während Forderungen nach einem Bioland Graubünden 1992 noch utopisch wirkten, ist das heute bereits Stand der Dinge, im Valposchiavo fast zu 100%. Der Tourismus hat sich stark professionalisiert und Diskussionen und Protestbewegungen sind weit weniger präsent auf dem Weg.
Am öffentlichen Podium in der Mehrzweckhalle in Maloja am Dienstagabend stellt Daniel Müller-Jentsch die aktuelle Berggebietsstudie von Avenir Suisse vor. In Bezug auf diese Studie referiert anschliessend der Sozialwissenschaftler Bernhard Tschofen von der Universität Zürich, der dabei feststellt, dass die Studie die Kultur nur am Rande erwähnt.
Eine spannende Ausgangslage für die anschliessende, von Diana Segantini, Kulturchefin von Radio RSI, geleitete Podiumsgespräch mit Nationalrätin Silva Semadeni, Grossrat Allessandro Della Vedova und Andrea Crüzer, Präsident des Gewerbevereins des Bergells. 

Der Mittwochvormittag war für Kulturschaffende reserviert, welche konrete Arbeiten und Projekte mit einem aktuellen Bezug zum Alpenraum vorstellten, so Giovanni Netzer das in Riom beiheimatete Festival Origen, Jean Odermatt das 2018 geplante nationale SAC-Kulturprojekt CRYSTALLIZATION. Jens Badura erläuterte unter anderem das DiskursMuseum des Alpinen Museums, Barbara Wülser von CIPRA International das Interreg Projekt PlurAlp und der „Einheimische“ Patrick Giovanoli das Bergeller Projekt Florio-Soglio. Im anschliessenden Atelier konnte das Gehörte in kleinen Gruppen vertieft werden.

Am Mittwochnachmittag wurden die Teilnehmenden von Journalistin Gabriela Jacomella und dem Präsidenten der Provinz Sondrio, IT an der Grenze in Castasegna erwartet und auf eine Wanderung nach Chiavenna begleitet. Der Abend endet mit einem Exkurs zu Migrations-fragen an der Grenze zur Schweiz. Am von Gabriella Jacomella moderierten von über 100 Leuten besuchten öffentlichen Anlass, stellten unter anderen Batist Sanyang, Asylsuchender aus Gambia und Franco Izmann, jüdischer Flüchtling im zweiten Weltkrieg, ihre individuellen Erfahrungen auf der Flucht vor.

Der Donnerstagvormittag bot Raum für Rückblicke und Ausblicke. Die Teilnehmenden waren sich einige, dass kulturelle Initiativen wichtige Mehrwerte nicht nur monetärer Art produzieren und wichtige Verhandlungsräume für aktuelle Fragen im Berggebiet schaffen können. In einer zum Abschluss verabschiedeten Medienmitteilung, wurde die Forderung vorangestellt, die letzte Woche angekündigten Kürzungen der finanziellen Bundesmittel für das Alpine Museum in Bern zurückzunehmen oder durch eine Sonderfinanzierung zu kompensieren. Das Alpine Museum ist heute eines der innovativsten Zentren für Bergkultur in der Schweiz und im gesamten Alpenraum. Es wird seit seiner Neuausrichtung vor fünf Jahren über die Landesgrenzen hinaus als wichtiger Impulsgeber für die Auseinandersetzung mit Kultur in den Bergen wahrgenommen. Das Museum prägt damit das Bild der Schweiz als zentralem Akteur in den Alpen und ist ein Aushängeschild für den zeitgemässen Umgang mit aktuellen Fragestellungen im Alpenraum.

Mit der Tagung haben die Organisatoren positive Ansätze und Visionen für den Alpenraum entworfen, welche auf die lokalen Stärken setzen, ohne sich bedingungslos wirtschaftlichen Zwängen unterzuordnen. Dabei können Kunst und Kultur, da sind sich die Anwesenden einig, eine wichtige Funktion übernehmen.