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Nachhaltige Entwicklung in die Alpenraumstrategie!

Trollius europaeus © pe_ma/flickr

(c) Archiv CIPRA Oesterreich

Die Strategie für eine Makroregion Alpen ist in Arbeit! Die CIPRA und Alpen.Leben sind nach wie vor darum bemüht, die Inhalte der Alpenkonvention in den Strategieentwicklungsprozess einzubringen und den Aspekt der nachhaltigen Entwicklung sowie den Schutz der Interessen der ansässigen Bevölkerung über die Bereiche Ökologie, Soziologie, Wirtschaft und Kultur hinweg besonders hervorzuheben. Als Basis dafür dient ein in den vergangenen Monaten gemeinsam mit ExpertInnen erarbeitetes Empfehlungsdokument. Als übergeordnete Forderung steht der Anspruch an eine Entwicklung einer makroregionalen Alpenraumstrategie auf Basis transparenter Information und offener Kommunikation sowie mit dem Ziel einer auf demokratischen Säulen ruhenden dauerhaften und verbindlichen Umsetzung.

Inwieweit diese Vorschläge und Forderungen auf nationaler wie internationaler Ebene Berücksichtigung finden werden, bleibt abzuwarten. Die Mitsprache- und Entscheidungsbefugnisse von NGOs waren ja im Vorfeld eingeschränkt worden. Erste Ergebnisse aus dem laufenden Beratungs- und Diskussionsprozess sind Ende Juni 2014 zu erwarten.

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Vorschläge für thematische Fokussierungen einer makroregionalen
Alpenraumstrategie mit der Alpenkonvention als Mehrwert

Im Kontext der Säule 1 – „nachhaltiges Wachstum“ – wird die Wichtigkeit generationenübergreifenden Denkens und Handelns betont sowie das Setzen auf bewährte und innovative Entwicklungsmöglichkeiten, um die Regionalität im Alpenraum zu erhalten, zu fördern und zu stärken. Dazu bedarf es auch eines ökosozialen sowie eines partizipativen Ansatzes mit einer kontinuierlichen aktiven Einbindung der Zivilgesellschaft. Weiters wird die Schaffung qualitativ hochwertiger und nachhaltiger Arbeitsplätze als essenziell angesehen.

Konkrete Umsetzungsvorschläge und -prioritäten der Säule 1 sind u. a.:

Im Bereich „Wirtschaft & Konsum“:

  • die Einführung einer (Bio-)Qualitätsmarke Alpen für den gesamten Alpenraum;
  • eine Stärkung der Verantwortung der KonsumentInnen durch Ökostandards und Ökolabelling;
  • Sicherstellung der Wertschöpfung auch im Bergland und im ländlichen Raum zur Verringerung der Landflucht, u. a. durch die Stärkung regionaler Kreisläufe, die Bewahrung von Handwerkstraditionen und Entrepreneurship ebenso wie innovative Produktionsketten (z. B. jene nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip)
  • die Erhaltung bzw. der Ausbau der Solidarität der städtischen Räume im Alpenvorland mit den peripheren und wirtschaftlich oftmals benachteiligten Regionen in den Berggebieten;
  • die Gründung einer „Nachhaltigkeitsbank“ in den Alpen, die sich auf die Finanzierung ökonomisch und ökologisch nachhaltiger Projekte spezialisiert;
  • die Ermöglichung energiesparender Produktion bzw. die Deckung des Energiebedarfs durch erneuerbare Energieträger;
  • die Förderung innovativer alpiner Technologien.

Im Bereich „Arbeit & Beschäftigung“:

  • die Sicherung der Arbeitsplätze in den Alpen bzw. das Erreichen echter Vollbeschäftigung;
  • die Schaffung attraktiver Arbeitsplätze nach dem Prinzip eines nachhaltigen und umweltfreundlichen Arbeitens;
  • die Bereitstellung beruflicher Entwicklungsmöglichkeiten für Jugendliche und junge Erwachsene.

Im Bereich „Landwirtschaft“:

  • die Förderung biologischen Landbaus und damit die Entwicklung von Bioregionen;
  • die Förderung und Anerkennung kleiner Betriebe zur Gewährleistung von Ernährungssouveränität;
  • die Erleichterung einer Diversifizierung von Betrieben, z. B. zur Kombination der landwirtschaftlichen Produktion mit touristischen Angeboten (Stichwort Urlaub am Bauernhof).

Im Bereich „Tourismus“:

  • die Stärkung eines sanften bzw. naturschonenden Tourismus;
  • die Erstellung eines alpenweiten Tourismuskonzepts, das sanfte Mobilität, Produktion und Vermarktung regionaler Produkte und Spezialitäten, die Ausbildung speziell ausgebildeter Guides für nachhaltigen Tourismus, zertifizierte Betriebe, Klimawandel, wetterunabhängige Angebote, sowie eine höhere Wertschöpfung in den Regionen berücksichtigt;
  • die Definition und Einführung von Kapazitäts- bzw. Belastungsgrenzen, um eine weitere ökologische und räumliche Beanspruchung des Alpenraumes zu vermeiden;
  • die Berücksichtigung des großen Potenzials der Alpen als Gesundheitsdestination.

Die Alpenkonventions-Protokolle „Berglandwirtschaft“, „Tourismus“ sowie „Raumplanung und nachhaltige Entwicklung“ können in dieser Säule Anwendung finden.

 

Im Kontext der Säule 2 – „territoriale Entwicklung“ – gilt es, auf eine funktionierende Solidarität zwischen Stadt und Land sowie insbesondere auf den Abbau von Disparitäten zu setzen, u. a. durch die Sicherung der Wertschöpfung im ländlichen Raum. Weiters soll das Prinzip der Nähe gestärkt und die bestehende Multifunktionalität für den Erhalt des Alpenraums als Lebens- und Wirtschaftsraum gesichert werden. Zur Stärkung des ländlichen Raumes bedarf es vor allem der Stärkung des öffentlichen Verkehrs, der Schaffung eines flächendeckenden Datennetzes sowie verstärkte Wissensvernetzung mit alpenweiten akademischen Forschungskooperationen.

Konkrete Umsetzungsvorschläge und -prioritäten der Säule 2 sind u. a.:

Im Bereich „Raumordnung“:

  • die Einrichtung und Anwendung einer überörtlichen bzw. alpenweiten Raumordnung;
  • die Sicherung der Daseinsvorsorge in dünn besiedelten Gebieten;
  • das Erkennen raumplanerischer Herausforderungen, die aus dem Zuzug in urbane Ballungsräume resultieren.

Im Bereich „Wissenschaft, Ausbildung & Bildung“:

  • die Forcierung des wissenschaftlichen Austauschs sowie der Forschung im Alpenraum inklusive eines umfassenden Monitoringprogramms;
  • die Stärkung des Zugangs zu Bildung, Aus- und Weiterbildung;
  • die Einrichtung einer „Berglanduniversität“, die sich – in mehreren Alpenländern verortet – speziell der Alpenraumentwicklung widmet und auf transnationale Kooperation setzt.

Im Bereich „Verkehr“:

  • die Erstellung eines ein alpenweiten umweltfreundlichen Verkehrskonzepts und eine flächendeckende Verlagerung auf umweltfreundliche Verkehrsträger;
  • der Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes.

In dieser Säule können die Alpenkonventions-Protokolle „Verkehr“ sowie „Raumplanung und nachhaltige Entwicklung“ Anwendung finden.

 

Im Kontext der Säule 3 – „nachhaltiges Management von Energie, natürlichen und kulturellen Ressourcen“ – wird betont, dass die Regenerationsfähigkeit alpenspezifischer natürlicher Ressourcen zu gewährleisten ist. Es gilt, die Alpen als wertvollen Kulturlandschaftsraum, einschließlich naturschutzfachlich wertvoller Flächen zu bewahren. Die Energiewende soll durch Nutzung von Einsparungspotenzialen und Effizienzsteigerungen (z. B. durch die Nutzung bestehender Wasserkraftwerke) erfolgen.

Konkrete Umsetzungsvorschläge und -prioritäten der Säule 3 sind u. a.:

Im Bereich „Natur- und Umweltschutz“:

  • das Respektieren der biophysische Grenzen des Alpenraums und die Berücksichtigung der Kapazitäten für räumliche Erschließungen;
  • die Förderung einer inneralpinen und transalpinen Lebensraumvernetzung  sowie der Erhalt des Landschaftsbildes;
  • die Entwicklung neuer Technologien für die Luftreinhaltung sowie umfangreicher Umwelt-, Arten- und Flächenschutz in Hinblick auf Klimawandel und Naturgefahren

Im Bereich „Schutzgebiete“:

  • die Erhaltung und Erweiterung von Schutzgebieten;
  • die Förderung nachhaltigen Schutzgebietsmanagements sowie das Ausweisen von Vorrangflächen für die Natur;
  • die Forcierung von Energieeinsparungen im Sinne einer Subsistenzwirtschaft und die bestmögliche Deckung des Energiebedarfs durch nachwachsende Rohstoffe mit dem Ziel einer kohlenstofffreien Produktion und einer energieautarken Region;
  • die Ausweitung der österreichischen Energiemodellregionen auf den Alpenraum;
  • nachhaltiges Wassermanagement (Preispolitik) zum Schutz des Wassers und der Gewässer sowie Schutz vor Hochwasser und damit Schutz des menschlichen Lebensraums.

Im Bereich „Kulturgut Alpen, Tradition und Lebensraum Alpen:

  • die Erhaltung der Alpen als lebenswerter Raum mit einer besonderen Ästhetik und einzigartigem Landschaftsbild sowie mit ihrer speziellen Vielfalt an Kulturen, Traditionen und biologischer Diversität;
  • die Erhaltung und bewusste Nutzung der Vielfalt an kulturellen und sprachlichen Nischen;
  • die Anerkennung von lokalem Wissen als wertvolles Kulturgut;
  • die Schärfung des Bewusstseins für und die Identifikation der Bevölkerung mit dem Lebensraum Alpen.

Im Bereich „Gesundheit“:

  • die Bereitstellung einer umfassenden Gesundheitsvorsorge;
  • die Berücksichtigung von Umweltbildung;
  • die Förderung des Gesundheitstourismus.

Die Alpenkonventions-Protokolle „Naturschutz und Landschaftspflege“, „Energie“, „Raumplanung und nachhaltige Entwicklung“, „Bergwald“, „Berglandwirtschaft“ sowie die Deklaration „Bevölkerung und Kultur“ können Anwendung in dieser Säule finden.

Das gesamte Empfehlungsdokument steht hier als pdf-Datei zum Download bereit.

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