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Klimawandel: Warum die Alpen besonders betroffen sind

In den Alpen sind die Temperaturen in den vergangenen 120 Jahren um knapp zwei Grad Celsius gestiegen – beinahe doppelt so viel wie im globalen Durchschnitt. Und sie sollen noch mehr steigen. Forscher sagen einen Anstieg von weiteren zwei Grad Celsius für die nächsten 40 Jahre voraus. Das mag auf den ersten Blick wenig dramatisch erscheinen. Doch bereits wenige Grade verändern das Klima und damit die Welt entscheidend.

Die in den Alpen gemessene stärkere Erwärmung ist keine alpenspezifische Eigenheit. Allgemein gilt: Über Landmassen ist die Erwärmung stärker als im globalen Mittel. Besonders gut lässt sich dies auf der Nordhemisphäre beobachten, weil hier ein Grossteil der globalen Landmasse zu finden ist. In Gebieten, wo Schnee und Eis liegt, treten verstärkende Rückkoppelungseffekte auf: Je geringer und kürzer die Schnee- und Eisbedeckung, desto mehr kann sich das schnee- und eisfreie Land erwärmen.
In den Alpen zeigen sich die Veränderungen durch die Klimaerwärmung am deutlichsten an den Gletschern. In den vergangenen Jahrzehnten schrumpften viele Alpengletscher auf die Hälfte ihrer einstigen Ausdehnung und bis Ende Jahrhundert könnten alle Alpengletscher – bis auf wenige Ausnahmen – abgeschmolzen sein. Die Folgen des Gletscher- und Permafrostrückgangs: vermehrte Hanginstabilitäten (Fels- und Bergstürze), in Kombination mit einer Zunahme der Starkniederschläge im Sommer auch mehr Murgänge.

Doch die Alpen sind nicht nur Opfer, sondern auch Mitverursacher der Klimaproblematik. Die von der CIPRA im Rahmen des cc.alps Projekts recherchierten Fakten zeigen, dass der Mensch dabei eine zentrale Rolle spielt. In den Alpen wird pro Kopf etwa zehn Prozent mehr Energie verbraucht als im europäischen Durchschnitt. Private Haushalte gehören dabei zu den grossen Energiefressern, weil der grösste Teil des Energieverbrauchs auf die Raumwärme entfällt. Da in den Alpen der Hauptteil des Gebäudebestandes sanierungsbedürftig ist, liegt im Bausektor einer der Schlüssel zur Lösung des Klimaproblems.
Tourismus und Verkehr sind weitere Problembereiche für das Klima in den Alpen: Mit mehr als 93 Prozent ist der motorisierte Strassenverkehr hauptverantwortlich für die Treibhausgasemissionen im Verkehr in den Alpen. 84 Prozent der Urlaubsreisen in die Alpen werden mit dem eigenen Auto unternommen. Innovative Ideen und Lösungen sind in diesem Bereich dringend gefragt, denn die Alpen sind eine der wichtigsten Urlaubsregionen Europas. Viele Existenzen sind von diesem Wirtschaftszweig abhängig.

Dies sind nur einige Fakten, die zeigen, dass es höchste Zeit ist für ein Umdenken in den Alpen. Der Klimawandel zählt zu den grössten Herausforderungen des Jahrhunderts. Für die Natur, die Menschen und die Wirtschaft in den Alpen bedeutet er eine dramatische Veränderung. Es gilt, einen Schritt weiter zu denken und dafür zu sorgen, dass Anpassungen an den Klimawandel naturverträglich sind. Und hier setzt die CIPRA mit dem Projekt cc.alps «Klimawandel – einen Schritt weiter denken» an: Die CIPRA nimmt Klimamassnahmen in den Alpen unter die Lupe und zeigt, welche Massnahmen einen wirksamen Beitrag zur Verminderung der Erderwärmung oder zur Bewältigung der Folgen leisten und dabei auch dem Prinzip der Nachhaltigkeit entsprechen.