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Tourismus in Sonthofen

Die Alpen sind eine der wichtigsten Tourismusregionen der Welt. Auch in den bayerischen Alpen hat der Tourismus eine enorme wirtschaftliche Bedeutung.  In vom Tourismus stärker abhängigen Regionen ist es notwendig, diese an sich verändernden Rahmenbedingungen anzupassen:  Klimawandel oder die Konkurrenz aus Städtetourismus und Fernreisen sind hier zu nennen.  Es gilt additive Angebote zu entwickeln, sei es im naturnahen Tourismus oder verstärkte Kooperationen mit Landwirtschaft und mittelständischen Unternehmen.

Dazu heben wir Bürgermeiser und Akteure der Kommunalentwicklung zur zweiten Veranstaltung im Rahmen des Projekts Alpenkonvention AAA+ am 24. Mai 2017 (10–13 Uhr) in Sonthofen eingeladen. Drei Referenten informierten über die Vorteile des naturnahen Tourismus im Allgemeinen und auf privatwirtschaftlicher Anbieterseite, sowie spannenden Synergien mit dem Handwerk:

Umweltschonender Tourismus als Markenzeichen

Eva Grabenweger

Eva Grabenweger

Eva Grabenweger (Mitarbeiterin bei Alpine Pearls, dem alpenweiten Netzwerk für sanften Tourismus)

Denn Beginn der Vortragsreihe markierte Eva Grabenweger von Alpine Pearls. Sie begann damit die Gründe vorzustellen, die Destinationen dazu bewegen ihren Tourismus am Leitgedanken der Nachhaltigkeit auszurichten. Neben positiven Umwelteffekten, sind dies vor allem wirtschaftliche Vorteile sowie positive Auswirkungen auf die einheimische Bevölkerung und die regionale Wirtschaft.

Anschließend wurde der Netzwerk der Alpine Pearls vorgestellt. Die Hauptintention des Netzwerks sind attraktive Urlaubsangebote welche die Umweltbelastung durch den Verkehr verringern, um dabei ökologische und ökonomische Vorteile zu vernetzen und für Umweltthemen zu sensibilisieren. Bei diesen Bestrebungen kann die Mitgliedschaft bei den Alpine Pearls durch klare gemeinsame Botschaften, Ressourcenbündelung und Kooperationen (z.B. EU-Förderung) unterstützen. Sie beruht jedoch auch auf einem strengen Kriterienkatalog. Auch wenn dieser seinen Fokus auf Themen der sanften Mobilität lenkt, spielen Umwelt, Ortsbildpflege oder regionale Wirtschaftskreisläufe eine Rolle.

Um dies zu illustrieren stellte die Referentin abschließend die Gemeinde Werfenweng als beispielhafte Gemeinde in diesem Netzwerk vor. Nach dem Credo „keine Verbote, nur Vorteile“ wurde hier die SAMO Card eingeführt, die dem Gast für wenig Geld hundertprozentige Mobilität im Urlaub bietet – auch ohne Privat-PKW. Demgegenüber stehen auch eine entsprechend große und bunte Auswahl an Verkehrsmitteln von E-Bikes, über Tandems bis hin zu Segway und Elektroautos. Flankiert wird diese Mobilitätsoffensive von Maßnahmen in den Bereichen Erneuerbare Energie, regionale Lebensmittel und Volkskulturpflege.

Nachhaltiges Hotelmanagement

Andreas Eggensberger

Andreas Eggensberger

Andreas Eggensberger (Geschäftsführer des Biohotel Eggensberger in Hopfen am See und Stadtrat in Füssen)

Andreas Eggensberger zeigte auf, wie man sich im Biohotel Eggensberger dem Thema Nachhaltigkeit über Energie und sanfte Mobilität näherte. Eine Mobilitätsgarantie soll die Gäste dazu bewegen bei Ihrem Aufenthalt im Biohotel auf ihren PKW zu verzichten. Dazu gibt es einen Taxiservice von und zum Bahnhof, mit der Königscard kostenlose ÖPNV Nutzung und schließlich eine große Auswahl an E-Bikes und Elektroautos zum Ausleihen. Der Strom für diese Fahrzeuge wird ausschließlich über Sonnenenergie erzeugt.

Andreas Eggensberger ist besonders stolz auf den umfangreichen Fuhrpark an Elektroautos, der vom kleinen SAM aus Norwegen über den i3 von BMW bis zum Tesla reicht. Die Gäste können sich eine Einweisung geben lassen und diese nutzen. Jedoch nur, wenn die Sonne die Akkus aufgeladen hat. Denn es wird Wert darauf gelegt, dass die Fahrzeuge tatsächlich mit von in den hauseigenen Photovoltaikanlagen produziertem Strom gespeist werden. Um diesen Strom produzieren zu können musste das Hotel, trotz optischer Bedenken, große Flächen an und auf dem Haus zur Stromerzeugung nutzen. Dabei wurde auch darauf geachtet verschiedene Einfallswinkel zu nutzen um möglichst im ganzen Tages- sowie Jahresverlauf ausreichend Strom zu produzieren. Ein Drittel des Stromverbrauchs des Hauses kann so mit Strom aus Sonnenenergie gedeckt werden. Die Stromspitzen (z.B. zur Mittagszeit) werden genutzt, um die Flotte der E-Mobile zu laden.

Das Hauptaugenmerk des Vortrags lag zwar auf den Maßnahmen im Bereich Energie und Mobilität, jedoch klang auch an, dass diese Maßnahmen nur ein Teil der nachhaltigen Ausrichtung des Hotels darstellen. So werden beispielsweise Bio Lebensmittel aus der Region bezogen oder der Abfall zu Bio-Erdgas verwertet.

Synergien zwischen Handwerk und Tourismus

Heidrun Bichler-Ripfel

Heidrun Bichler-Ripfel

Heidrun Bichler-Ripfel (Leiterin des Instituts für Angewandte Gewerbeforschung der Wirtschaftskammer Österreich)

Den Abschluss der Impulsverträge markierte Heidrun Bichler-Ripfel, Leiterin des Instituts für angewandte Gewerbeforschung der Wirtschaftskammer Österreich. Sie untersuchte in einer umfangreichen Studie die Zukunftschancen des traditionellen Handwerks in Österreich. Diese Studie stellte sie knapp vor und bezog ihre Schlussfolgerungen dann auf Synergiepotentiale zwischen Handwerk und Tourismus.

Zunächst widmete sie sich aber der Außenwahrnehmung sowie dem Selbstverständnis von „traditionellem Handwerk“. Dabei kristallisierte sich heraus, dass in diesen Branchen in aller Regel eine besondere Beziehung zwischen Rohstofflieferant, Handwerker und Kunde besteht und diese Kette auf regionaler Ebene angesiedelt ist. Aufgrund dieses Beziehungsgeflechts aber auch wegen anderer Faktoren wie Kontinuität und lokale, historische Verwurzelung spielt Nachhaltigkeit im traditionellen Handwerk eine maßgebliche Rolle.

Nichtsdestotrotz scheint das Ansehen der Handwerksberufe zu sinken was nicht zuletzt in der sinkenden Zahl an Lehrlingen oder Neugründungen zeigt. Die Studie hat dazu zahlreiche Maßnahmen ausgearbeitet mit denen Politik und Wirtschaft traditionelles Handwerk stärken können. Diese können in drei Kategorien aufgeteilt werden: Image, Wettbewerbsfähigkeit und Qualifikation.

Schließlich kann auch der Tourismus helfen traditionelles Handwerk zu bewahren und ihm die zustehende Anerkennung zuteilwerden zu lassen. Denn gerade nachhaltiger Tourismus baut auf gelebte Handwerksstrukturen auf, die nötig sind, um den Tourismus einerseits zu unterstützen und zu ergänzen sowie andererseits Arbeitsplätze und Lebensqualität für die ansässige Bevölkerung zu sichern.

Bilder der Veranstaltung

Impressionen zur Veranstaltung in Sonthofen finden Sie hier.

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