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Werkraumexkursion

Im Projekt Alpenkonvention AAA+ von CIPRA Deutschland gab es Mitte 2017 drei Veranstaltungen in den bayerischen Alpen, die den TeilnehmerInnen aus der Kommunalentwicklung viel Raum geboten haben, eigene Strategien zur nachhaltigen Entwicklung der Region zu diskutieren. Mit der Exkursion in den Bregenzerwald sollte eine der Ideen der Umsetzung einen Schritt nähergebracht werden.

Bei der Tourismusveranstaltung in Sonthofen ist, inspiriert durch den Vortrag über die österreichische UNESCO-Studie „Handwerk als immaterielles Kulturerbe und Wirtschaftsfaktor in Österreich“ von Heidrun Bichler-Ripfel und ihrem Verweis auf den Werkraum Bregenzerwald in Vorarlberg, die Idee eines „Haus des Allgäuer Handwerks“ aufgekommen. Der Werkraum ist eine 1999 gegründete Kooperative mit mittlerweile über 90 regionalen Handwerksbetrieben aus über 30 unterschiedlichen Branchen. Ende 2016 wurde er in das internationale UNESCO-Register guter Praxisbeispiele für die Erhaltung und Weiterentwicklung des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Bezugnehmend auf die Inhalte der Alpenkonvention, in der explizit auch die Zusammenhänge von Handwerk und Tourismus thematisiert werden, wurde die o.g. Idee erneut aufgegriffen und im Kontext einer nachhaltigen (Wirtschafts-)Entwicklung des Allgäus mit den entsprechenden lokalen Akteuren diskutiert. 

Die TeilnehmerInnen waren eingeladen, neben dem Werkraum Bregenzerwald (inkl. der Werkraumschule) auch den Käsekeller der KäseStrasse Bregenzerwald sowie bei einem baukulturellen „Umgang“-Spaziergang mit dem Bregenzerwald Tourismus, auch einen Handwerksbetrieb kennenzulernen. Dabei bestand die Möglichkeit, mit den Verantwortlichen vor Ort über die Vor- und Nachteile sowie über die Hindernisse und Hilfen bei der Initiation eines solchen Hauses bzw. vernetzter Projekte im Umfeld zu sprechen.

Die Exkursion verdeutlichte die hohe Bedeutung eines Netzwerks für erfolgreiche Initiativen auf kommunaler Ebene. Dem Beispiel des Werkraum Bregenzerwald folgend, sollten Akteure darauf achten, dass solch ein Netzwerk ein Geben und Nehmen ist und nicht zur Einbahnstraße für die Partner wird.

Trotz hoher Ansprüche an ein funktionierendes Netzwerk, dürfen die Akteure nicht zögern, sondern sollten nach (fundierten) Vorüberlegungen in kleinen Schritten anfangen und einfach machen. Auch wenn das Netzwerk steht und gut zusammenarbeitet, braucht ein großes Projekt – wie der Werkraum – Zeit und langen Atem. Im Prozess darf man nicht das Ziel aus den Augen verlieren, muss problemorientiert arbeiten und in kleinen Schritten vorwärtsgehen. Dabei müssen nicht unbedingt alle potentiellen Partner mitmachen. Es reicht auch ein kleiner Kreis. Denn entscheidend ist vor allem die Motivation der Beteiligten, damit der Funke überspringt.

Natürlich muss man sich auf die örtlichen Gegebenheiten und Traditionen einlassen und nicht versuchen anderes zu kopieren. Es muss unbedingt etwas „Eigenes“ geschaffen werden, um entsprechende Authenzität zu wahren. So etwas „Eigenes“ konnten sich die Teilnehmenden der Exkursion auch sehr gut für das Allgäu vorstellen. Auch die nächsten Schritte dazu wird CIPRA Deutschland begleiten.

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Tagesplanung

8.30       Busabfahrt ab Kempten

9.30       Begrüßung und Besichtigung des Käsekellers Bregenzerwald incl. Kleiner Käse-Verköstigung (Nicole Wolf-Vöhl)

10.30     Besuch und Vorstellung des Werkraum Bregenzerwald sowie der Werkraumschule (Thomas Geisler und Susanne Schedler) mit anschließender Diskussion

11.30     Grünes Wirtschaften mit Handwerk? Nachhaltigkeitsstrategien der Alpenkonvention (Markus Reiterer)

12.00     Führung durch die aktuelle Ausstellung bzw. das Werkraumhaus

12.30     gemeinsames Mittagessen

13.30     „Umgang Bregenzerwald“-Spaziergang mit Besuch eines naheliegenden Handwerkbetriebs (Herlinde Moosbrugger/ Thomas Geisler)

14.30     Über das kooperative Miteinander von Handwerk und Tourismus und dessen Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung des Bregenzerwaldes (Dr. Lukas A. Schrott)

15.30     Workshop zum Thema „Werk(t)raum im Allgäu“ im Kontext nachhaltigen/ zukunftsfähigen wirtschaftlichen Entwicklung des ländlichen Raums (Andreas Koop)

16.30     Definition nächster Schritte

17.00     Rückfahrt

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ReferentInnen:

Thomas Geisler, seit Juli 2016 leitet er den Werkraum Bregenzerwald, zuvor war er Kurator und Sammlungsleiter zeitgenössisches Design am MAK – Museum angewandte Kunst / Gegenwartskunst in Wien

Nicole Hohmann, freie Kulturgestalterin (am Museum Angewandte Kunst in Frankfurt kuratiert sie bspw. die Gesprächsreihe „Blickwechsel - Zukunft gestalten“), zudem ist sie als Käserin in der handwerklichen Milchverarbeitung tätig

Andreas Koop, Designer. Er engagiert sich in der Designforschung und unterrichtet an verschiedenen Hochschulen. 2015 initiierte er erstmals das biennale transdisziplinäre Symposium „Stadt.Land.Schluss.“ im Ostallgäu

Herlinde Moosbrugger, seit 2000 Geschäftsführerin der Bregenzerwald Tourismus GmbH; unter anderem Initiierung und Umsetzung des Projektes "Umgang Bregenzerwald"

Markus Reiterer, Generalsekretär der Alpenkonvention

Susanne Schedler, seit 2008 arbeitet sie im Werkraum Bregenzerwald und ist Projektleiterin der „Werkraumschule Bregenzerwald“. Die Werkraumschule ist ein 2016 gestartetes 5-jähriges Ausbildungsmodell in Kooperation mit den Bezauer Wirtschaftsschulen. Es verbindet eine kaufmännische Ausbildung (Handelsschule) mit einer verkürzten, handwerklichen Lehre.

Dr. Lukas A. Schrott, Geschäftsführer der REGIOnalplanungsgemeinschaft Bregenzerwald Regionalentwicklung GmbH

Nicole Wolf-Vöhl, seit Sommer 2016 ist sie Geschäftsführerin der KäseStrasse Bregenzerwald Lingenau

Bilder der Veranstaltung

Hier finden Sie ausgewählte Bilder der Exkursion zum Werkraum Bregenzerwald.

Der Werkraum Bregenzerwald

Hier gehts direkt zur Homepage des Werkraum Bregenzerwald.

Aber auch Wikipedia bietet ein umfassendes Bild der Initiative.

Werkraumlogo

Grünes Wirtschaften mit der Alpenkonvention

Markus Reiterer, Generalsekretär der Alpenkonvention, wies in seinem Vortrag auf den 6. Alpenzustandsberichts und seine Bedeutung für das Thema Handwerk hin. Sie finden den Bericht zum Grünen Wirtschaften hier.