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    Internationaler Tag des Wassers

    (20.3.2008) Die Alpen beherbergen als Trinkwasserschloss Europas besonders empfindliche Wassersysteme, welche auch für außeralpine Regionen von großer Bedeutung sind. Im Interesse der Allgemeinheit sind die Alpenstaaten demzufolge für den Erhalt dieser Wasservorkommen und die Verbesserung der ökologischen Funktionsfähigkeit der heimischen Gewässer verantwortlich. Ziel des „Weltwassertages“, welcher jährlich am 22. März begangen wird, ist es auf Raubbau, Rücksichtslosigkeit und Ausbeutung von Wasser aufmerksam zu machen sowie die Öffentlichkeit für einen umsichtigen Umgang mit dieser Ressource verstärkt zu sensibilisieren.

    Als Allgemeingut bündelt Wasser das Interesse vieler Nutzer - jenes der ansässigen Bevölkerung und der Wirtschaft sowie das Interesse an der Erhaltung der Umwelt. Wasser ist Lebensmittel, Lebensraum und Wirtschaftsfaktor gleichermaßen. Dieses Überschneiden unterschiedlichster Funktionen und Nutzungsansprüche führt unweigerlich zu Konflikten.

    Von den 53 größeren Flüssen Österreichs, die auf einer Länge von rund 5.250 Kilometern durch das Bundesgebiet fließen, weisen nur noch wenige einen unfragmentierten und naturnahen Zustand auf. Vielmehr führen Flussbegradigungen und -verbauungen, Kraftwerksbauten, Stauhaltungen und dergleichen zu einer massiven Beeinträchtigung der Fließgewässer, sodass heute nur noch drei bis fünf Prozent aller österreichischen Flüsse und Bäche frei fließen. Zusätzlicher Druck auf Gewässer und vor allem auf Gletscher entsteht ferner durch den, im Gebirge sich rasch vollziehenden, Klimawandel. Letzterer beeinflusst Veränderungen des Wasserkreislaufs und sorgt so für neue, schwer einschätzbare Gefahren und Risiken. Gletscher etwa sind aufgrund ihrer Multifunktionalität, sie sind Trinkwasserspeicher, Ressource für die Energiewirtschaft und gelten gleichzeitig als unverzichtbarer Beitrag zum Tourismus, besonders gefährdet.

    Für eine nachhaltige Wasserzukunft und den Erhalt der letzten freien Fließgewässerabschnitte ist also ein umfassender Schutz der Wasserressourcen unerlässlich. Tabuzonen in Form so genannter „no-go areas“ für E-Wirtschaft und Baulobby werden gegenwärtig im Rahmen eines Masterplans Wasserkraft diskutiert und betreffen alle wasserrelevanten Schutzgebiete. Dieser Masterplan dient der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie WRRL (Richtlinie 2000/60/EG des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 23.10.2000 zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik) und soll die ökologischen Bedingungen der WRRL mit den Kraftwerksprojekten vereinbaren.

    Die Alpenkonvention führt in ihrer Rahmenkonvention (Art 2 Abs 2 lit e) ebenfalls den Bereich „Wasser“ an. Prioritär im Sinne des Übereinkommens ist dabei das Ergreifen von Maßnahmen, welche auf den Erhalt bzw. die Wiederherstellung gesunder Wassersysteme abzielen. Möglich wird dies durch Gewässerreinhaltung, naturnahen Wasserbau und Wasserkraftnutzung, welche die Interessen der ansässigen Bevölkerung und natürlich das Interesse am Erhalt der Umwelt gleichermaßen berücksichtigt.
    Ebenso sprechen eine Reihe der Durchführungsprotokolle (Berglandwirtschafts-, Bergwald-, Bodenschutz-, Energie-, Tourismusprotokoll, Protokoll Naturschutz und Landschaftspflege sowie Protokoll Raumplanung und nachhaltige Entwicklung) diverse Bereiche der Querschnittsmaterie Wasser an, wie etwa Wasserkreislauf, -haushalt, -ressourcen, -qualität, Trinkwasser, Grundwasser, Wasserversorgung, Entwässerung, Gletscher, Hochwasser, Wasserwirtschaft oder Wasserkraft.
    Ein konkretes und rechtlich verbindliches Protokoll zum Fachbereich Wasser existiert trotz intensivster Bemühungen seitens des österreichischen Alpenkonventionsvorsitzes in den Jahren 2005 und 2006 bis heute nicht. Es gibt jedoch einen, von der Internationalen Alpenschutzkommission CIPRA im UNO-Jahr des Süßwassers (2003) ausgearbeiteten, Vorschlag für ein entsprechendes Wasserprotokoll der Alpenkonvention. Dieses steht unter www.cipra.org/de/alpmedia/positionen/38 zum Download zur Verfügung. Der Protokollentwurf thematisiert alpenspezifische Themenfelder wie Gletscher- und Hochwasserschutz, zielt auf Erhalt, Schutz und nachhaltige Nutzung der Wasservorkommen, und aquatischen Ökosysteme, einen ökonomischen Umgang mit der Ressource Wasser und Renaturierungsmaßnahmen ab. Ein Mehrwert für die Alpen wäre die logische Konsequenz dieses ganzheitlichen und alpenspezifischen Wassermanagements.
    Ob ein Protokoll zum Bereich Wasser in naher Zukunft tatsächlich ausgearbeitet wird, wird sich im Zuge der Ministerkonferenz der Alpenstaaten Anfang 2009 entscheiden. Anlässlich dieser Konferenz soll der zweite Alpenzustandsbericht des Ständigen Sekretariats der Alpenkonvention zum Thema „Wasser im Alpenraum“ beschlossen werden. Dieser wird sich unter anderem mit dem Zustand der Gewässer in den Alpen, dem Schutz vor Naturgefahren, Klimaveränderungen, wichtigen Wassermanagementfragen, dem existierenden rechtlichen Rahmen für das Wassermanagement sowie den zentralen Herausforderungen des künftigen Wassermanagements auseinandersetzen. Die Ergebnisse der Publikation sollen letztendlich Aufschluss über die Ausarbeitung eines Durchführungsprotokolls im Bereich Wasser geben.

    Rückfragehinweis:
    Alpenkonventionsbüro der CIPRA Österreich
    c/o Oesterreichischer Alpenverein
    Mag.a Nadine Pfahringer
    Wilhelm-Greil-Straße 15
    A-6010 Innsbruck
    T: +43 512 59 547-43
    F: +43 512 59 547-40
    E: Kontakt